Dölzig - Nach dem Tiger-Angriff Mitte Mai, bei dem ein 72-Jähriger schwer verletzt worden war, hatten die Behörden der Raubtier-Dompteurin Carmen Zander (52) am 1. Juli sechs ihrer acht Großkatzen abgenommen und sie in eine Auffangstation nach Spanien gebracht. Nun wies Zander in einem Interview jede persönliche Schuld an dem verheerenden Vorfall erneut zurück und sprach gar von Sabotage.
Bei den sechs Tigern, welche das Landratsamt beschlagnahmen ließ, handelt es sich um Saphira, ein zwölf Jahre altes Weibchen, und ihre fünf Kinder. Der Vater des erstaunlich großen Wurfs ist Sandokan, eben jener Tiger, der im Mai von der Polizei unweit einer Kleingartenanlage erschossen worden war.
"Für mich ist es wichtig zu betonen, dass mehrere Schieber und Türen vom Tigergehege geöffnet wurden und es zu keinem Zeitpunkt Sicherheitsmängel gab", sagte die selbsternannte Tigerqueen nun der "FAZ". "Ich trage keine Schuld für diesen tragischen Unfall. Eine Sabotage ist nicht auszuschließen."
Den Vorwurf, sie habe gesetzliche Vorgaben ignoriert und die Tiere nicht artgerecht gehalten, weist die 52-Jährige unterdessen zurück und kritisiert ihrerseits die Behörden scharf.
So sei es ihr etwa verwehrt worden, sich von ihren Tigern vor dem Abtransport zu verabschieden: "Ich habe sie nur schreien hören", so Zander. "Die sind durchgedreht. Sie waren schon vom ersten Einsatz mit Sandokan im Mai traumatisiert."
Carmen Zander: Beide verbliebenen Tiger sind "absolut verstört"
Zander hatte das Vorgehen der Behörden als "tierschutzwidriges Verbrechen" bezeichnet und bleibt auch fast zwei Wochen danach bei dieser Einschätzung: "Man kann Tiger, die in einem absoluten Adrenalinzustand waren, nicht einfach betäuben. Das geht gar nicht."
Auch die Behauptung der Tierärzte des Veterinäramtes, die Tiere seien gesund und damit transportfähig, sei befremdlich: "Sie kannten meine Tiger nicht. Sie wussten nicht, wann sie vorher gefressen haben. Sie wussten nicht, ob einer vielleicht Diabetes hat, ob sich der andere in einer antibiotischen Behandlung befindet oder vielleicht ein epileptisches Tier dabei ist."
Die zwei bei Zander verbliebenen Tiere, Kiara und Imana, seien nach den Geschehnissen "absolut verstört und traumatisiert": "Kiara ist schon über 20. Sie schreit nur noch, wie das Bengaltiger so machen, wenn sie Stress haben und plötzlich allein sind", sagt die Dompteurin.
"Ich musste mich jetzt erst mal ein paar Tage fangen und meinen tiefen Schmerz verarbeiten", berichtet Carmen Zander der Zeitung. "Nun werde ich mich mit meinem Anwalt besprechen."