Aufstieg futsch: Herthas Debakel in Paderborn könnte enorme Folgen haben

Berlin - Mit dem blutleeren Auftritt beim SC Paderborn hat Hertha BSC aller Voraussicht nach die letzte Chance im Kampf um die Bundesliga vertan - der Kampfgeist scheint erloschen zu sein.

Fabian Reese (28, l.) und Co. verlassen nach der fiesen Klatsche in Paderborn mit gesenkten Köpfen das Spielfeld.  © Swen Pförtner/dpa

Mit dem Aufstieg hat man nichts mehr zu tun, waren sich Spieler und Trainer im Anschluss an das 2:5-Debakel beim direkten Konkurrenten sicher. Kein Wunder bei nunmehr zehn Punkten Abstand auf Platz drei.

Mehr noch als dieser große Rückstand gibt aber das Auftreten der Mannschaft Anlass zur Sorge. Besonders im Defensivverhalten offenbarte die Alte Dame eklatante Schwächen bei langen Bällen. Die ärmste Sau im Bunde war Tjark Ernst (22), der von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde.

Das Desaster am Fehlen von Mega-Talent Kennet Eichhohrn (16) und Vorkämpfer Deyovaisio Zeefuik (27) festzumachen, wäre zu einfach. Innerhalb von nur zwei Wochen sind für die Blau-Weißen mit drei Pleiten in DFB-Pokal und 2. Bundesliga sämtliche Träume geplatzt. Dabei scheint besonders das bittere Pokal-Aus gegen den SC Freiburg Spuren hinterlassen zu haben. Im Anschluss schien der Stecker regelrecht gezogen zu sein.

Hertha BSC Müde Hertha kassiert Heimpleite gegen Hannover und Dämpfer im Aufstiegsrennen

Vor der Saison haben die Verantwortlichen beim Hauptstadtklub wieder einmal vollmundig vom Aufstieg gesprochen und ihn als quasi alternativlos bezeichnet. Die Wahrheit ist aber, dass die Mannschaft seit dem letzten Abstieg nie über Platz sechs in der Tabelle hinausgekommen ist.

Für Stefan Leitl (48) gibt es jetzt nur noch ein Ziel für die verbleibenden Partien: "Es geht darum, gute Spiele zu zeigen und das Maximale für die Saison herauszuholen", kündigte er an.

Anzeige
Tjark Ernst (22) war beim 2:5 in Paderborn wahrlich nicht zu beneiden - er könnte Hertha BSC im Sommer verlassen.  © Swen Pförtner/dpa

Darf Stefan Leitl neuen Anlauf auf Bundesliga nehmen und was wird aus Benjamin Weber?

Steht die Zukunft von Stefan Leitl (48. l.) und Benjamin Weber (45) bei Hertha BSC auf dem Spiel?  © Andreas Gora/dpa

Vom restlichen Saisonverlauf könnte auch sein persönliches Schicksal abhängen, denn im Sommer dürften die Entscheidungsträger einmal mehr alles auf den Prüfstand stellen. Darf der Coach in der kommenden Saison einen neuen Anlauf aufs Oberhaus nehmen?

Auch die Arbeit von Sportdirektor Benjamin Weber (45) wird dann wohl gründlich unter die Lupe genommen, der es erneut nicht geschafft hat, eine homogene Mannschaft für den Aufstieg zusammenzustellen - zu viele Künstler, zu wenig harte Arbeiter.

Stichwort Kader: Der könnte im Sommer auseinanderfallen. Wunderkind Eichhorn scheint so gut wie weg zu sein und mehrere junge Spieler scharren mit den Hufen, wollen den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen - allen voran Pascal Klemens, Linus Gechter, Julian Eitschberger (alle 21) und Ernst.

Hertha BSC Hertha BSC resigniert: "Brauchen nicht mehr über Aufstieg sprechen"

Bei einigen älteren Kickern läuft der Vertrag aus. Hier wären Toni Leistner (35) sowie die Pechvögel John Anthony Brooks (33) und Diego Demme (34) zu nennen. Durch den Nicht-Aufstieg wird zudem die Kaufoption für Werders Dawid Kownacki (28) hinfällig.

Und ob sich Fabian Reese (28) bei aller Liebe tatsächlich ein weiteres Jahr in der Hauptstadt antut oder doch lieber einen anderen Weg wählt, um sich den Traum von der Bundesliga endlich zu erfüllen, bleibt ebenfalls abzuwarten. Es gibt also jede Menge Baustellen.

Tabelle 2. Bundesliga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 FC Schalke 04 23 33:20 46
2 SV Darmstadt 98 23 44:25 45
3 SV 07 Elversberg 23 42:25 44
4 SC Paderborn 07 23 38:26 43
5 Hannover 96 23 41:30 42
6 1. FC Kaiserslautern 23 39:33 37
7 Hertha BSC 23 32:28 34
8 1. FC Nürnberg 23 30:32 30
9 Karlsruher SC 23 34:43 30
10 VfL Bochum 1848 23 31:28 29
11 Arminia Bielefeld 23 36:32 27
12 Fortuna Düsseldorf 23 21:33 25
13 Eintracht Braunschweig 23 26:40 25
14 Holstein Kiel 23 28:34 24
15 SC Preußen Münster 23 27:35 23
16 1. FC Magdeburg 23 34:44 23
17 SG Dynamo Dresden 23 32:40 22
18 SpVgg Greuther Fürth 23 34:54 22

Die Tabelle der 2. Bundesliga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Zweitliga-Meister und steigt in die 1. Bundesliga auf. Letzteres gilt auch für Rang 2. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Rang der Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in Deutschlands höchster Fußball-Spielklasse.

Mehr zum Thema Hertha BSC: