Eklat im Thüringer Landtag: Höcke setzt Corona-Impfung mit Nazi-Verbrechen gleich

Erfurt - Eine von der AfD beantragte Sondersitzung des Thüringer Landtages zur Corona-Politik setzte der AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Björn Höcke (49) die unrühmliche Krone auf.

AfD-Mann Björn Höcke (49) hat die Corona-Impfung mit den verbrecherischen Machenschaften im Dritten Reich gleichgesetzt.
AfD-Mann Björn Höcke (49) hat die Corona-Impfung mit den verbrecherischen Machenschaften im Dritten Reich gleichgesetzt.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Höcke genoss seine Redezeit am Mittwoch sichtlich. Zu Beginn zählte der umstrittene AfD-Politiker, in gewohnt reißerischer Manier, auf, worüber er alles froh sei. Dass man diese Debatte angestoßen habe, über "die friedlichen Freiheitsspaziergänge", über einen Eilantrag, den man als Fraktion vor das Thüringer Landesverfassungsgericht gebracht habe, "um 2G zu kippen". Es komme Bewegung "ins hohe Haus". "Die Zivilcourage der Bürger und AfD wirken."

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Im Laufe seiner Rede trieb es der gebürtige Westfale mal wieder auf die niveaulose Spitze.

"Wir müssen mittlerweile von Tausenden Menschen ausgehen, die mit mRNA-Impfstoff totgespritzt wurden", sagte er. Darunter würden sich "erschreckend" viele, junge Menschen befinden. Eine Impfpflicht bezeichnete er vor diesem vermeintlichen Hintergrund als "ganz klar verfassungswidrig".

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In Bezug auf seine angegebene Statistik verwies er unter anderem auf einen Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts. Dieser listet jedoch nur Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen in Deutschland auf.

In dem aktuellen Sicherheitsbericht heißt es: "In 1919 Verdachtsfallmeldungen wurde über einen tödlichen Ausgang in unterschiedlichem zeitlichem Abstand zur Impfung (0 Tage bis 289 Tage) berichtet.

Linken-Politiker Hoff: "Entgleisung sondergleichen"

Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (45, Linke) appelliert an den Anstand des Menschen Björn Höcke.
Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (45, Linke) appelliert an den Anstand des Menschen Björn Höcke.  © Wolfgang Kumm/dpa

Doch Höcke trieb es noch weiter! "Dieser Eingriff in die körperliche Unversehrtheit ist, und das möchte ich betonen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der verbrecherischen Menschenversuche im Dritten Reich, ein historischer Tabubruch."

Der Konter ließ nicht lang auf sich warten. Benjamin-Immanuel Hoff (45, Linke) hielt anschließend dagegen. "Die Art, wie Sie, Herr Höcke, Ihre Reden für die sozialen Netzwerke aufbereiten, ist ja bekannt." Er habe eine Provokation an die andere gereiht, man nehme es hin, man höre weg, so Hoff.

"Aber es gibt Punkte, an denen selbst Sie einen Funken menschlichen Anstand an den Tag legen sollten."

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Das Thema Impfung gegen Corona gleichzusetzen mit "der gezielten, industriellen Vernichtung der Menschen in den Konzentrationslagern" sei eine "Entgleisung sondergleichen".

Dafür erhielt der 45-jährige Linken-Politiker Beifall. Zudem forderte er Höcke auf, sich für seine Äußerung zu entschuldigen.

"Wenn Sie nur einen Funken menschlichen Anstand haben, Herr Höcke, was in diesem Parlament, jenseits Ihrer Fraktion niemand mehr annimmt, seitdem wir Sie in diesem Parlament kennen, wäre es schön, wenn Sie sich wenigstens gegenüber den Opfern derjenigen, die Sie hier versucht haben zu entehren, entschuldigen würden", sagte er - erneut Beifall.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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