Ex-SPD-Politiker spricht Klartext: "Der Sonnenberg entwickelt sich zum Chemnitzer Neukölln"

Chemnitz - Messerstechereien, Gewalt-Attacken und vermüllte Straßen: Der Chemnitzer Sonnenberg sorgt immer wieder für Negativschlagzeilen. Ex-SPD-Politiker Tobias Andrä (44) schlägt Alarm. "Der Sonnenberg entwickelt sich immer mehr zum Chemnitzer Neukölln", sagt der 44-Jährige. Auch die Situation in der Innenstadt sei katastrophal. Er fordert knallhartes Durchgreifen und eine Wende in der Migrationspolitik.

Tobias Andrä (44) fordert angesichts der Messer- und Raubstraftaten in Chemnitz ein knallhartes Durchgreifen.  © Maik Börner

Erst vor einer Woche gerieten auf dem Sonnenberg zwei Syrer (24, 26) in Streit. Es flogen die Fäuste. Dabei wurde einer der Männer mit einem Messer verletzt.

Kein Einzelfall: Immer wieder sorgen Gewaltdelikte auf dem Sonnenberg für Ärger. Anfang Juli wurde ein Teenager (17) ausgeraubt. Die Polizei sprach von einem Täter mit arabischem Erscheinungsbild. Auch in der Innenstadt kommt es regelmäßig zu derartigen Vorfällen.

Dass es massive Probleme in gewissen Gebieten des Sonnenbergs gibt, bestätigt auch die Polizei. Vor allem der untere Sonnenberg sei schon lange als "Melting Pot" (deutsch: Schmelztiegel) mit einer hohen sozialen kulturellen Durchmischung bekannt.

"Dieser Umstand und mitunter ein nicht zu vernachlässigender Anteil nicht deutscher Bewohner bringen Konflikte mit sich, die in anderen Ortsteilen weniger ausgeprägt sind", erklärt Polizeisprecher Andrzej Rydzik.

"Mir blutet das Herz", sagt Tobias Andrä. Er kennt Chemnitz von seiner Studienzeit. Damals, so sagt er, sei er auch nachts durch die Stadt gegangen. Heute gliche das einem Va-banque-Spiel.

Die regelmäßigen Meldungen über Raub und Schlägereien "aus dem migrantischen Milieu" dürfe man nicht herunterspielen.

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"Wir müssen Probleme rund um das Thema Migration offen ansprechen. Tun wir das nicht, entgleitet uns unsere Gesellschaft", sagt Andrä.

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Erst vor wenigen Tagen rückte die Polizei zur Hainstraße aus. Hier waren zwei Syrer in Streit geraten, einer der Männer drohte anschließend mit einer Schreckschusswaffe.  © Chempic
Müllberge an Glascontainern Tschaikowskistraße - leider keine Seltenheit auf dem Chemnitzer Sonnenberg.  © Haertelpress
Auch Polizeisprecher Andrzej Rydzik bestätigt Einsatzschwerpunkte auf dem Chemnitzer Sonnenberg.  © Kristin Schmidt

Ex-SPD-Politiker: "Strafmündigkeit muss heruntergesetzt werden"

Der Jugendknast in Regis-Breitingen (Landkreis Leipzig). Hier landen kriminelle Jugendliche ab 14 Jahren.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild

Der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in gewaltbereiten Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein großes Problem.

Die Statistik gibt ihm recht. Laut Polizei lag die Ausländerquote bei Straftaten 2025 bei 44,3 Prozent. Im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung sind Nichtdeutsche somit überproportional vertreten.

Ebenso stieg die Zahl der Raub-Attacken - oft begangen von Jugendlichen aus dem arabischen Raum. "Mit Reden kommt man da nicht weiter - hier muss die volle Autorität des Staates greifen", fordert Andrä.

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Gespräche und Therapien seien schön und gut - doch bei immer mehr Jugendlichen würde diese Methode nicht mehr fruchten, sagt der 44-Jährige.

Auch die Strafmündigkeit müsse heruntergesetzt werden. Denn: Aktuell können Kinder unter 14 Jahren nicht strafrechtlich belangt werden. "Das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt der 44-Jährige.

Ebenso sollten jugendliche Gewalttäter nicht vorschnell aus der Haft entlassen werden. "Der Erziehungsgedanke darf nicht über dem Schutz der Allgemeinheit stehen", erklärt Andrä.

Andrä: "In der Chemnitzer Innenstadt fühle ich mich nicht mehr wohl"

Auch in der Chemnitzer Innenstadt kommt es regelmäßig zu Polizeieinsätzen. Vor allem die Zahl der Raubdelikte sind dramatisch hoch.  © Kristin Schmidt

Der Gewerkschafter saß zehn Jahre lang im Stadtrat in Aue-Bad Schlema (Erzgebirge), war zunächst SPD-Mitglied. Heute ist er parteilos. "Ich bin Pragmatiker, spreche Probleme direkt an. Eine Partei brauche ich dazu nicht", sagt der 44-Jährige.

Vor allem die Migrationspolitik kritisiert er scharf. Laut dem Gewerkschaftler müssten Migranten schnell Deutsch lernen, dann sei die Chance auf Bildung, Arbeit und ein gutes Zusammenleben um ein Vielfaches höher. "Integration ist eine Pflichtleistung", sagt er.

Wer das gesellschaftliche Zusammenleben hingegen nicht akzeptiert und schwere Straftaten begeht, sollte in sein Heimatland abgeschoben werden, fordert Andrä - auch im Hinblick auf die Chemnitzer City.

Hier sind die Fehler der Migrationspolitik für ihn eindeutig. "Schlägereien, Raub und Drogenhandel - in der Chemnitzer Innenstadt fühle ich mich nicht mehr wohl."

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