Heftige Tumulte nach Abpfiff: Chaos-Szenen bei BFC gegen Energie Cottbus!

Berlin - Diese Begegnung dürfte ein Nachspiel haben! Fans des BFC Dynamo und Energie Cottbus sorgten am Samstag-Nachmittag für mehrfache Ausschreitungen und zwangen das Sicherheitspersonal zu Höchstleistungen. Derweil saßen die Cottbus-Profis auf gepackten Koffern im Stadion fest.

Schon nach 30 gespielten Minuten war Pause. Beide Fanlager hatten für eine 18-minütige Spielunterbrechung gesorgt.
Schon nach 30 gespielten Minuten war Pause. Beide Fanlager hatten für eine 18-minütige Spielunterbrechung gesorgt.  © TAG24/Lukas Schulze

Wilde Szenen nach Abpfiff im Sportforum Hohenschönhausen: Das Hass-Duell zwischen dem BFC und Cottbus geriet außer Kontrolle.

Die Anhänger des BFC Dynamo und Energie Cottbus wollten die Pufferzone durchstoßen, dem "Feind" an den Kragen, die Polizei musste massiv eingreifen.

Insgesamt waren 1100 Einsatzkräfte der Polizei Berlin und der Bundespolizei im Einsatz, die Polizisten konzentrierten sich dabei auf den Gäste-Bereich und den Übergang zu den BFC-Fans, beide Fanlager waren auf Krawall gebürstet.

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Es flogen Steine, Flaschen und Beschimpfungen wild umher, schon während des Regionalliga-Spiels hatte es massiv Pyrotechnik, Raketen und Böller gegeben. Auf das Wohl Dritter wurde keine Rücksicht genommen.

Der BFC-Stadionsprecher versuchte minutenlang die heißblütigen Fans zu beschwichtigen: "Reißt euch zusammen, hört auf mit dem Kindergarten!"

Seine Botschaften fanden kein Gehör, die Lage drohte zu eskalieren.

Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz als Zielscheibe der BFC Dynamo-Fans

Der Platz rechts blieb leer. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz (58) nahm nicht an der obligatorischen PK teil.
Der Platz rechts blieb leer. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz (58) nahm nicht an der obligatorischen PK teil.  © TAG24/Lukas Schulze

Auch Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz (58) wurde während des Spiels permanent unter der Gürtellinie beleidigt, war nach Abpfiff angesichts der Umstände außer sich und nicht gerade freundlich zu Ordnern des Gastgebers.

Die anschließende Pressekonferenz besuchte der Gästetrainer aus Sicherheitsgründen nicht, Fans waren in den Spielertunnel vorgedrungen.

Selbst bei TV-Interviews flogen Flaschen in seine Richtung, durch seine Äußerungen in Vergangenheit und den Namens-Boykott des BFC hatte er sich in Hohenschönhausen viele Feinde gemacht.

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Die Cottbuser mussten nach Abpfiff minutenlang vor dem BFC-Funktionsgebäude ausharren, der Mannschaftsbus konnte nicht raus, solange die Lage explosiv war.

Die Energie-Akteure machten aus der Not eine Tugend: Mit Musikbox und kleineren Tanzeinlagen feierten sie vor den Kabinen den 2:0-Sieg, der sich an diesem Tag wie der Aufstieg anfühlte.

Selten schöne Szenen in der turbulenten Menge: Mehrere BFC- und FCE-Akteure klatschten sich ab, unterhielten sich freundschaftlich, man kennt sich in der Liga.

Wann können wir nach Hause? Die Cottbus-Profis warten nach dem Spiel vor den Kabinen.
Wann können wir nach Hause? Die Cottbus-Profis warten nach dem Spiel vor den Kabinen.  © TAG24/Lukas Schulze

Das Sicherheitskonzept sollten alle Beteiligten auf den Prüfstand stellen

Die Polizei formierte sich vor den Fanblöcken.
Die Polizei formierte sich vor den Fanblöcken.  © IMAGO/Beautiful Sports/Luciano Lima

Der NOFV-Sicherheitsbeauftragte äußerte sich auf TAG24-Nachfrage alles andere als einverstanden mit der Koordination der Polizeikräfte, sämtliche Zu- und Abwege waren an dem Tag verstopft.

Zugleich betonte er, dass zumindest ein Platzsturm verhindert und das Spiel ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden konnte.

Die Gastgeber, die an diesem Tag mit 4500 Zuschauern ausverkauft meldeten, zeigten sich angesichts der zu erwartenden Szenen im "Großen und Ganzen" zufrieden mit dem Sicherheitskonzept.

Währenddessen beklagte sich Cottbus über die aus ihrer Sicht chaotischen Zustände. Weit im Vorfeld hatte der FCE eine Anfrage beim NOFV zwecks Spielortverlegung gestellt. Dies wurde abgelehnt, die Polizei sah sich als Herr der Lage.

Unglücklich: Dieses Hochrisikospiel als "Testlauf" der Einsatzkräfte für die anstehende Fußball-EM in Berlin zu deklarieren, kam bei vielen Verantwortlichen nicht gut an.

Gut eine Stunde nach Abpfiff konnten die Cottbuser die Heimreise antreten. Viele Fans saßen weiterhin fest, die Straßenbahnen kamen nicht durch, die Polizei drohte mit dem Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern.

Den einen Schuldigen für das Chaos auszumachen war nicht möglich, der sich über Jahre angestaute Hass beider Fanlager entlud sich an diesem Tag. Der Verlierer war klar der Fußball.

Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/Beautiful Sports/Luciano Lima

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