Gast findet bei Markus Lanz nach Angriff auf Venezuela klare Worte: "De facto ist das Völkerrecht tot"

Hamburg - In der ersten Folge "Markus Lanz" des neuen Jahres diskutierten die Gäste am Dienstagabend über den Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro (63) sowie die daraus resultierenden Folgen für das Völkerrecht.

Der Journalist Michael Bröcker (49) sieht dramatische Folgen für das Völkerrecht durch die jüngste US-Intervention. (Archiv)
Der Journalist Michael Bröcker (49) sieht dramatische Folgen für das Völkerrecht durch die jüngste US-Intervention. (Archiv)  © PR/ZDF/Markus Hertrich/

"Das, was die Vereinigten Staaten von Amerika da gemacht haben, was Donald Trump da gemacht hat, ist aus meiner Sicht klar völkerrechtswidrig", sagte der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch (57), einleitend. Das Vorgehen in Venezuela sei ein "alarmierendes Signal", da es als Blaupause "für die Despoten dieser Welt" dienen könne, ähnliches zu tun.

Angesichts dieser klaren Worte des SPD-Politikers zeigte sich ZDF-Gastgeber Markus Lanz (56) verblüfft, schließlich hatte Bundeskanzler und Koalitionspartner Friedrich Merz (70) die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes als "komplex" bezeichnet und war für diese zurückhaltenden Töne seitens der Opposition deutlich kritisiert worden.

"Das ist Pragmatismus, de facto ist das Völkerrecht tot, muss man sagen, wenn die größte und wichtigste Demokratie sich einen Dreck darum schert", sagte der Journalist Michael Bröcker (49), bezogen auf die Äußerungen Mierschs.

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Der Politikwissenschaftler Peter Neumann pflichtete Bröcker bei: Der US-Einsatz in Venezuela mache erneut deutlich, dass eine neue Weltordnung entstehe, die von Großmächten dominiert werde, die Einflusssphären untereinander aufteilten. "Wir müssen uns als Europäer überlegen: Was ist denn unsere Antwort? Analytisch und praktisch?", so Neumann.

Grönland oder Kuba als Nächstes?

US-Präsident Donald Trump (79) will Grönland aus Interessen der "nationalen Sicherheit" zum Gebiet der USA machen. "We need Greenland", sagte er kürzlich zu Reportern an Bord der "Air Force One". (Archiv)
US-Präsident Donald Trump (79) will Grönland aus Interessen der "nationalen Sicherheit" zum Gebiet der USA machen. "We need Greenland", sagte er kürzlich zu Reportern an Bord der "Air Force One". (Archiv)  © Alex Brandon/AP/dpa

Im Anschluss wurde auch die Frage, was das nächste Ziel der außenpolitischen Ambitionen der US-Administrationen sein könnte, in der Runde diskutiert.

Während Trump (79) zuletzt immer wieder von einer möglichen Übernahme Grönlands durch die USA gesprochen hatte, schätzt Neumann das Risiko einer militärischen Eskalation um die größte Insel der Welt als eher gering ein.

"Es wird letztendlich auf ein Abkommen hinauslaufen, das die Amerikaner über die Köpfe der Dänen hinweg, mit der autonomen Regierung in Grönland schließen werden", prognostiziert der Politikwissenschaftler. Viel wahrscheinlicher sei hingegen, dass Kuba als Nächstes in den Fokus der Trump-Regierung rücke.

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Die komplette Folge "Markus Lanz" seht Ihr jederzeit auf Abruf in der ZDF-Mediathek.

Titelfoto: PR/ZDF/Markus Hertrich/

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