Bayern-Stars in der Formkrise: Nagelsmann muss das Ruder schnell herumreißen!

München - Jamal Musiala (19) war wieder ein erfrischender Lichtblick. Ansonsten erwiesen sich die Länderspiele nicht als Anti-Krisen-Mittel für die Profis des FC Bayern München. "Anstrengend" geht es nun auch in der Bundesliga weiter.

Julian Nagelsmann (35) muss das Ruder beim FC Bayern München schnell herumreißen, sonst dürfte es für den Trainer ungemütlich werden.
Julian Nagelsmann (35) muss das Ruder beim FC Bayern München schnell herumreißen, sonst dürfte es für den Trainer ungemütlich werden.  © Tom Weller/dpa

Noch in den Katakomben des Wembley-Stadions ging es für den Block der Bayern um die plötzlichen Bankdrücker Thomas Müller (33) und Serge Gnabry (27) schon wieder um die anhaltende Krise daheim.

"Na klar ist jetzt für uns Bayern-Spieler der Fokus voll auf den nächsten Wochen", sagte Routinier Müller mit Blick auf die stolzen 13 (!) wegweisenden Spiele in sieben Wochen, in denen bis zur langen WM-Pause wichtige sportliche Weichen gestellt werden müssen, gerade im deutschen Oberhaus.

"Das wird anstrengend genug", stöhnte Müller wohl wissend, was auf ihn und seine Teamkollegen in den kommenden Wochen zukommen wird.

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Zumal Ehrenpräsident Uli Hoeneß (70) direkt nach dem 3:3 gegen England in einer RTL-Schalte klare Vorgaben an die Münchner und dabei auch den unter erheblichen Lieferdruck geratenen Julian Nagelsmann (35) übermittelte.

"Man muss ganz klar sagen: Unsere Mannschaft hat zuletzt nicht gut gespielt! Da muss dran gearbeitet werden." Es sei aus diesem Grund "dringend notwendig", mahnte der 70 Jahre alte Vereinspatron, dass die Spieler der Roten jetzt schnell wieder zur Verfassung der "überragenden Spiele" zu Saisonbeginn zurückfänden - zu einer Zeit, in der es einfach wie von selbst lief.

Die Lage muss Nagelsmann nach zuletzt vier sieglosen Partien in der Bundesliga und dem 0:1-Tiefpunkt gegen den FC Augsburg entschärfen. Schon am Freitag geht's gegen Bayer 04 Leverkusen, eine Woche darauf dann nach Dortmund.

Jamal Musiala vom FC Bayern München als einziger Lichtblick

Jamal Musiala (19, vorne rechts) vom FC Bayern München konnte im Dress der Nationalmannschaft Werbung in eigener Sache machen.
Jamal Musiala (19, vorne rechts) vom FC Bayern München konnte im Dress der Nationalmannschaft Werbung in eigener Sache machen.  © Christian Charisius/dpa

"Wir werden voll angreifen und auch voll angreifen müssen", hatte Oliver Kahn (53) angekündigt. Von Nagelsmann sei er weiterhin "total überzeugt".

Die Nations-League-Spiele gegen Ungarn (0:1) und England sorgten nicht für den auch von den Bayern-Bossen um Kahn sowie Nagelsmann erhofften Stimmungsumschwung bei ihrem DFB-Personal.

Dieses kehrte am Dienstag vielmehr mehrheitlich frustriert nach München zurück. Ein Lichtblick war einmal mehr allein der 19-jährige Jamal Musiala, der seine Unbekümmertheit auf dem Fußballplatz einfach in praktisch jedem Trikot beibehält.

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Er lasse die Vereinssituation "nicht an" mich ran, sagte Musiala: "Das ändert meine Mentalität nicht."

Hoeneß war schwer beeindruckt, wie der in London aufgewachsene Youngster bei seinem besonderen Länderspiel in der Fußball-Kultstätte Wembley aufspielte und deshalb als offensiver Impulsgeber den riesigen Erwartungen standgehalten habe.

"Im Vorfeld wurde er ja ohne Ende unter Druck gesetzt. Man hat ja gemeint, Messias spielt jetzt bei der deutschen Mannschaft", sagte Hoeneß, der sich als "großer Fan" von Musiala outete und Nagelsmann einen Rat gab, der wie ein Befehl klang: "Wenn Jamal so spielt, muss er beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft gesetzt sein."

Spieler des FC Bayern München sollten im Dress der Nationalmannschaft Selbstvertrauen tanken

Für Thomas Müller (33) vom FC Bayern München könnte es derzeit besser laufen - und das gilt auch im Dress der Nationalmannschaft.
Für Thomas Müller (33) vom FC Bayern München könnte es derzeit besser laufen - und das gilt auch im Dress der Nationalmannschaft.  © Christian Charisius/dpa

Auch dem erst spät eingewechselten Müller blieb als Zuschauer nicht verborgen, dass der längst für Gnabry, Leroy Sané (26) oder darüber hinaus auch ihn zum ernsthaften Konkurrenten gewordene Musiala "in der zweiten Halbzeit, als das Spiel aufging, seine Fähigkeiten zeigen konnte". Hoeneß vermied ansonsten lieber Einzelkritik.

Aber die Länderspiele waren ein eindeutiger Indikator dafür, wie es um einige Münchner Spieler steht. "Man merkt schon: Serge Gnabry sitzt auf der Bank, Thomas Müller sitzt auf der Bank, das sind ja Dinge, die die Bayern-Spieler nicht so gewohnt sind", bemerkte Hoeneß zur Reservistenrolle dieser Offensivgrößen im Kräftemessen mit England.

Die nach dem kurzfristigen Coronavirus-Ausfall von Manuel Neuer (36) und Leon Goretzka (27) immer noch fünf Bayern-Spieler im DFB-Kader sollten nach zuvor vier sieglosen Bundesligaspielen am Stück eigentlich mit Toren und Siegen Selbstvertrauen für den weiteren Vereinsalltag tanken. Das misslang.

"Die Form war zuletzt nicht da - und dann wird über Spieler des FC Bayern immer diskutiert, gar keine Frage", bemerkte Hoeneß entsprechend deutlich. Er erwartet trotzdem jetzt eine Trendwende beim auf Tabellenplatz fünf abgestürzten Serienmeister. "Julian Nagelsmann kann sich jetzt voll mit der Mannschaft vorbereiten auf die wichtigen Spiele, die jetzt kommen. Ich bin überzeugt, dass unsere Mannschaft dann auch wieder Form kriegt", sagte der Ehrenpräsident.

Vor dem Leverkusen-Spiel kann Nagelsmann freilich kaum mit dem gesamten Team trainieren und an den Krisen-Symptomen arbeiten. Immerhin konnten Neuer und Goretzka nach ihrer Corona-Pause am Dienstag wieder mit der Mannschaft trainieren. Und es gab ja auch positive Länderspielnachrichten: Sorgenkind Sadio Mané (30) beendete seine Torflaute im Einsatz für den Senegal. Beim Testspielsieg gegen Bolivien verwandelte der Stürmer einen Elfmeter.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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