Herthas irre Achterbahnfahrt in Dresden: "Auf und Ab der Gefühle"
Berlin - Schweigeminute, Choreo, Pyro-Unterbrechung, Jagdszenen, Spielunterbrechung, Platzverweis, gehaltener Elfmeter und der Lucky Punch durch ein Eigentor. Schade, dass dieses Top-Spiel der 2. Liga bei Dynamo Dresden als Skandalspiel in die Geschichte eingehen wird. Da ging der 1:0-Erfolg von Hertha BSC beinah schon unter. Sie robben sich wieder langsam ran, weil sie wie schon zwei Wochen zuvor erneut Widerstandsfähigkeiten bewiesen haben.
So sah Fabian Reese (28) ein "vogelwildes Fußballspiel" und sprach von einem "Auf und Ab der Gefühle".
Weil sich Hertha- und Dresden-Fans im Stadioninneren mit Pyro beschossen, schickte Schiedsrichter Sven Jablonski (35) die Teams in die Kabine. Erst als eine Hundertschaft der Polizei die Fans zurückgedrängt hatte, konnte das Spiel nach gut 20 Minuten wieder fortgesetzt werden.
Geschadet hatte der Break den Gästen nicht. Sie waren im Hexenkessel Rudolf-Harbig-Stadion die reifere Mannschaft, in der zweiten Halbzeit sprach aber eigentlich nicht mehr viel für den Hauptstadtklub.
Erst flog Josip Brekalo (27) nach hartem Einsteigen mit Rot vom Platz, dann zeigte Jablonski nach VAR-Eingriff auf den Punkt. Elfmeter für Dresden. Die Chance, alles klarzumachen, aber Tjark Ernst (22) hatte den richtigen Riecher.
"Wir haben mit Tjark den besten Torhüter der Liga. Da brauchen wir nicht drumherumreden", wusste Toni Leistner (35), bei wem er sich bedanken kann.
Hertha BSC holte 13 Punkte aus den letzten fünf Spielen
Der Keeper aber blieb bescheiden: "Wenn man den Elfmeter hält, ist man bestimmt der Matchwinner. Ich muss aber den ganzen Jungs ein Kompliment machen. Was die mit zehn alles wegverteidigt haben"
Irre: Eben noch fast das sichere Gegentor kassiert, schlug dann Hertha doch noch zu. Bei seinem Comeback trieb Wunderkind Kennet Eichhorn (16) - noch so eine Erfolgsgeschichte - den Ball nach vorne, übergab an Fabian Reese (28), der die Kugel in den Strafraum hob, wo am Ende Dresdens Alexander Rossipal (29) den Ball per Bogenlampe unglücklich ins Tor beorderte (80. Minute).
Nur drei Minuten lagen zwischen dem verschossenen Elfmeter und dem Lucky Punch.
War es in Düsseldorf eine völlig verkorkste Anfangsphase inklusive Eigentor und früher Auswechslung, steckte Hertha auch in Dresden einfach nicht auf. "Ich hatte noch ein bisschen Luft und die Räume waren da. Dann haben wir das Tor erzwungen. Geiler Konter und am Ende alle gemeinsam verteidigt", so Reese.
Schmiegt sich der Hauptstadtklub jetzt doch wieder oben ran? Die Richtung stimmt schon mal Aus den vergangenen fünf Spielen holte die Alte Dame starke 13 Punkte, verkürzte nun den Abstand auf den Relegationsrang von sieben auf fünf Punkte. Dennoch wird keiner bei Hertha jetzt wieder anfangen, vom Aufstieg zu sprechen.
"Wir wollen unsere Hausaufgaben erledigen und dann werden wir sehen, wofür es noch reicht", sagte Leistner.
Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa

