Deutsche Olympiasiegerin attackiert ARD und ZDF: "Eine Schande"

Dortmund - Zweimal ist sie schon zu Gold bei Olympischen Winterspielen im Bobsport gerast und trotzdem werden auch dieses Mal viele Zuschauer vor den TV-Geräten Laura Nolte (27) nicht gekannt haben. Dabei sind es gerade die Helden im Eiskanal, die in Mailand und Cortina die Medaillenbilanz des deutschen Teams retteten.

Laura Nolte (27) hat nach Ende der Olympischen Winterspiele die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ins Visier genommen.
Laura Nolte (27) hat nach Ende der Olympischen Winterspiele die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ins Visier genommen.  © Robert Michael/dpa

Doch im Alltag fehlt es den Aushängeschildern des Wintersports nicht nur an Geld, Unterstützung und Anerkennung, sondern vor allem an wichtiger Präsenz im Fernsehen.

Darum hat Laura Nolte, die Gold im Zweierbob und Silber im Monobob gewann, die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten von ARD und ZDF heftig kritisiert.

"Wir Bobsportler sind mit Abstand der erfolgreichste Medaillengarant, haben aber kaum TV-Präsenz und sind daher auf beinahe selbstlose Sponsoren angewiesen. Das ist im Grunde eine Schande", schrieb sie in ihrer Kolumne in der Bild.

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Dabei hatten vor allem die Bob- und Skeletonwettkämpfe mitunter die höchsten Einschaltquoten bei Olympia. Und bei den Männern elektrisierte natürlich das deutsche Duell um Doppel-Olympiasieger Johannes Lochner (35) und den bisherigen Dominator Francesco Friedrich (35).

Doch auch bei den Frauen ging es enorm spannend zu, lieferten sich die deutschen Top-Stars um Nolte, Lisa Buckwitz (31) und Kim Kalicki (28) heiße Duelle mit den US-Amerikanerinnen.

Angeblich denkt das IOC über das Aus des Schlittensports bei Olympischen Winterspielen nach

Zweimal holte Nolte (l.) mit ihrer Anschieberin Deborah Levi (28, r.) schon Olympia-Gold im Zweierbob.
Zweimal holte Nolte (l.) mit ihrer Anschieberin Deborah Levi (28, r.) schon Olympia-Gold im Zweierbob.  © Robert Michael/dpa

Die gibt es auch in den Weltcups, doch dort zeigen ARD und ZDF oft nur Zusammenfassungen am Wintersport-Wochenende.

Wer das gesamte Rennen schauen will, muss auf einen Stream im Internet zurückgreifen. Bei den Skeletonis sieht es noch schlechter aus, die müssen an einem Weltcup-Wochenende oftmals am Freitag an den Start gehen, werden somit gar nicht im TV gezeigt.

Vielen anderen olympischen Sportarten geht es ähnlich, im Vergleich dazu hat aber beispielsweise Biathlon eine enorm hohe TV-Präsenz.

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"Viele deutsche Sportler müssen buchstäblich Klinken putzen, um ihren Sport gegenfinanziert zu bekommen. Wir Bobpilotinnen haben beispielsweise einen ziemlichen Kostenapparat. Wir müssen unsere Anschieberinnen bezahlen, aber auch einen Transporter, Hotels, Kufen und vieles mehr. Das allein verschlingt im Jahr locker mehr als 50.000 Euro", sprach Laura Nolte zudem die hohen Kosten in ihrem Sport an.

Noch mehr Sorgen bereitet allerdings die Perspektive. Denn wie Anfang der Woche ans Licht kam, denkt das Internationale Olympische Komitee (IOC) offenbar über das Aus des Schlittensports mit Bob, Skeleton und Rodeln nach. Das wäre nicht nur für die Betroffenen, sondern nach der Medaillenbilanz in Mailand und Cortina auch für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eine Katastrophe.

Titelfoto: Robert Michael/dpa

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