Leipzig - Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Leipzig wächst. Besonders im Winter suchen viele von ihnen einen Ort für die Nacht. Bis Ende 2020 diente die Fußgängerunterführung am Astoria-Hotel in Leipzigs Zentrum als Unterschlupf, bis die Stadt diese räumen und versiegeln ließ. Eine Initiative der Grünen im Stadtrat machte sich nun für die Öffnung des Bauwerks stark. Die Verwaltung sprach sich jedoch gegen das Vorhaben aus, das schlussendlich keine Mehrheit fand.
"Am 4. Dezember wurde der Zeltplatz Mitte geräumt", sagte die Grünen-Abgeordnete Katharina Kreft. "Seit zwei Jahren hatte sich in der Nürnbergerstraße ein Lager gebildet, es wurde größer, es kam zu Lärmbelästigungen - die Situation war für die Nachbarschaft nicht mehr tragbar."
Erst kürzlich sei es immer wieder zu Zwischenfällen im alten Lokschuppen am Lene-Voigt-Park und an anderen Orten gekommen, so Kreft. Auf dem Zeltplatz Mitte seien bald wieder Wohnungslose aufgeschlagen, selbiges gelte für den Hauptbahnhof.
"Die Vertreibung gelingt nicht", sagte die Grünen-Politikerin. "Räumen löst kein Problem. Wir schlagen vor, sich der Realität zu stellen! Stellen Sie als Stadt Leipzig eine Fläche zur Verfügung, wo geordnet genächtigt werden kann, Nachbarschaft nicht gestört wird, Unrat beräumt und Konflikte moderiert werden."
Auch weil sich die Inbetriebnahme der geplanten Unterkunft in der Kurt-Schuhmacher-Straße 41 bis Mitte 2027 verzögere, brauche es jetzt einen solchen Ort, insbesondere für wohnungslose Menschen, die die Übernachtungshäuser nicht aufsuchen wollen oder können. Der Astoria-Tunnel biete sich hierbei an.
Verwaltung lehnt Beschlussvorschlag ab
Die Verwaltung lehnte den Beschlussvorschlag jedoch ab, da er nachteilig für die Stadt sei. "Die Notunterbringung von obdachlosen Personen muss dem Anspruch der Menschenwürde genügen", wurde argumentiert. Dafür sind angemessene hygienische Rahmenbedingungen (fließendes Wasser, Sicherheit und ein Mindestmaß an Häuslichkeit) zu gewährleisten."
Die bereits bestehenden Unterkünfte erfüllten diesen Standard, die im Antrag vorgebrachte temporäre Tunnellösung hingegen nicht, hieß es.
Die Linke-Fraktion teilte unterdessen die Verärgerung über die Verzögerungen bei der Fertigstellung der Unterkunft in der Kurt-Schuhmacher-Straße. Man habe jedoch "große Bauchschmerzen" bezüglich der vorgeschlagenen Astoria-Lösung. Andere Möglichkeiten, sollten geprüft werden.
SPD und CDU votierten ebenfalls gegen die Öffnung des Tunnels. Eine unterirdische Behausung sei nicht nur wenig würdevoll, sagte etwa die SPD-Abgeordnete Pia Heine. "Zum andern stehen einer Wiedereröffnung deutliche Sicherheitsmängel entgegen. Ich möchte mir lieber nicht ausmalen, was passiert, wenn im Astoria-Tunnel ein Feuer ausbricht."