Nach CSD-Anschlag in Berlin: Hamburg knüpft das längste Regenbogenseil der Welt
Hamburg - Nur wenige Tage nach dem CSD-Anschlag in Berlin hat Hamburg am Mittwoch ein (sehr langes) Zeichen für Zusammenhalt, Vielfalt und Toleranz gesetzt. Im Rahmen des Jubiläums "400 Jahre Reeperbahn" knüpften Dutzende Menschen vor dem Fanshop des FC St. Pauli auf der Reeperbahn gemeinsam das laut Veranstalter längste Regenbogenseil der Welt.
Unter der Schirmherrschaft des Bürgerschaftsabgeordneten Arne Platzbecker (54, SPD) verwandelte sich der Platz vor dem Fanshop in eine lebendige Werkstatt.
Auf einer historischen Reepschläger-Maschine – bereitgestellt vom Deutschen Hafenmuseum – entstanden bunte Seilstränge, genau dort, wo bereits vor rund 400 Jahren die sogenannten Reepschläger ihre Schiffstaue fertigten und der berüchtigten Reeperbahn ihren Namen verliehen.
Alle waren eingeladen, selbst mitzudrehen. Von 11 Uhr an herrschte nach Angaben der Organisatoren "durchgehend Betrieb". Zahlreiche Passantinnen und Passanten blieben stehen und drehten selbst einmal an der historischen Maschine.
Dr. Anna Symanczyk von der Stiftung Historische Museen Hamburg erklärte gegenüber TAG24 die Idee hinter der Aktion: "Wir haben gesagt: Ein Seil ist stark, weil es aus vielen einzelnen Strängen besteht. Jeder einzelne ist für sich nicht besonders stark, aber gemeinsam zu einem Seil gedreht entsteht große Stabilität. Das ist für uns ein schönes Symbol."
Das Regenbogenseil soll für Vielfalt, Zusammenhalt und eine offene Gesellschaft stehen. Gerade vor dem Hintergrund des schrecklichen CSD-Anschlags sei es umso wichtiger, gemeinsam Flagge zu zeigen.
Gleichzeitig betonte Symanczyk: "Diese Aktion ist keine Antwort auf den Anschlag. Sie war schon vorher geplant und hätte unabhängig davon stattgefunden. Durch diesen schrecklichen Anschlag hat sie jetzt aber natürlich noch einmal eine andere Aufmerksamkeit und Bedeutung bekommen. Auch wenn heute bei Sonnenschein alles sehr fröhlich wirkt, steckt in uns allen gerade auch eine große Trauer."
Das längste Regenbogenseil soll beim CSD mitfahren
Im Anschluss trugen die Teilnehmenden die farbenfrohen Stränge gemeinsam über die Reeperbahn bis vor die Davidwache.
Dort wurden sie zu einem einzigen rund 25 Meter langen Regenbogenseil verbunden, als sichtbares Symbol gegen Hass und Ausgrenzung.
Eigentlich wäre das Seil noch länger geworden, allerdings wurden bereits während der Aktion einzelne Stücke an den Pastor der St. Pauli Kirche übergeben. Dort sollen sie am Sonntag (2. August) beim traditionellen CSD-Gottesdienst zum Einsatz kommen.
Möglicherweise steht auch dem Haupt-Regenbogenseil bereits am Samstag der nächste öffentliche Auftritt bevor: Hamburg Pride hat Interesse angemeldet, das Seil auf ihrem Wagen bei der CSD-Demo am Samstag (1. August, ab 13 Uhr) mitzuführen.
"Das ist allerdings noch in Abstimmung, deshalb kann ich es noch nicht endgültig sagen. Aber man kann ja vielleicht Ausschau danach halten", so Symanczyk.
Anschließend wird das Seil in die Sammlung der Stiftung Historische Museen Hamburg aufgenommen und dauerhaft bewahrt.
Titelfoto: Montage: TAG24 (2)

