Katja Kipping bei "Chez Krömer": Kurt Krömer würde Linken-Partei auf links drehen

Berlin - Zum dritten Mal in Folge hat die Katze dem Moderator Kurt Krömer (45) einen Politiker vor die Tür gelegt: Linken-Chefin Katja Kipping (42) war zu Gast bei "Chez Krömer". Wie eine angebrochene Flasche Wasser ein Gespräch beschreibt.

Kurt Krömer (45, r.) nimmt Linken-Chefin Katja Kipping (42) ins Verhör. (Bildmontage)
Kurt Krömer (45, r.) nimmt Linken-Chefin Katja Kipping (42) ins Verhör. (Bildmontage)  © Screenshot/RBB (Bildmontage)

Am Montagabend erschien auf YouTube bereits vorab die neue Folge der RBB-Show.

Krömer bot der Politikerin im Verhörraum eine fast zur Gänze geleerte Flasche Wasser aus dem Kühlschrank an – und sollte damit metaphorisch-prophetisch den weiteren Verlauf des schalen Gespräches vorwegnehmen.

"Wie viele Minuten haben wir noch", wollte Kipping wissen, als der Moderator demonstrativ auf die Uhr starrte. "Wir müssen mehr in Fahrt kommen", formulierte der Berliner Kult-Komiker, was die meisten Zuschauer dachten.

"Können Sie nicht irgendeinen Knaller raushauen, dass sie gemobbt oder geschlagen wurden?", versuchte Krömer seine Gesprächspartnerin aus der Reserve zu locken.

Immerhin bekannte Kipping: Sie würde Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) als Kanzlerkandidaten vorschlagen.

Gegenstand der Sendung war auch der Kurs in der Flüchtlingspolitik der Linken, da es zu Querelen zwischen der früheren Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (51) und ihrer Kontrahentin Kipping gekommen war. Wagenknecht, die vor offenen Grenzen warnte, war wegen ihrer Einstellung in der hitzigen Zuwanderungsdebatte in der Partei angeeckt.

"Das war die vergangenen acht Jahre so ein richtiger Bitch-Fight", blickte Krömer zurück. Kipping entgegnete: "Wie Sie das zusammenfassen, beschreibt ganz gut, wie viele das dargestellt haben, aber es war eigentlich eine Kontroverse in der Sache."

Krömer war an diesem Abend handzahm, schien zu kuschen. Von sich gegenseitig Beharken keine Spur. "Hatten Sie das Gefühl, dass das eine gelungene Sendung geworden ist. War das für sie ein Pflichttermin?", hakte Alexander Bojcan, wie die Kunstfigur Kurt Krömer bürgerlich heißt, bei seinem Gegenüber nach. 

Sauer würde sie nicht nach Hause gehen, versicherte die Politikerin, die nach acht Jahren an der Partei-Spitze nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren wird. Bunter Moment des Abends: Kipping schaute gerne "Big Bang Theory" und "Westend".

"Bis zum Schluss kommen wir nicht aus dem Tritt", resümierte Krömer, als Gast und Gastgeber am Ende der Sendung vor das Publikum traten. "Das war Praxis Gesundheit. Es ging heute um schwere Krankheiten", schloss der 45-Jährige zunächst.

Kurt Krömer erzürnt sich: "So, Zuckerbrot ist alle"

Kurt Krömer (45, l.) geht die Akte von Linken-Chefin Katja Kipping (42) durch.
Kurt Krömer (45, l.) geht die Akte von Linken-Chefin Katja Kipping (42) durch.  © Screenshot/RBB

Dann der Überraschungsmoment: Quälende anderthalb Minuten mussten Krömer und Kipping ausharren, bevor die letzten Takte von Charles Aznavours "Formidable" verklungen waren – und die Sendung kurz vor Schluss endlich Fahrt aufnahm. 

"Ist jetzt eigentlich Feierabend?", schmunzelte Kipping dem Moderator entgegen, der grinsend wie ein Honigkuchenpferd und zugleich verkniffen wirkend zum Durchhalten animierte. 

"Ich glaube, ich habe einen schlechten Tag gehabt", gab Krömer anschließend eine kritische Selbstabschätzung ab. "Ich werde geisteskrank in diesem Format."

Auf den Hinweis Kippings, dass Krömer kein fieses Zitat von ihr gehabt habe, wetterte der Berliner: "Weil die Partei bekloppt ist. Sie sind die Kitaleiterin der Kita Auenland. Ist es nicht eine mordmäßige Aufgabe, den Flohzirkus zusammenzuhalten?" 

Und er drohte: "Ich würde jeden Tag in Ihre Partei gehen und sagen: 'So, Zuckerbrot ist alle.'"

Fazit: Kipping gab bei "Chez Krömer" ein gutes Bild ab und geriet durch die Bank weg nicht ins Straucheln. 

Nur: Die Sendung hatte trotz des angenehmen und schlagfertigen Studiogastes Längen und dümpelte vor sich hin. "Wohin geht die Reise?", fragte Krömer wie so häufig in seinem Talk-Format, wenn er mit seinem Latein am Ende ist.

Es war eine Reise von zwei Menschen, die sich offenbar nicht bekriegen wollten oder konnten. Gebellt und gebissen wurde nicht. 

Bis auf kleine Spitzen war daher die Stimmung gemäßigt. Der "dicke Otto" blieb an diesem Abend aus.

Die dritte Staffel von "Chez Krömer" geht noch bis zum 17. November. Die aktuelle Folge läuft dienstags um 22.15 Uhr beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). 

Weitere Gäste sind Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne), Journalist Jan Fleischhauer (58) und Komiker Tedros "Teddy" Teclebrhan (37). 

Titelfoto: Screenshot/RBB (Bildmontage)

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