Angststörung nach Leipzig-Auftritt! Mandy Capristo: "Ich dachte, ich sterbe!"

Köln/Leipzig - "Hot Summer", "Shame" und "What You Don't Know" machten die damals 16-jährige Mandy Capristo als Teil der Band Monrose berühmt. Viele Jahre später stand ihre Karriere auf der Kippe - wegen Angststörungen, die bis zu Todesgedanken reichten.

17. September 2021: Mandy Capristo (32) fotografiert sich mit Fans vor der Kongresshalle am Zoo Leipzig, wo an diesem Abend die "Goldene Henne" verliehen wurde.
17. September 2021: Mandy Capristo (32) fotografiert sich mit Fans vor der Kongresshalle am Zoo Leipzig, wo an diesem Abend die "Goldene Henne" verliehen wurde.  © Jan Woitas/dpa

"Dass Sie heute bei uns sind, würde ich als Triumph bezeichnen", startete Moderator Steffen Hallaschka (50) am Mittwoch in die "stern TV"-Sendung auf RTL.

Denn nach einem Auftritt im September 2021 in Leipzig war die heute 32-Jährige kurz davor aufzugeben und die Angst gewinnen zu lassen. Sie ist damit eine von rund zehn Millionen Betroffenen in Deutschland

An diesem Abend läuft Capristo in einem langen schwarzen Kleid aus der Garderobe in Richtung Kongresshalle am Zoo, wo die Verleihung der "Goldenen Henne" stattfindet. Für den größten deutschen Publikumspreis wurde sie als Show-Act engagiert.

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Beim Betrachten der Aufnahmen sagt die Sängerin mit vier Top-Ten-Alben: "Ich sehe eine sehr, sehr dünne Frau - viel zu dünn. Ich hatte permanent das Gefühl, mich zu übergeben, weil ich von diesem Schwindel so benommen war."

Nach einem Kleiderwechsel singt sie vor Live-Publikum ihren Song "Genug" in Playback. "Ich habe die Performance bis heute nicht gesehen und möchte sie auch nicht sehen", gibt die Künstlerin zu. "Ich bin die Bühne runtergelaufen und hab' zu meinem Team gesagt, dass ich eine Pause brauche."

Nach der Playback-Darbietung ihres Songs "Genug" legte Capristo eine Pause ein.
Nach der Playback-Darbietung ihres Songs "Genug" legte Capristo eine Pause ein.  © Hendrik Schmidt/dpa

Mandy Capristo leidet unter Angststörungen: "Es gab Überlegungen zurückzutreten!"

Die Sängerin war am Mittwoch zu Gast bei stern TV, sprach mit Moderator Steffen Hallaschka (50, l.) und Dr. Jens Plag von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin.
Die Sängerin war am Mittwoch zu Gast bei stern TV, sprach mit Moderator Steffen Hallaschka (50, l.) und Dr. Jens Plag von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin.  © Instagram/mandycapristo

Es war der Gipfel eines knapp drei Jahre währenden Kampfes, der mit einer Panikattacke 2018 begann. Im Rahmen des Formel-1-Rennens auf dem Hockenheimring sollte sie die deutsche Nationalhymne singen. Am Vorabend blieb sie für zwei Stunden in einem Fahrstuhl stecken.

"Ich habe hyperventiliert, weil ich gar nicht wusste, was mir geschieht", erzählt die 32-Jährige heute. Diese und ähnliche Situationen packte sie immer wieder in die "Ich mag halt Enge nicht so"-Box. Monatelang. Es folgen Angst beim Fliegen und auch Unwohlsein in der Bahn.

Capristo erklärt: "Es ist das Gefühl der Angst, dass gleich irgendetwas ganz, ganz Schlimmes passiert. Wenn ich mich da reingesteigert hab', wurde es mir oft schwindelig. Ich hatte Momente, in denen ich nicht nur dachte, dass ich umkippe. Am Peak erinnere ich mich daran, dass ich dachte, ich sterbe."

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Aus Selbstschutz meidet sie anschließend angstauslösende Situationen, zieht sich immer mehr zurück. "Die Angst vor der Angst hat meine Tage zerstört. Aufzuwachen und Angst zu bekommen, dass die Angst gleich wiederkommt und die Angst meinen Tag wieder so im Griff hat."

Sogar an ein Karriereende dachte die Sängerin kurzzeitig. Einerseits wollte sie die Tür der Angst schließen, andererseits unbedingt weiter auf der Bühne sein. Sie kämpfte sich aus ihrem Tief heraus, schrieb das Buch "An erster Stelle bin ich Mensch!" über mentale Gesundheit.

Heute hat sie vieles in ihrem Alltag verändert, ihr geht es nach eigenen Aussagen sehr gut. Und noch besser: "Ich würde sagen, dass ich gerade vor nichts mehr Angst habe."

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

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