Buckelwal wieder in tieferem Wasser, Biologe spricht von "Harakiri-Aktion"

Niendorf - Ein gestrandeter Buckelwal saß seit Montag auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) fest. Alle Maßnahmen blieben ohne Erfolg. Am Freitag sollte die Rettungsaktion weitergehen, doch der Wal hat sich selbst befreit. TAG24 berichtet erneut im Liveticker von vor Ort.

Am Freitag sollte die Rettungsaktion weitergehen, doch der Wal hatte sich über Nacht selbst befreit.
Am Freitag sollte die Rettungsaktion weitergehen, doch der Wal hatte sich über Nacht selbst befreit.  © Sea Shepherd

In der Nacht zu Montag war der Buckelwal wenige Meter vom Strand entfernt gestrandet. Experten vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) waren vor Ort und arbeiteten gemeinsam mit der Feuerwehr an einer Lösung.

Noch am Montag hatten Retter immer wieder versucht, das Tier von einem Schlauchboot aus zum Schwimmen zu animieren. Auch Schiffe der Küstenwache fuhren an der Küste auf und ab, um künstlich Wellen zu erschaffen.

Auch am Donnerstag konnte der Einsatz mehrerer Bagger den Wal nicht komplett befreien. Am Freitag sollte die Rettungsaktion in eine neue Runde gehen, doch der Wal war nicht mehr da.

27. März, 11.15 Uhr: Meeresbiologe spricht von "Harakiri"-Aktion

Meeresbiologe Robert Marc Lehmann hat sich gegenüber TAG24 äußerst verärgert gezeigt.

Der YouTuber sprach angesichts der vielen Boote von einer "Harakiri-Aktion", die den Wal verunsichert habe. Das Tier sei "orientierungslos und panisch", erklärte Lehmann.

Er widersprach allerdings der Greenpeace-Aktivistin Teichmann, die erklärt hatte, dass der Wal sehr langsam schwimme und wenig tauche. Er verhalte sich für einen Wal, der tagelang gestandet war, "ganz normal". Was nun im weiteren Verlauf passiere, könne er nicht sagen, so Lehmann.

Meeresbiologe Robert Marc Lehmann hat sich gegenüber TAG24 äußerst verärgert gezeigt.
Meeresbiologe Robert Marc Lehmann hat sich gegenüber TAG24 äußerst verärgert gezeigt.  © TAG24/Tobias Bruns

27. März, 10.52 Uhr: Wal schwimmt langsam und taucht wenig

Wie Teichmann gegenüber TAG24 erklärte, schwimme der Wal derzeit sehr langsam und tauche wenig. Zu seinem Gesundheitszustand könne man aktuell aber keine gesicherten Angaben machen.

Laut Augenzeugen haben sich der Wal und die Boote wieder ein gutes Stück von der Küste entfernt. Demnach seien die beteiligten Boote vom Strand "gerade noch so zu erkennen".

27. März, 10.37 Uhr: Wal schwimmt wieder in die richtige Richtung

Was für ein Krimi! Laut Augenzeugen schwimmt der Wal nun wieder in die richtige Richtung, vom Strand weg.

TAG24 ist in Kontakt mit Greenpeace-Aktivistin Heinke Teichmann, die sich an Bord eines der beteiligten Boote befindet. Sie erklärt, dass das Tier mithilfe eines "engen Verbands" aus mehreren Booten von der Küste weggeführt werden soll.

27. März, 10.22 Uhr: Wal nur noch 50 Meter vom Strand entfernt

Laut Augenzeugen vor Ort ist der Wal nun plötzlich nur noch 50 Meter vom Strand entfernt und schwimmt parallel zum Ufer.

Die Boote versuchen alles, um ihn vor einer erneuten Strandung zu bewahren.

Mit mehreren Booten versuchen die Einsatzkräfte, den Wal vor einer erneuten Strandung zu bewahren.
Mit mehreren Booten versuchen die Einsatzkräfte, den Wal vor einer erneuten Strandung zu bewahren.  © TAG24/Tobias Bruns

27. März, 10.15 Uhr: Wal plötzlich zurück in der Lübecker Bucht

Das gibt es nicht! Nachdem er fast eine Stunde lang nicht gesichtet worden war, ist der Wal nun wieder in der Nähe des Niendorfer Strandes aufgetaucht.

Die Einsatzkräfte sind mit sieben Booten auf dem Wasser, um das Tier vom Strand fernzuhalten und eine erneute Strandung zu verhindern.

Nach Einschätzung von Christin Otto von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd trennen den Wal jetzt nur noch wenige hundert Meter von der Stelle, an der er tagelang gestrandet war.

Plötzlich tauchte der Wal wieder unweit des Niendorfer Strandes auf, wo er tagelang gestrandet war.
Plötzlich tauchte der Wal wieder unweit des Niendorfer Strandes auf, wo er tagelang gestrandet war.  © TAG24/Tobias Bruns

27. März, 10.06 Uhr: Wal muss auf Heimweg einige Engstellen passieren

Thilo Maack von Greenpeace wertete den Umstand, dass der Wal seit Längerem nicht mehr gesichtet wurde, gegenüber TAG24 als "sehr gutes Zeichen". Dies spreche dafür, dass er nicht mehr in Nähe des Festlandes sei.

Problematisch könne allerdings werden, dass es auf dem Weg durch die Nordsee bis in den Atlantik immer wieder Engstellen gebe - sowohl in deutschen, als auch in dänischen Gewässern.

Buckelwale orientieren sich demnach vor allem auf Sicht und anhand ihrer Erfahrungen. "Er hat noch eine Reise vor sich", verdeutlichte Maack.

27. März, 9.49 Uhr: Wal konnte nicht mit einem Sender versehen werden

Warum wurde der Wal eigentlich nicht mit einem Sender versehen, um seinen Weg in die Freiheit nahtlos nachverfolgen zu können?

Die Haut des Tieres habe dies durch ihren schlechten Zustand nicht möglich gemacht, wie Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte.

27. März, 9.27 Uhr: Wal seit längerer Zeit nicht mehr gesichtet worden

Der Wal wurde mittlerweile seit rund 20 Minuten nicht mehr gesichtet. Nun soll eine sogenannte "Long Range Drohne" zum Einsatz kommen, die speziell für längere Strecken konzipiert ist.

TAG24 ist mittlerweile nicht mehr an Bord des Greenpeace-Bootes. Da das Tier längere Zeit nicht mehr gesichtet wurde, soll sich der Bootsverband offenbar demnächst auflösen. Das ist aber noch nicht sicher.

27. März, 9.20 Uhr: Aufräumarbeiten am Niendorfer Strand

Während der Wal auf dem besten Weg Richtung offenes Meer ist, finden am Niendorfer Strand bereits die Aufräumarbeiten statt.

Die Bagger werden für ihren Abtransport vorbereitet, die Bojen wurden an Land geholt und die Absperrzäune abgebaut.

Am Niendorfer Strand finden bereits die Aufräumarbeiten statt.
Am Niendorfer Strand finden bereits die Aufräumarbeiten statt.  © NEWS5/Sebastian Peters

27. März, 8.49 Uhr: Wal schwimmt der Freiheit entgegen

Auf den Booten macht sich Hoffnung breit: Der Wal hat sich mittlerweile ein gutes Stück von der Küste entfernt und ist auf dem besten Weg, die Lübecker Bucht zu verlassen.

Die Maßnahmen der Einsatzkräfte vor Ort scheinen tatsächlich Früchte zu tragen. Das bestätigte auch Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) auf dem Festland.

Titelfoto: Fotomontage: TAG24/Tobias Bruns

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