Steckt Russland hinter Brandanschlag? "Vulkangruppe" meldet sich erneut
Berlin - Die sogenannte "Vulkangruppe" bekennt sich zu dem verheerenden Brandanschlag, der zu einem großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins geführt hat - jetzt gibt es weitere Stellungnahmen im Namen der Linksextremisten, die für Verwirrung sorgen.
Am Dienstag kamen vermehrt Stimmen auf, dass die Aktion von Russland aus gesteuert worden sein könnte. Dagegen setzen sich die Aktivisten vehement zur Wehr.
Diese Spekulationen seien "nichts weiter, als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren". Es passe nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden, "dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen", weshalb ein äußerer Feind konstruiert werde.
Als Motiv geben die Autoren bei der Plattform knack.news an, dass ihre Aktion nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen eine Infrastruktur gerichtet sei, die täglich Menschen, Umwelt und Zukunft zerstöre. "Wer fossile Großanlagen betreibt, entscheidet sich aktiv für Klimazerstörung, für Kriege um Ressourcen und für soziale Ungleichheit", behaupten die Verfasser.
Im selben Atemzug weisen sie die Verantwortung am Leid der Menschen zurück. Ihnen sei zwar bewusst, dass der Stromausfall all jene, "die ohnehin am Rand dieser Gesellschaft stehen" besonders hart treffe, aber das sei das Ergebnis eines Systems, "das kritische Versorgung zentralisiert, profitorientiert organisiert und bewusst verwundbar macht".
Auch Berlins Polizei-Vizepräsident Marco Langner hatte am Dienstag betont, dass es bislang "gar keine Hinweise" auf eine russische Beteiligung an den Anschlägen gebe.
"Vulkangruppe" sorgt mit "Distanzierung" für Verwirrung
Die Behörden halten das erste Bekennerschreiben der "Vulkangruppe" für authentisch. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Zum zweiten Schreiben gibt es vonseiten der Ermittler bislang keine Bestätigung.
Mittlerweile existiert aber auch ein drittes Statement, das wie das ursprüngliche bei der Plattform indymedia publik gemacht wurde. Darin meldet sich eine "Vulkangruppe der Jahre 2011" zu Wort und distanziert sich plötzlich von der Aktion.
"Diese Erklärung ist notwendig, weil unser Name in einen Zusammenhang gestellt wird, den wir nicht tragen", leitet die Gruppe das Schreiben von Mittwoch Nacht ein. "Unser Bezugspunkt war klar und begrenzt. Unser Ziel waren Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte. Infrastruktur war für uns kein Selbstzweck und kein Spielfeld, sondern Symbol und Träger militärischer Gewalt nach außen", stellen die Verfasser klar.
Und weiter: "Wir distanzieren uns ausdrücklich von allen Aktionen der letzten Jahre, die unter unserem Namen oder mit Bezug auf uns durchgeführt wurden. Diese Veröffentlichungen sprechen nicht für uns."
Handelt es sich also um Trittbrettfahrer, die den Namen der Gruppe angenommen haben, oder versuchen die Verantwortlichen nur, unter dem wachsenden Druck der Ermittlungen, die Schuld im Nachhinein von sich zu weisen? Auch die Echtheit dieses dritten Schreibens wurde von den Ermittlern bislang nicht bestätigt.
Titelfoto: Michael Ukas/dpa (Bildmontage)

