Block-Prozess: Gerhard Delling wechselte "vom Zeugen zum Beschuldigten"

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Hamburg - Nachdem der letzte Prozesstag streikbedingt ausfallen musste, wird der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) am Montag fortgesetzt. Am 44. Verhandlungstag steht erneut die Befragung einer Kriminalbeamtin im Mittelpunkt. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveticker.

Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 44. Verhandlungstag.
Christina Block (52) zusammen mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 44. Verhandlungstag.  © Marcus Brandt/dpa

12.06 Uhr: Mittagspause

Die Richterin sowie die Staatsanwaltschaft haben keine weiteren Fragen. Ingo Bott fragt die Zeugin, wann sie erstmals vom Sorgerechtsstreit zwischen Hensel und Block erfahren habe. Sie antwortet: "Mit der ersten Strafanzeige im August 2021, die Frau Block gegen Herrn Hensel gestellt hat."

Weitere Auskünfte dürfe sie nicht erteilen, da ihre Aussagegenehmigung ausschließlich für den hier verhandelten Fall gelte und nicht darüber hinaus.

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.20 Uhr. Danach wird Bott weiterfragen.

11.56 Uhr: Verletzungen der Kinder werden gezeigt

Nun geht es um die Verletzungen der Kinder. Anwalt Ingo Bott wirft ein, die Zeugin habe zuvor ausgesagt, sie habe keine Verletzungen gesehen. Die Zeugin entgegnet: "Ich habe am 3. Januar keine gesehen, am 5. Januar schon", betont die 44-Jährige.

Bei Klara habe sie Abschürfungen an den Schienbeinen und an den Unterarmen festgestellt, die sie auch fotografisch dokumentiert habe. Theo habe nach seiner eignen Aussage keine sichtbaren Verletzungen gehabt. "Ich habe die Kinder gefragt, ob sie ihre Verletzungen zeigen wollen, ich habe diese nicht überprüft", so die Zeugin weiter.

11.40 Uhr: Landkarten werden an die Wand geworfen

Die Richterin nimmt gemeinsam mit der Zeugin mehrere Landkarten in Augenschein. Im Fokus stehen dabei die Daten des Navigationssystems eines der Fluchtautos (ein Citroën), das sich demnach bereits am 29. Dezember 2023 in der Nähe des Tatorts sowie des Wohnorts der Familie Hensel im dänischen Gråsten aufgehalten haben soll.

Das Fahrzeug hatte Tal S. unter seinem echten Namen bei einer deutschen Autovermietung angemietet.

11.30 Uhr: Es geht weiter

Nun geht es um Orte, die die Ermittler unter anderem im Handy von Tal S. fanden und im Zusammenhang mit der Entführung überprüften und mit weiteren Erkenntnissen abglichen.

Dazu zählen mehrere Waldstücke sowie der Bereich, in dem die Entführer mit den Kindern mutmaßlich die deutsch-dänische Grenze überquert haben sollen.

Dabei spielten auch die Daten von Theos Notfallknopf eine Rolle, der bereits zum ersten Mal im Fluchtauto des einzigen Sohnes von Block und Hensel ausgelöst worden sein soll.

11.17 Uhr: Pause aufgrund von technischen Problemen

Im November 2024 kam es schließlich zur Auslieferung von Tal S. (36), der bei der Einreise in Zypern gestoppt worden war.

Tal S. habe sich dabei nach Angaben der Zeugin bereits während der Auslieferung als "sehr freundlich und kooperativ "gezeigt und unter anderem sofort die Codes seiner beiden Handys zur Verfügung gestellt. Noch im Flugzeug habe er ihr gegenüber erklärt, er habe keine Kinder entführt, sondern lediglich Urlaub in Deutschland gemacht und Tagesausflüge nach Dänemark unternommen.

Aufgrund von technischen Problemen wird der Prozess kurzzeitg unterbrochen.

Gerhard Delling (66) mit seinem Anwalt David Rieks (l.) am Montag vor dem Hamburger Landgericht.
Gerhard Delling (66) mit seinem Anwalt David Rieks (l.) am Montag vor dem Hamburger Landgericht.  © Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

11.10 Uhr: Gerhard Delling wechselte "vom Zeugen zum Beschuldigten"

Die Zeugin schildert weiter, wie im Verlauf der Ermittlungen unterschiedliche Personen in den Kreis der Beschuldigten aufgenommen wurden. Der Lebensgefährte von Frau Block, Gerhard Delling (66), sei nach Auswertung eines Mobiltelefons vom "Zeugen zum Beschuldigten gewechselt". Im Zuge der erweiterten Handy-Auswertung sei auch der angeklagte Sicherheitsunternehmer ins Visier der Ermittler geraten.

Auch Eugen Block sei zeitweise als Beschuldigter geführt worden, ebenso wie dessen zweitältester Sohn. Klara habe beide in einer ergänzenden Aussage im Juni 2024 belastet.

Zudem sei eine Hotelmitarbeiterin aufgrund "verdächtiger Buchungen" ins Blickfeld geraten, da die Israelis unter falschen Namen im "Grand Elysée"-Hotel eingecheckt worden. Im Rahmen der Auswertung des Handys der Mitarbeiterin sei dann auch schließlich auch der Familienanwalt Dr. Andreas C. als Beschuldigter geführt worden.

11 Uhr: Zeugin spricht vom "Seelenfrieden" des Stephan Hensel

Die Richterin geht noch einmal auf die Aussage der Zeugin ein, wonach Stephan Hensel gemeinsam mit seinen Kindern eigene Recherchen unter anderem zum Alpakahof angestellt habe, auf dem die Kinder kurz nach der Entführung zunächst untergebracht worden waren.

Die Zeugin habe ihn daraufhin gebeten, dies zu unterlassen – sowohl, um die Ermittlungen nicht zu behindern, als auch mit Blick "auf seinen eigenen Seelenfrieden".

10.40 Uhr: Ermittlerin fand zwei unterschiedliche Ohrringe im Matsch

Dank der Schilderungen Klaras sei es im weiteren Verlauf zu mehreren Beschuldigten gekommen. Darunter auch die Cousine von Frau Block, die die Kinder mit ihrer Mutter das letzte Stück nach Hause gefahren haben soll.

Kurz darauf seien zudem David B., der auf dem Alpakahof gemeldet gewesen sein soll, auf dem die Kinder nach der Entführung zunächst untergebracht worden seien, sowie weitere israelische Beteiligte zunächst als Beschuldigte geführt worden.

Im Februar 2024 habe die Zeugin nach den Angaben Klaras ein Waldstück an der deutsch-dänischen Grenze durchsucht und dabei zwei unterschiedliche Ohrringe im Matsch gefunden. Die passenden Gegenstücke seien später bei Klara in Dänemark aufgefunden worden. Die Entführer sollen die Kinder aufgefordert, ihre Taschen zu leeren, weshalb die Ohrringe nicht zusammengehört hätten.

Ursprünglich sei zudem nach einer Kette gesucht worden, die Klara von den Entführern vom Hals gerissen worden sein soll.

Es folgt eine zehnminütige Unterbrechung.

10.30 Uhr: Maskierten Männer, Alpakas und Wohnmobile

Danach hätten alle fünf im Verhörraum "gequetscht" auf zwei Stühlen gesessen. Die Zeugin habe die Kinder – mit Zustimmung von Herrn Hensel – noch zu den Geschehnissen befragen wollen, woraufhin Klara mit "wahnsinniger Geschwindigkeit" zu erzählen begonnen habe: von maskierten Männern, Alpakas und Wohnmobilen, so die Zeugin.

So schnell, dass die Beamtin den bereits bereitgelegten Stift und Zettel wieder beiseitegelegt und gefragt habe, ob man nicht doch kurzfristig eine Vernehmung der Kinder auf Tonband durchführen könne. Dies sei dann auch geschehen, bevor die Familie schließlich an die dänische Polizei übergeben worden sei.

Frau Block verfolgt die Schilderungen der Zeugin aufmerksam. Stephan Hensel ist heute nicht anwesend; als Nebenkläger ist er nicht verpflichtet, an allen Prozesstagen teilzunehmen.

10.20 Uhr: Kinder und Hensel sollen "fürchterlich geweint" haben

Die Zeugin habe auch die Übergabe der Kinder am 5. Januar 2024 betreut. Vorausgegangen sei ein Beschluss, der ihr von Hensel-Anwalt Philip von der Meden mitgeteilt worden sei und der festlegte, dass das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht nun beim Vater liege.

Sie habe die Kinder auf dem Parkplatz der Wache entgegengenommen, übergeben worden seien sie durch den damaligen Anwalt von Frau Block, Dr. Otmar Kury. Dabei habe sie Klara bereits vom 3. Januar 2024 wiedererkannt, Theo hingegen habe zunächst gar nicht reagiert: "Ich hatte das Gefühl, er ist gar nicht da", so die Zeugin.

Als sie den Kindern erklärt habe, es gehe nun zu ihrem Vater, habe Klara gefragt: "Oh, also geht es meinem Papa gut?" Da sei ihr klar geworden, dass die Kinder bis dahin offenbar nicht wussten, wie es ihrem Vater geht.

Theo habe weiterhin kaum reagiert. Erst als die Beamtin erwähnt habe, dass seine große Schwester und die neue Frau Hensels, Astrid H., ebenfalls da seien, habe er "gelächelt und sich gefreut".

Anschließend seien die Kinder zu den drei Wartenden "gestürmt". Alle fünf seien sich in die Arme gefallen und hätten "fürchterlich angefangen zu weinen", ohne wieder damit aufzuhören. Die Beamtin habe daraufhin den Raum für etwa fünf bis zehn Minuten verlassen.

Stephan Hensel (51) mit seinem Anwalt Philip von der Meden Ende März im Landgericht Hamburg. Heute ist der Vater der Block-Kinder nicht anwesend, lediglich sein Anwalt ist im Gerichtssaal.
Stephan Hensel (51) mit seinem Anwalt Philip von der Meden Ende März im Landgericht Hamburg. Heute ist der Vater der Block-Kinder nicht anwesend, lediglich sein Anwalt ist im Gerichtssaal.  © Marcus Brandt/dpa

10.05 Uhr: Block: "Ich mache eine Rückführung, er macht eine Entführung!"

Im anschließenden Gespräch mit Frau Block habe die Zeugin diese darüber belehrt, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Entziehung Minderjähriger gegen sie eingeleitet worden sei.

Daraufhin habe Frau Block entgegnet, sie könne eine Entziehung Minderjähriger gar nicht begehen, da das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht bei ihr liege. Zudem habe sie den Satz gesagt: "Ich mache eine Rückführung, er macht eine Entführung!" Diesen habe die Zeugin als so prägnant empfunden, dass sie ihn unmittelbar nach dem Gespräch in ihr MacBook eingetragen habe, um den genauen Wortlaut nicht zu vergessen.

Im Sommer 2021 hatte Stephan Hensel die jüngsten Block-Kinder nach einem Umgangswochenende in Dänemark nicht zurückgebracht.

Block-Anwalt Ingo Bott legte gegen die Verwertung dieser Aussage Widerspruch ein, da die Vernehmung in einer "Verunglimpfungssituation" erfolgt sei.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

Mehr zum Thema Block-Prozess: