Buckelwal in der Ostsee: Erst mal kein Rettungsversuch mehr

Niendorf - Ein gestrandeter Buckelwal saß seit Montag auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) fest. Zwar konnte er sich in der Nacht zu Freitag selbst befreien, doch am Samstag strandete er erneut, diesmal in der Wismarer Bucht. Auch hier schwamm er sich kurz frei, liegt aktuell aber wieder auf einer Sandbank. TAG24 berichtet im Liveticker.

Auch am Samstag wird weiter daran gearbeitet, den Wal ins offene Meer zu begleiten.  © Sea Shepherd

Experten vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) waren die vergangenen Tage vor Ort und arbeiteten gemeinsam mit der Feuerwehr an einer Lösung.

Mehrere Rettungsversuche liefen zunächst ins Leere. Am Freitag der Wendepunkt: Der Buckelwal war plötzlich verschwunden, hatte sich selbst befreit. Nachdem er zunächst gefunden wurde, versuchten Boote, dem Tier den Weg ins offene Meer zu zeigen.

Doch am Samstag dann die erneute Wende, der Buckelwal tauchte kurz vor Wismar auf und geriet wieder auf eine Sandbank.

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In der Nacht zu Sonntag sei es dem Tier gelungen, sich erneut aus eigener Kraft zu befreien.

Doch das wohl nur für kurze Zeit: Am Sonntagmorgen wurde der Wal erneut auf einer Sandbank in der Wismarer Bucht gesichtet, nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt. Diesmal gilt er jedoch nicht als gestrandet - laut Experten könnte er sich bei ausreichender Kraft selbst freischwimmen.

Man hofft nun, dass der Wal genügend Ruhe bekommt, um wieder ausreichend Kraft zu sammeln und schließlich den Weg aus der Ostsee zu finden. Dafür wurde ein Schutzbereich von 500 Metern rund um das Tier eingerichtet, in den kein Schiff oder Boot einfahren darf.

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29. März, 13.57 Uhr: Kann der Wal überhaupt wieder zu Kräften kommen?

Wie gewünscht ist es ruhig um den Wal geworden. Eine Frage in der Pressekonferenz blieb aber noch offen: Kann der Wal überhaupt wieder zu Kräften kommen, um zur Nordsee zu finden?

Abgesehen von seinen Hautproblemen und den Netzresten im Maul sei der Wal in einem guten Ernährungszustand, so Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung: "Wale auf ihren Wanderrouten fressen zum Teil nicht, sie können also Wochen ohne Nahrung auskommen. Dank seines guten Ernährungszustands verfügt der Wal über ausreichende Reserven, um die Zeit ohne Nahrung zu überstehen", so die Expertin.

Wie genau die Tiere aus der Ostsee wieder herausfinden, sei jedoch nicht bekannt - es ist unklar, ob sie dem Salzgehalt oder der Strömung folgen.

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29. März, 13.20 Uhr: Wurde Robert Marc Lehmann ausgeschlossen?

Während der Pressekonferenz äußerten sich die Anwesenden auch zu den Vorwürfen von Robert Marc Lehmann (43), er sei aufgrund einer unterstellten "Selbstdarstellung" von den Rettungsmaßnahmen ausgeschlossen worden. Lehmann hatte am Donnerstag und Freitag bei der Befreiung des Wals geholfen (s. weiter unten im Ticker), ist aktuell aber nicht mehr vor Ort.

Thilo Maack sowie Dr. Stephanie Groß betonten, dass niemand ausgeschlossen worden sei und sich nach ihrer Kenntnis niemand aus ihren Teams falsch verhalten habe.

Prof. Burkard Baschek erklärte, dass es derzeit nicht darum gehe, wie man den Wal besser retten könnte, "weil das Tier sich selber freischwimmen könnte". Der Fokus liege jetzt auf dem Gesundheitszustand: "Wir glauben, dass Ruhe im Moment das Beste ist und dem Tier die Möglichkeit gibt, Kraftreserven aufzubauen. Der Weg zurück Richtung Nordsee ist dabei letztlich ein Navigieren auf Sicht."

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus äußerte sich zur Debatte: "Nachdem ich gehört habe, was aus dem Netz kommt, habe ich für mich entschieden, ein persönliches Gespräch mit ihm zu dem Thema zu führen. Damit senden wir ein Signal, dass wir Kooperation suchen, pflegen und umsetzen."

Er betonte zudem: "Für uns in Mecklenburg-Vorpommern haben wir das Meereskundemuseum mit einem ausgemachten Verhandlungsvertrag - das ist die Expertise, die wir haben. Die beteiligten anderen Institutionen haben für mich eine hervorragende Arbeit geleistet."

Robert Marc Lehmann (43) war am Donnerstag zu dem damals noch am Timmendorfer Strand gestrandeten Wal getaucht.  © Daniel Bockwoldt/dpa

29. März, 12.47 Uhr: Soll der Wal eingeschläfert werden?

Auf die Frage, ob bereits alle Worst-Case-Szenarien bedacht worden seien und ob in Erwägung gezogen werde, das Tier gegebenenfalls zu erlösen, antwortete Burkard Baschek unmissverständlich: "Das schließen wir kategorisch aus!"

Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung erklärte die Entscheidung: "Es gibt einfach keine verlässliche Methode, die dieses Tier schnell und schmerzlos erlöst. Deshalb haben wir keine Möglichkeit, es einzuschläfern, ohne ihm möglicherweise zusätzliche Schmerzen und Leiden zuzufügen. Die Situation wurde ausdrücklich intensiv geprüft."

Der Wal ist diesmal nicht gestrandet, schafft es aber nicht aus eigener Kraft, weiterzuschwimmen.  © Philip Dulian/dpa

29. März, 12.41 Uhr: Warum geht es dem Wal so schlecht?

Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, nutzte den Rahmen der Pressekonferenz, um darüber aufzuklären, warum es dem Wal so schlecht geht. Er ging dabei auch noch mal auf die Reste des Fischernetzes im Maul des Wals ein, welche nicht entfernt werden konnten.

"Es ist ein Fakt, dass menschliche Einflüsse auf die Ozeane maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es dem Wal so schlecht geht. An dem Tier wurden Netzreste gefunden - das zeigt, dass die Fischerei ein großes Problem ist", so Maack, dem es ein persönliches Bedürfnis sei, darüber aufzuklären.

"Die Arbeitsgruppe der Internationalen Walfangkommission schätzt, dass weltweit jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine durch die Fischerei sterben und in Netzen ertrinken. Das betrifft nicht nur die großen Ozeane, sondern auch die Ostsee. Dort kommen weiterhin viele Stellnetze zum Einsatz, in denen die einzige heimische Walart, die Schweinswale, immer wieder verenden."

Und weiter: "Was die Natur braucht - und auch dieser Wal gebraucht hätte - sind großflächige Schutzgebiete, in denen sie sich selbst überlassen bleibt. Nur so haben die Ozeane eine Chance."

29. März, 12.30 Uhr: Ruhe bewahren und abwarten

Nach Angaben von Prof. Burkard Baschek bleibt die Strategie unverändert: "Die Prämisse bleibt weiterhin, Ruhe reinzubringen und das Tier zu beobachten." Zwar stehe man für mögliche Maßnahmen bereit, doch das könne nur dann Sinn ergeben, wenn das Tier kräftig genug ist.

Aktuell verzichte man bewusst auf Eingriffe: "Ein Freibaggern ist ohnehin nicht machbar oder angemessen in dem Moment, weil es nur Stress auslösen würde", so Baschek, der noch mal betonte, dass der Wal in der Lage wäre, sich zu befreien.

Die Lage bleibe angespannt und emotional belastend: "Das ist eine Situation, die uns allen nahegeht. Wir hängen alle auch an diesen Tieren, die dort sind, und müssen trotzdem am Ende hinnehmen, dass sich hier ein Irrläufer in die Ostsee verirrt hat und dort nicht so die Voraussetzung findet, die er am Ende braucht."

Einen kleinen Lichtblick gibt es laut dem Experten aber noch: Der Wal habe es immerhin zweimal nachts geschafft, sich selbst zu befreien, wo wenig los war, weswegen für die nächsten Stunden erst mal gelte: "Ruhe bewahren". Dafür wurde ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf.

29. März, 12.15 Uhr: Wal soll "deutlich geschwächt" sein

Bei der Pressekonferenz sprach Prof. Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Meeresmuseum Stralsund, von einem "deutlich geschwächten" Wal, der aktuell keinen Versuch unternehme, sich selbst freizuschwimmen. Obwohl die Wassertiefe derzeit der aus der Nacht entspreche, in der es ihm gelungen war, sich selbst zu befreien.

Das Tier sei nicht, wie zuletzt, gestrandet. "Wie bereits gestern versucht wurde, hat man das Tier animiert, sich aus eigener Kraft freizuschwimmen, also ihm gewissermaßen Motivation gegeben, mit Flossenschlägen ins tiefere Wasser zu gelangen. Das war bisher auch erfolgreich, weshalb wir hier nicht von einer Strandung sprechen, sondern eher von einem Aufsetzen des Wals", erkläre Baschek weiter.

Dennoch spricht der Experte von einer verschlechterten Gesamtsituation: "Die Prognose sieht nicht gut aus!" Selbst bei einer erneuten Befreiung drohe ein erneute Strandung sowie durch den sinkenden Wasserstand eine weitere Verschärfung der Lage.

29. März, 11.04 Uhr: Minister: "Er lebt, das ist die erste gute Botschaft"

Auf dem Wasser sind inzwischen mehrere Boote, die alle großen Abstand zum Wal halten. Auf einem der Polizeiboote ist auch Dr. Till Backhaus (67), Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt in Mecklenburg-Vorpommern.

Der SPD-Politiker zum Wal: "Er pustet ja ab und er ruft auch. Also er lebt, das ist die erste gute Botschaft."

Till Backhaus (SPD), Agrar-, Umwelt- und Klimaschutzminister von Mecklenburg-Vorpommern, steht mit einem Fernglas auf dem Polizeiboot "Uecker".  © Philip Dulian/dpa

29. März, 10.37 Uhr: Pressekonferenz angesetzt

Nach TAG24-Informationen soll um 12 Uhr eine Pressekonferenz stattfinden. In der Zwischenzeit hat das Boot mit den Wissenschaftlerinnen ein erstes Bild vom Wal gewonnen, befindet sich aktuell jedoch wieder auf Abstand.

Das Tier zeigt nur geringe Bewegungen, ab und zu stößt es Wasser aus seinem Blasloch aus.

Ein Team aus Wissenschaftlern näherte sich am Sonntagmorgen mit einem Schlauchboot dem Wal.  © NEWS5 / Sebastian Peters

29. März, 9.42 Uhr: Expertin hat noch Hoffnung

Wie viel Kraft dem Wal nach den vergangenen Strapazen noch bleibt, lasse sich nur schwer einschätzen. "Sicherlich ist er auch erschöpft von den letzten Tagen. Aber er war ja vorgestern noch sehr agil und hat sich auch jetzt wieder bewegt", so Daniela von Schaper (33) von Greenpeace gegenüber TAG24.

Trotz der unsicheren Lage bleibt die Expertin zuversichtlich: "Ich habe immer noch Hoffnung, dass er aus der Ostsee wieder rauskommt. Und dass, wenn er jetzt hier freikommen würde - beziehungsweise wieder schwimmen würde -, wir es schaffen könnten, ihn aus der Bucht ein Stück weit zu begleiten und er genug Kraft hat."

Der Wal von oben am Sonntagmorgen. Noch ist unklar, ob er wieder festsitzt.  © NEWS5 / René Schröder

29. März, 9.19 Uhr: Experten fahren erneut mit einem Boot an das Tier

Das erste Schlauchboot mit Paddeln statt Motor ist unterwegs zum Wal. Wie Daniela von Schaper (33) von Greenpeace gegenüber TAG24 mitteilte, sind neben Greenpeace auch die Wissenschaftlerinnen vom ITAW und vom Deutschen Meereskundemuseum an Bord.

"Es geht jetzt erstmal darum zu gucken, ob er sich überhaupt wieder festgesetzt hat oder nicht", so die Expertin. Sollte der Wal festsitzen, ist geplant, ihn sanft zu animieren, wieder in tiefere Gewässer zu gelangen. Das Tier liege diesmal nur wenige Hundert Meter vom Festland entfernt, allerdings sei auch die tiefe Fahrwasserrinne nicht weit.

Nach seiner zweiten eigenen Befreiung in der Nacht auf Sonntag war der Wal nicht in Richtung offene See, sondern rund zwei Kilometer tiefer in die Bucht zurückgeschwommen, an den Ort, an dem er bereits vor drei Wochen erstmals gesichtet worden war. Damals hatte sich der Wal in einem sogenannten Geisternetz verfangen.

Die Wasserschutzpolizei hatte in den frühen Morgenstunden den Positionswechsel des Wals gemeldet.

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