Coronavirus in NRW: Landes-Inzidenz rückläufig, doch Vorsicht ist geboten

Köln – Nach monatelangem Corona-Lockdown gibt es Pläne zur weiteren Pandemie-Bekämpfung. Wir geben einen Überblick auf die aktuelle Corona-Entwicklung in NRW.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag für NRW einen Wert von 81,8 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. (Symbolbild)
Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag für NRW einen Wert von 81,8 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. (Symbolbild)  © Oliver Berg/dpa

Die Zahl der Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen ist am Freitag rückläufig geblieben. Nach jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts wurden den Behörden innerhalb der vergangenen sieben Tage 81,8 Fälle pro 100.000 Einwohner bekannt.

Am Donnerstag hatte diese Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 87,9 gelegen, am Mittwoch bei 94,6. Zwölf weitere Menschen starben innerhalb eines Tages im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.

Bei Kindern und Schulkindern ist die Neuinfektionsrate besonders hoch, allerdings ebenfalls mit weiter abnehmender Tendenz, wie eine Tabelle des Landeszentrums Gesundheit NRW ausweist.

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Auch bundesweit ist die Entwicklung leicht rückläufig. Allerdings sind Experten skeptisch und verweisen auf das letzte Jahr, als die Zahlen um diese Zeit ebenfalls stagnierten oder sanken, aber dann zum Herbst hin wieder stark stiegen.

Nach Zahlen der Landesregierung lagen mit Stand vom Freitag 1314 Corona-Patienten in NRW-Krankenhäusern (Vortag: 1355), darunter 430 auf Intensivstationen (Vortag: 424). 277 von ihnen mussten beatmet werden (Vortag: 264). 473 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeiten waren demnach am Freitag verfügbar, neun weniger als am Vortag.

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Update, 17. September, 14.48 Uhr: NRW erlässt Übergangsregelung zur "3G-Pflicht" in Ratssitzungen

Räte, die nicht geimpft, getestet oder genesen ("3G-Regel") sind, können an Ratssitzungen nordrhein-westfälischer Kommunen vorerst zwar weiter teilnehmen, müssen jedoch abgesondert sitzen. Das verfügt ein aktualisierter Erlass des Düsseldorfer Kommunalministeriums, der am Freitag im Landtag vorgestellt worden ist. Damit wolle die Landesregierung Rechtssicherheit schaffen bis ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) NRW in dieser Streitfrage vorliege, heißt es in dem Erlass. "Personen, die ihr individuelles Schutzinteresse höher als das der Allgemeinheit bewerten", seien daher so zu platzieren, "dass von ihnen keine gesundheitliche Gefahr für die Allgemeinheit" ausgehe.

Auslöser der Übergangsregelung: In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Minden am 8. September einem AfD-Ratsvertreter aus Salzkotten recht gegeben, dass er nicht aus der Ratssitzung in Hamm ausgeschlossen werden dürfe, nur weil er keinen sogenannten 3G-Nachweis habe. Ein Ausschluss laut Coronaverordnung greife in das freie Mandat eines Ratsmitglieds ein, so das Gericht. Dafür seien hohe Anforderungen zu erfüllen. Eine Verordnung reiche als Grundlage nicht aus. Nötig sei ein Gesetz. Die Stadt Salzkotten hatte daraufhin angekündigt, beim OVG Beschwerde gegen den Beschluss einzulegen.

Die FDP lobte die im Kommunalausschuss vorgestellte Regelung. Die 3G-Regel für kommunale Gremien sei «verhältnismäßig und mit Blick auf die Vorbildfunktion der Räte und Kreistage auch vernünftig», betonte der kommunalpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Henning Höne, in einer Mitteilung. Gleichzeitig bleibe die FDP dabei, eine Impfpflicht abzulehnen.

Update, 14. September, 19.59 Uhr: NRW-Erlass fordert Impfangebote für Schwangere und Stillende

Nach der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Schwangere und Stillende hat das NRW-Gesundheitsministerium die Impfzentren im Bundesland aufgefordert, entsprechende Angebote zu machen. "Vor diesem Hintergrund können ab sofort in den Impfzentren sowie im Rahmen mobiler Impfangebote Impfungen von Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel sowie von Stillenden erfolgen", heißt es in einem am Dienstagabend veröffentlichten Erlass. Der Erlass ist bindend.

Die Stiko hatte sich für Impfungen für die beiden Gruppen von Frauen mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs ausgesprochen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am vergangenen Freitag mitgeteilt hatte. Zuvor galt eine Impfempfehlung nur für Schwangere mit Vorerkrankungen oder einem erhöhten Ansteckungsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände.

Update, 14. September, 7.47: Spahn ruft eindringlich zu Corona-Impfung auf

Eine Frau lässt sich bei einer Impfaktion gegen das Coronavirus impfen.
Eine Frau lässt sich bei einer Impfaktion gegen das Coronavirus impfen.  © Daniel Reinhardt/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bürgerinnen und Bürger noch einmal eindringlich dazu aufgerufen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Es werde auf jeden Fall bis zum Frühjahr eine "Grundimmunität" der Bevölkerung erreicht werden - und zwar "durch Infektionen oder durch Impfung", sagte Spahn am Montagabend beim "Ständehaustreff" der Rheinischen Post.

Er empfehle den Weg der Impfungen, denn das erspare Pflegekräften viel Arbeit und viele Tote.

Update, 13. September, 15.55: Familienminister begründet gelockerte Quarantäneregeln mit Kindeswohl

In einem Brief an Eltern und Kita-Beschäftigte hat Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (51, FDP) die gelockerten Quarantäneregeln mit dem Kindeswohl begründet. Die Neufassung der Corona-Betreuungsverordnung sieht vor, dass in der Regel nur noch für das infizierte Kind oder die infizierte Betreuungsperson selbst eine 14-tägige Quarantäne vorgesehen ist.

Kinder- und Jugendärzte hätten klar festgestellt, dass die Kleinen "mehr durch die Corona-Maßnahmen als durch die Infektion selbst gefährdet sind", zitierte Stamp in seinem am Montag veröffentlichten Schreiben aus einer Mitteilung der Berufsverbände. In den Arztpraxen sind demnach während der Pandemie viele körperliche, geistige und seelische Entwicklungsstörungen aufgefallen - vom Übergewicht über Sprachdefizite bis zu Depressionen - aber praktisch keine schweren Corona-Verläufe bei Kindern.

Entscheidend für die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder sei also möglichst viel Stabilität, betonte der Familienminister. Deswegen müssten die Quarantäne-Maßnahmen für Kontaktpersonen Infizierter "künftig mit Augenmaß umgesetzt werden". Diese müssen in der Regel nicht mehr in Quarantäne, sondern bloß in den zwei Wochen nach dem Infektionsfall dreimal wöchentlich getestet werden. Über Ausnahmen - etwa wenn mehrere Infektionen auftreten - entscheidet das Gesundheitsamt.

Update, 13. September, 15.08 Uhr: Hochschulrektoren: 3G-Regel an NRW-Unis kaum umsetzbar

Vor dem Start des Wintersemesters in NRW haben die Hochschulrektoren im Land die 3G-Regel an Unis kritisiert. "Die Pflicht ist personell und logistisch nicht für alle Veranstaltungsgrößen zu realisieren", sagte Lambert T. Koch, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW, der Rheinischen Post am Montag.

Studierende wechselten anders als in der Schule mehrmals am Tag die Lerngruppen, weshalb auch öfter überprüft werden müsste, ob sie getestet, geimpft oder genesen sind.

"Schon Hochschulen mit zum Beispiel 30.000 Studierenden müssen bis zu 100.000 3G-Kontrollen pro Tag vornehmen, wenn die Studierenden zwei bis drei Veranstaltungen, die Bibliothek, die Mensa und den Hochschulsport besuchen"^, sagte Koch der Zeitung. In den Gängen vor den großen Hörsälen würden sich dadurch lange Schlangen bilden.

Stattdessen sprach er sich bei größeren Veranstaltungen für stichprobenartige Kontrollen aus. Laut einer Sprecherin des NRW-Wissenschaftsministeriums sollten die 3Gs derzeit die Grundlage dafür bleiben, dass Vorlesungen und Seminare ab dem 11. Oktober wieder in Präsenz stattfinden können, hieß es. Die derzeit geltende Corona-Schutzverordnung im Land lasse weitgehend Präsenzlehre zu.

Update, 12. September, 13.41 Uhr: NRW setzt Helferprogramm für Offenen Ganztag fort

Nordrhein-Westfalen setzt das in der Corona-Krise gestartete Helferprogramm für den Offenen Ganztag (OGS) an Grund- und Förderschulen fort. In diesem Schuljahr würden dafür rund 60 Millionen Euro bereitgestellt, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Sonntag mit.

Mit dem OGS-Helferprogramm können die Schulen zusätzliches Personal wie etwa Übungsleiter und pädagogische Fachkräfte einstellen oder bestehende Verträge aufstocken. Unterstützung können sich die Schulen auch für den Mehraufwand bei Corona-Hygienekonzepten holen sowie für Küchen- und Reinigungsdienste, die Begleitung bei Ausflügen und
die Vorbereitung von Veranstaltungen.

In NRW sind mehr als 330.000 Schülerinnen und Schüler in offenen Ganztagsschulen und mehr als 40.000 in gebundenen Ganztagsförderschulen.

Update, 11. September, 17.57 Uhr: Quarantäne-Lockerung für Kontaktpersonen von Infizierten

Die Quarantäne für Haushaltsangehörige und Kontaktpersonen von Corona-Infizierten in Nordrhein-Westfalen wird gelockert. Die Dauer der Isolation endet nun grundsätzlich schon nach 10 statt bisher 14 Tagen.

Das geht aus der seit Samstag gültigen neuen Corona-Test- und Quarantäneverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen hervor. Künftig besteht außerdem die Möglichkeit, die Quarantäne durch negative Corona-Tests vorzeitig zu beenden.

Update, 10. September, 22.02 Uhr: Inzidenz-Grenzwert 35 aus Corona-Verordnung gestrichen

Bei der Bewertung der Corona-Lage werden in Nordrhein-Westfalen jetzt auch die Zahl der Coronapatienten im Krankenhaus und die Auslastung der Intensivbetten berücksichtigt.

Das sieht die am Freitag veröffentlichte Neufassung der Coronaschutzverordnung des Landes vor. Der bisher als Grenzwert für bestimmte Maßnahmen festgeschriebene Wert von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen wird gestrichen, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte.

NRW setzt damit vom Bundesrat beschlossene Änderungen im Infektionsschutzgesetz um.

Update, 10. September, 16.01 Uhr: Dritte Corona-Impfung in Pflegeeinrichtungen bis Ende Oktober

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens wird mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech geimpft.
Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens wird mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech geimpft.  © Paul Sancya/AP/dpa

Die Auffrischungsimpfungen gegen Corona in Nordrhein-Westfalens Pflegeeinrichtungen sollen bis Ende Oktober abgeschlossen werden. Das teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in Düsseldorf mit.

In Einrichtungen wie Behindertenwerkstätten oder Demenz-Wohngemeinschaften sollen sie bis Ende des Jahres laufen. Die Dritt-Impfungen laufen seit zwei Wochen. In der Regel finden sie statt, wenn die Zweitimpfung gegen das Virus schon mehr als sechs Monate zurückliegt.

"Ab Oktober starten wir in eine neue Phase der Impfkampagne", erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit Blick auf die geplante Schließung der nicht mehr ausgelasteten Impfzentren spätestens Ende September. Dann sollen verstärkt mobile Impfteams unterwegs sein.

Pro 50.000 Einwohner finanziere das Land dafür bis zu eineinhalb Stellen. Die Impfungen würden ab 1. Oktober überwiegend von niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten übernommen.

Update, 10. September, 15.50 Uhr: Patientenschützer werfen Laumann "Holzhammermethode" vor

Das Streichen der Entschädigungen für den Verdienstausfall von Ungeimpften in einer behördlich angeordneten Quarantäne ruft heftige Kritik hervor. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wirft Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) eine gefährliche Holzhammermethode vor.

"Das eignet sich fürs Festzelt und den Stammtisch und nicht für ein so hochsensibles Thema", sagte Vorstand Eugen Brysch am Freitag der dpa.

Er befürchtet, dass Betroffene trotzdem zum Arbeitsplatz gehen, um nicht das Risiko tragen zu müssen, 14 Tage auf Lohn zu verzichten. Gerade in der Altenpflege, in der versucht werden müsse, die stark belasteten Mitarbeiter zu motivieren und zu halten, könnten solche Schritte die fatale Wirkung haben, dass noch mehr Arbeitnehmer gehen.

"Eine Holzhammermethode ist in der Impfkampagne hochgefährlich", betonte Brysch. Damit würden Menschen verprellt und nicht gewonnen. Ungeimpfte sollten mit Argumenten und leicht erreichbaren Angeboten vor Ort für eine Corona-Impfung gewonnen werden, unterstrich er.

Man könne nur allen Gesundheitsministern raten, diese Ankündigung nicht Realität werden zu lassen, warnte der Vorstand der Stiftung.

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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