"Gelumpe"-Markus im TAG24-Interview: "Aus Selbstschutz werde ich einen Therapeuten aufsuchen"

Gera - TikTok-Star Markus Hanschke (37) alias dr.emkus aus Gera hat einen steilen Karrieresprung hingelegt. Im ersten Teil des Interviews mit TAG24 spricht der ehemalige Busfahrer über sein neues Leben, den typisch untypischen Arbeitsalltag als Content-Creator und unschöne Ereignisse, die noch immer ihre Schatten nach sich ziehen.

Markus Hanschke (37) aus Gera verlor im Dezember 2020 aufgrund eines TikTok-Videos seinen Job als Busfahrer. Jetzt hat er über eine Million Follower und zählt zu Ostdeutschlands erfolgreichsten Influencern.
Markus Hanschke (37) aus Gera verlor im Dezember 2020 aufgrund eines TikTok-Videos seinen Job als Busfahrer. Jetzt hat er über eine Million Follower und zählt zu Ostdeutschlands erfolgreichsten Influencern.  © Screenshot/TikTok/dr.emkus/Montage

TAG24: Markus, du warst in der Vergangenheit schon als Busfahrer, Mitarbeiter im Sicherheitsdienst, Kassierer und Lkw-Fahrer beruflich tätig. Inzwischen bist du Content-Creator und einer der erfolgreichsten Influencer Ostdeutschlands. Fühlst du dich beruflich angekommen?

Markus: Ja, definitiv!

TAG24: Kannst du in Gera überhaupt noch auf die Straße, ohne dass dich jemand erkennt?

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Markus: Dass mit dem draußen rumlaufen, ohne dabei erkannt zu werden, ist inzwischen kaum noch möglich. Es kommt sehr selten vor, dass ich mal nicht angesprochen werde. Häufig wollen die Leute auch noch ein gemeinsames Foto und ein Autogramm. Aber das stört mich nicht! Ich mache das gerne.

TAG24: Wie sieht ein typischer Arbeitstag von dir aus? Kann von "typisch" überhaupt die Rede sein?

Markus: Nee, einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Jeder Tag sieht anders aus. Es gibt immer wieder unterschiedliche Termine. Mal sind es Interviews, dann wieder Events bei denen ich als Moderator tätig bin oder andere Außentermine. Und nebenbei bin ich täglich am Kochen, probiere neue Dinge aus und drehe dazu Videos. Hinzu kommen weitere Clips, da ich inzwischen auch einen Produktionsvertrag mit dem MDR habe. Man muss schon sehr flexibel sein. Im Grunde genommen ist man 24/7 dauerbeschäftigt.

TAG24: Dann hast du ja auch noch eine eigene Kochshow auf wir24.tv. Hinzu kommt ein regelmäßiger Stream mit deinen Fans und Followern. Ist es da so, dass Familie und Freunde grundsätzlich kürzertreten müssen?

Ich muss schon sagen, dass es bei mir ab und zu schon in die Richtung Workaholic geht. Gerade wenn mir etwas eingefallen ist, dann bin ich der Typ, der das erstmal umsetzen muss, weil ich es ansonsten relativ schnell wieder vergesse. Aber ich versuche, meine Familie und Freunde immer auch einzubinden, weil ich auch gerne teile, was ich habe. Am kommenden Wochenende geht es beispielsweise zum Springbreak. Da spann' ich Freunde dann auch mal als Kameramann ein.

Ganz viel Dialekt gepaart mit ein paar Esslöffeln Humor: Markus Hanschke kommt bei den Leuten gut an - wohl auch, weil er so authentisch ist.
Ganz viel Dialekt gepaart mit ein paar Esslöffeln Humor: Markus Hanschke kommt bei den Leuten gut an - wohl auch, weil er so authentisch ist.  © Screenshot/Instagram/dr.emkus/Montage

"Kreative Jobs wie diese sind viel anstrengender, als man glaubt"

TAG24: Gibt es etwas, was du an deinem alten Leben vermisst?

Markus: Gelegentlich vermisse ich tatsächlich die Freizeit. Ich mein', ich habe auch Freizeit. Beispielsweise muss ich nicht früh um sechs auf Arbeit rennen, aber dieser Job ist extrem anstrengend. Man muss quasi tagtäglich eine leere Wand bemalen. Gedanklich ist man immer irgendwie mit der Arbeit verbunden. Ich bin ganz ehrlich: Kreative Jobs wie diese sind viel anstrengender, als man glaubt. Es wird häufig belächelt, wenn Influencer plötzlich mitteilen, dass sie einen Burnout haben. Dann heißt es nicht selten: Geh erstmal richtig arbeiten. Aber das ist einfach viel zu kurz gegriffen.

TAG24: Und im Vergleich zu deinen beruflichen Stationen zuvor?

Im Vergleich zu all meinen vorherigen Tätigkeiten - sei es im Gartenlandschaftsbau oder im Fernverkehr - ist dieser Job weitaus kräftezehrender. Aber ich mache lieber diesen extrem anstrengenden Job, als wenn ich jeden Tag an die Arbeit gehe und eigentlich gar nicht so richtig Bock drauf habe. Zumal ich schon mit 12, 13 Jahren, als das alles mit YouTube anfing, den Traum hatte, die Leute, die Öffentlichkeit irgendwie zu begeistern.

Markus Hanschke ist ausgebildeter Fahrlehrer, war aber noch nie im Einsatz

Mit Blut und Schweiß hat Markus im Juni seine Fahrlehrer-Ausbildung bestanden. Zu diesem Zeitpunkt ging es für ihn als Content Creator bereits steil bergauf.
Mit Blut und Schweiß hat Markus im Juni seine Fahrlehrer-Ausbildung bestanden. Zu diesem Zeitpunkt ging es für ihn als Content Creator bereits steil bergauf.  © Screenshot/TikTok/dr.emkus/Montage

TAG24: Du hast im vergangenen Jahr deine Ausbildung zum Fahrlehrer erfolgreich abgeschlossen. Warst du jetzt eigentlich schon mal als Fahrlehrer im Einsatz?

Markus: Nein. Zu dem Zeitpunkt habe ich plötzlich immer mehr Aufträge reinbekommen. Letztlich habe ich mich dann für den Weg als Content-Creator entschieden. Wobei ich es mir auch gut vorstellen kann, jetzt als Fahrlehrer unterwegs zu sein, weil es sich schön anfühlt, in Autos zu sitzen. Nee, Spaß! Das war ja nicht der Hauptgrund, weshalb ich die Ausbildung begonnen habe. Ich vermittle auch einfach gern Wissen.

TAG24: Die Ausbildung zum Fahrlehrer hast du dann gemacht, weil du 2020 als Busfahrer gekündigt wurdest. Ein TikTok-Video war dir zum Verhängnis geworden - du saßt am Steuer eines Busses, ehe du kurzzeitig mit beiden Händen aus dem Fenster gewunken hast. Währenddessen rollte der Bus weiter.

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Sarafina Wollny Sarafina Wollny in Sorge: Es geht um ihr Baby Hope!

Markus: Ja, der Arbeitgeber fand es offenbar nicht lustig genug. (lacht)

TAG24: Inzwischen kannst du zum Glück drüber lachen und hast in der Vergangenheit auch mehrmals betont, dass das Video ein Fehler war. Aber worauf ich hinaus will: Du hast jetzt über eine Million Follower auf TikTok, arbeitest mit dem MDR zusammen, verkaufst deine eigenen Produkte, hast eine eigene Kochshow und diverse andere Aufträge und Menschen, die mit dir zusammenarbeiten wollen. Hat der Kopf das inzwischen der Kategorie selbstverständlich zugeordnet oder fühlt es sich immer noch unwirklich an?

Markus: Ehrlich gesagt, fühlt es sich immer noch sehr unrealistisch an. Jetzt läuft vieles so gut. Finanziell muss ich mir keine Sorgen machen. Nach der Kündigung sah das ganz anders aus. Ich habe damals für meine zwei Töchter für 20 Euro Weihnachtsgeschenke bei Lidl gekauft. Gegenüber meinen Kindern habe ich mich wie ein Versager gefühlt. Das war der absolute Tiefpunkt! Ich habe mich miserabel gefühlt, konnte mich monatelang für nichts mehr motivieren.

Auf coole Art und Weise wollte Markus den Beruf des Busfahrers näher bringen. Vor allem ein Clip dazu ging viral, führte dann aber auch zur Kündigung.
Auf coole Art und Weise wollte Markus den Beruf des Busfahrers näher bringen. Vor allem ein Clip dazu ging viral, führte dann aber auch zur Kündigung.  © Screenshot/TikTok/dr.emkus/Montage

Markus Hanschke: "Meine Videos haben irgendwie einen Durchhänger"

TAG24: Denkst du noch oft an diese Zeit?

Markus: Es gibt hin und wieder so Momente, in denen ich mich stark an diese schlimme Zeit nach der Kündigung erinnere. Da gibt es so ganz bestimmte Lieder. Wenn ich die höre, dann bekomme ich Heulattacken, weil ich einfach ein sehr emotionaler Mensch bin.

TAG24: Aber heute geht es dir doch besser, oder?

Markus: Es ist gerade ein bisschen kritisch. Es fällt mir im Moment schwer, mich zu motivieren. Auch guten Freunden von mir fällt auf, dass irgendwas nicht so ganz stimmt. Meine Videos haben auch irgendwie einen Durchhänger.

TAG24: Mir ist das ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen. Worauf willst du hinaus?

Markus: Meine Lebensfreude hat in den vergangenen Jahren rapide abgenommen. Ich habe viel durchgemacht, viel Negatives erlebt. Dabei geht es nicht nur um die Kündigung und ihre Folgen! Da waren noch andere Sachen. Ich wurde auch viel verarscht und ausgenutzt. Es sind auch einige vermeintliche Freunde auf meine Erfolgswelle aufgesprungen und dann haben sie mich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Aus Selbstschutz werde ich zukünftig wohl jemand professionelles, einen Therapeuten, aufsuchen, um diesen mentalen Knoten zu lösen.

Lest hier den zweiten Teil des TAG24-Interviews mit Influencer Markus Hanschke alias dr.emkus: "Die Kochschiene ist irgendwann ausgeleiert".

Titelfoto: Screenshot/TikTok/dr.emkus/Montage

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