Ex-Frau des Leipziger Amokfahrers kritisiert Behörden: "Gefühl, allein gelassen zu werden"
Leipzig - Nach der Amokfahrt am 4. Mai in der Leipziger Innenstadt wurde öffentlich und in den Medien auch viel über die Ex-Frau und die Familie von Jeffrey K. (33) berichtet. Gegenüber dem MDR äußerte die 41-Jährige sich jetzt erstmals exklusiv und übte auch Kritik.
"Wir alle sind über die Tat zutiefst schockiert und entsetzt", heißt es in der Erklärung. Die Ex-Frau und die Familie des Amokfahrers wurden von der Tat ebenfalls tief erschüttert und drückten den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus.
Außerdem bedankten sie sich bei den Einsatzkräften und allen Helferinnen und Helfern vor Ort.
Gleichzeitig übten sie aber auch Kritik an der Betreuung durch die Behörden. So soll es im Vorfeld mehrere Anzeigen, Gespräche und Versuche, Hilfe zu erhalten, gegeben haben. Man hatte versucht, eine weitere Eskalation zu verhindern.
"Trotzdem entstand für die unmittelbar Betroffenen über lange Zeit das Gefühl, mit dieser Situation weitgehend allein gelassen zu sein", heißt es in dem Schreiben, das dem MDR vorliegt, weiter.
Es seien vertrauliche und intime Details an die Öffentlichkeit geraten, ohne dass die Familie das wollte oder die Informationen selbst teilte. Dazu zählen wohl offenbar auch Informationen, die nur den Behörden vorlagen.
Die Belastung für die Ex-Frau ist seit Monaten enorm
Die vergangenen Monate waren für die Ex-Frau und ihre Familie sehr belastend gewesen. Einzelne Angehörige haben dauerhaft in Angst gelebt und sich Sorgen um ihre eigene Gesundheit und die von nahestehenden Menschen gemacht.
Durch die Amokfahrt hat sich diese Belastung noch einmal deutlich verschärft.
Nur durch den engen familiären Zusammenhalt und die Unterstützung von vertrauten Personen konnte die Familie die Zeit laut eigener Aussage überstehen.
Gleichzeitig appellieren sie aber auch noch einmal eindringlich an die Öffentlichkeit und an die Medien. Man fordert, dass die Privatsphäre der Ex-Frau und des gemeinsamen Kindes geschützt werden soll. Vor allem das gemeinsame Kind solle nicht dauerhaft die Folgen der Amokfahrt tragen und habe damit weder etwas zu tun noch die Tat verursacht.
Die Familie möchte sich in Zukunft nicht weiter öffentlich äußern.
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Am vergangenen Montag fuhr Jeffrey K. mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit durch eine Menschenmenge in der Leipziger Innenstadt. Zwei Menschen starben, Dutzende wurden teilweise schwer verletzt. Die Politik hat eine schnelle und umfangreiche Aufklärung der Tat versprochen.
Titelfoto: Bildmontage: dpa; Jan Woitas/dpa

