Xavier Naidoo feiert Comeback in Leipzig: Wer ist dieser Mann und warum äußert er sich nicht?!

Leipzig - Wie lang braucht es eigentlich, um jemandem zu verzeihen? Im Falle von Xavier Naidoo (54) offenbar: vier Jahre. So viel Zeit ist vergangen, seit sich der "Dieser Weg"-Sänger für seine kruden Äußerungen während der Corona-Pandemie entschuldigte und aus der Öffentlichkeit zurückzog. Auf die Selbstkasteiung folgt nun die große Comeback-Tour, die am Sonntag in Leipzig Halt machte. Einige Fragen bleiben jedoch auch nach dem Abend noch unbeantwortet.

Xavier Naidoo (54) ist aktuell auf großer Comeback-Tour und machte am Sonntag in Leipzig Halt. Nachdem er während der Corona-Pandemie mit kruden Äußerungen aufgefallen war, hatte sich der Sänger für einige Jahre zurückgezogen.  © Nico Schimmelpfennig

Wer ist der Mann, der da auf der Bühne steht? Warum äußert er sich nicht zu dem, was er in der Vergangenheit von sich gegeben hat? Und wie soll man als Zuhörer damit umgehen?

Auf letztere Frage scheinen zumindest die tausenden Fans in Leipzig eine Antwort gefunden zu haben. Sie alle sind am Sonntagabend in die Quarterback Immobilien Arena gepilgert, um ihren Star live zu sehen. Die Konzerthalle war nahezu ausverkauft. Die Stimmung vor der Bühne: freudig und erwartungsvoll.

Das Bild auf der Bühne derweil bodenständig, fast schon minimalistisch. Ein paar LED-Wände hat Naidoo mitgebracht, auf denen er und seine sechsköpfige Band zu sehen sind. Abgesehen davon wird auf Spezialeffekte verzichtet.

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Xavier Naidoo war schon immer jemand, der bei seinen Konzerten die Musik in den Mittelpunkt gestellt hat, das zeigen Aufnahmen vergangener Tage. In Leipzig wirkte die Performance mitunter jedoch fast schon unsicher. Der Sänger war in Mantel und schwarzer Sonnenbrille gekommen, legte beides das gesamte Konzert über nicht ab.

Bei seinen Ansagen bediente er sich am Standardrepertoire. Nur selten wich er davon ab, beispielsweise wenn es um die Ehrung seines verstorbenen DJs Billy Davis ging, dessen Posten inzwischen von seiner Tochter übernommen wurde.

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Allein auf weiter Flur: Mitunter wirkte die Show fast schon unsicher. Naidoo bediente sich an Standard-Aussagen. Eine Positionierung zu seiner Vergangenheit gab es nicht.  © Nico Schimmelpfennig

Naidoos Geschichte ist heute wichtiger denn je!

Der Sänger war fast schon inkognito gekommen. Sonnenbrille und Mantel behielt er das gesamte Konzert über an.  © Nico Schimmelpfennig

Xavier Naidoo hat sich bereits lange vor seinem tiefen Fall während der Corona-Pandemie politisch positioniert. Davon zeugen Songs wie "Alle Männer müssen kämpfen" und das "Söldnerlied", in denen er Krieg und Gewalt verurteilt und die am Sonntagabend auch in der Arena erklingen. Inzwischen wirkt es jedoch, als habe er sich entschlossen, gar nichts mehr zu sagen.

Dabei ist seine Geschichte heute wichtiger denn je - als Zeichen, dass es für diejenigen, die Hass und Verschwörungstheorien verfallen sind, durchaus auch einen Weg zurück geben kann.

Naidoo hat Thesen der QAnon-Bewegung vertreten, mit Reichsbürgern sympathisiert und den Holocaust geleugnet. In seinem Entschuldigungsvideo erklärte er, sich "teilweise" auf Irrwegen befunden zu haben. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus verurteile er aufs Schärfste, sagte er.

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Für viele ist dies bis heute nicht genug und lediglich der Beginn eines steinigen Weges zurück in die Gesellschaft. Andere wiederum scheinen durchaus bereit, ihrem einstigen Lieblingssänger für das Gesagte zu verzeihen.

Fans waren zu Tausenden in die Quarterback Immobilien Arena gekommen und sangen bei mehreren Songs mit.  © Nico Schimmelpfennig
Zweieinhalb Stunden lang unterhielten Naidoo und seine Band das Publikum.  © Nico Schimmelpfennig

Fans stehen mit Tränen in den Augen vor der Konzerthalle

Letzteres zeigte sich schließlich auch in Leipzig, wo die Leute lautstark zu Hits wie "Alles kann besser werden", "Was wir alleine nicht schaffen" und "Ich kenne nichts" mitsangen - und nach der Show mit Tränen in den Augen vor der Halle standen.

Vielleicht werden wir ja in Zukunft wieder öfter von Xavier Naidoo und seinem Weg zurück in die Gesellschaft hören. Und vielleicht können wir dann irgendwann auch wieder guten Gewissens sagen, wer der Mann ist, der da auf der Bühne steht.

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