Fremdgehen verzeihen in 7 Schritten: So kann es gelingen

Kann man Fremdgehen verzeihen und seine Beziehung wirklich retten? Das Vertrauen ist schließlich tief erschüttert und es braucht lange, bis diese Wunden heilen. TAG24 erklärt Euch, wie das in sieben Schritten trotzdem funktionieren kann.

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Fremdgehen verzeihen? Klingt paradox, ist es aber nicht

Untreue muss nicht in einer Trennung enden.
Untreue muss nicht in einer Trennung enden.  © 123rf/howtogoto

Ist der Partner oder die Partnerin fremdgegangen, ist das erst mal ein Schock. Die gesamte Beziehung wird gedanklich durchleuchtet, die Gefühle infrage gestellt und sein Gegenüber mit anderen Augen gesehen. Das Kopfkino rattert, man fühlt sich unzulänglich und tief verletzt.

Können diese Wunden wirklich heilen? Und kann man diesen Vertrauensbruch irgendwann verzeihen?

Wenn man es richtig angeht, kann Fremdgehen verziehen werden. Das erscheint vielen Menschen unmöglich.

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Aber mit etwas Geduld und Zeit kann man wieder in eine liebevolle und ebenbürtige Partnerschaft zurückfinden.

Warum gehen Menschen überhaupt fremd?

Untreue ist ein großes Thema in Partnerschaften.
Untreue ist ein großes Thema in Partnerschaften.  © 123RF/lightfieldstudios

Geht der Partner oder die Partnerin fremd, ist man schnell auf der Suche nach dem Warum. Es gibt zwar keine pauschale Antwort darauf, aber die Gründe lassen sich zumindest eingrenzen.

  • Erotischer Reiz oder Leidenschaft fehlt
  • Prickeln der ersten Verliebtheitsphase schwindet
  • Sehnsucht nach Intimität wächst
  • Affäre bringt Aufregung und Spannung ins (Liebes-)Leben
  • Wunsch nach vermeintlicher Bestätigung

Vielen Menschen, die sich für einen Seitensprung oder gar eine Affäre entscheiden, fehlt etwas Bedeutsames in ihrer Beziehung: Leidenschaft. Diese Sehnsucht kann entstehen, wenn der Alltag in die Partnerschaft einzieht und es an Erotik allmählich mangelt. Sobald eine Liaison eingegangen wird, ist das Feuer wieder da: Der Reiz des Neuen, die prickelnde Lust aufeinander und das Gefühl eines spannungsgeladenen Liebeslebens wirken belebend.

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Kommt dieses dunkle Geheimnis ans Licht - gewollt oder nicht - liegt die Beziehung zunächst in Trümmern. Die Fragen sind nun: "Lässt sich das wieder reparieren und wenn ja, wie kann man das Fremdgehen verzeihen?"

Diese sieben Schritte können helfen, die Beziehung wieder aufzubauen.

7 Schritte, um Fremdgehen verzeihen zu können

Entscheidet man sich dafür, das Fremdgehen verzeihen zu wollen, können diese sieben Schritte dabei helfen. Hierbei spielt nicht nur die Liebe füreinander eine bedeutende Rolle, sondern ebenso Geduld, Zeit und Umsichtigkeit.

1. Schritt: die Verletzung bewusst machen

Nachdem aus dem Glauben an gegenseitige Treue eine faktische einseitige Untreue wurde, ist das Vertrauen enttäuscht worden und der Schmerz darüber immens groß. Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft kommen auf und auch das Selbstvertrauen ist beschädigt.

In dieser Phase ist es wichtig, erst mal nur auf sich selbst und seine eigenen Gefühle zu schauen. Denn je besser es einem selbst geht, desto leichter wird es sein, das Fremdgehen verzeihen zu können. Folgende Ansätze können dabei helfen, sich selbst in den Fokus der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt zu rücken, um die Dinge klarer zu sehen:

  • Was erwartet man grundsätzlich von der Beziehung?
  • Kann man sich vorstellen, mit dem Partner oder der Partnerin alt zu werden?
  • Man sollte sich zunächst bewusst machen, dass Vertrauen ein Geschenk an den Partner oder die Partnerin ist und man nicht sofort wieder vertrauen kann. Man benötigt folglich Geduld mit sich selbst.
  • Der Betrogene sollte davon ausgehen, noch nicht die ganze Wahrheit über den Treuebruch zu kennen. Hält man sich das vor Augen, kann man die eigene Erwartungshaltung realistisch halten.
Wurde der Seitensprung aufgedeckt, sind beide Partner zunächst verzweifelt.
Wurde der Seitensprung aufgedeckt, sind beide Partner zunächst verzweifelt.  © 123RF/petrovichvadim

2. Schritt: den eigenen Gefühlen eine Stimme geben

Sobald sich der erste Schock gesetzt hat, sollte man seine Innenwelt wieder sortieren. Der erschütternde Seitensprung sorgte für inneres Chaos, das nun langsam aufgeräumt werden muss. Wie das am besten gelingt, ist sehr individuell. Manchen Menschen hilft es, ihre Gedanken und Gefühle unverblümt aufzuschreiben. Man kann beispielsweise einen Brief an den Partner oder die Partnerin schreiben, in dem man frei und ohne Rücksicht alles benennt, das einem auf der Seele brennt. Ganz wichtig hierbei ist: Der Partner oder die Partnerin muss diesen Brief nie zu Gesicht bekommen. In erster Linie dient er der Selbstreflexion.

Auch das Schreiben eines Gedichtes oder Songtextes kann helfen, um seine Gefühle zu ordnen. Visuelle Menschen machen vielleicht Fotos oder malen und zeichnen lieber, um sich seelische Luft zu machen. Andere Menschen ziehen es vor, mit einer vertrauten Person zu sprechen, um sich eingehend mit der neuen Situation auseinanderzusetzen.

Erinnert man sich daran, was in vergangenen schweren Zeiten half, kann genau diese Methode auch hier die richtige sein.

3. Schritt: die Untreue-Gründe erforschen

Kann man wieder etwas klarer sehen und die Gedanken an das Fremdgehen lösen etwas weniger Schmerz aus, sollte man sich den möglichen Untreue-Gründen widmen. Natürlich trägt der Partner oder die Partnerin die Verantwortung für die Untreue, aber dazu kam es nicht grundlos. Wenn man sich eingehend damit beschäftigt, was zum Fremdgehen geführt haben könnte, kann man seinen eigenen Anteil besser herausfiltern und das Verzeihen wird eine greifbare Möglichkeit.

Eigener Anteil? Wo man selbst doch nur das arme Opfer war? Es ist zwar nicht leicht, in diese Richtung zu denken, aber ja, jeder hat seinen Anteil an Untreue. Denn: Jeder Mensch hat Schwächen und Fehler, die manchmal in Beziehungsprobleme münden. Werden diese Differenzen zu groß, werden Menschen unglücklich und "anfällig" für die Avancen anderer.

Folgende Fragen an sich selbst können helfen, die Untreue-Gründe zu entdecken und sich selbst zu reflektieren:

  • Gab es Veränderungen im gemeinsamen Leben, die dazu führten, dass man sich voneinander entfernt hat?
  • Welche wesentlichen Dinge gab es, die man nicht miteinander teilen konnte? Stand etwas zwischen Euch?
  • Hat man sich gegenseitig genug Aufmerksamkeit und Zeit geschenkt?
  • Mangelte es an schönen Erlebnissen oder Abenteuern?
  • Hat sich einer dem anderen untergeordnet?
  • Was kam in der Beziehung zu kurz?
  • Welche Bedürfnisse wurden nicht erfüllt?
  • War das Liebesleben erfüllend? Waren beide damit glücklich?

4. Schritt: Perspektivwechsel

Dieser Schritt ist schwer, denn man wurde schließlich tief verletzt. Aber wenn man das Fremdgehen verzeihen möchte, muss man die Schuldfrage beiseiteschieben und sich dem Perspektivenwechsel widmen.

Man sollte sich nun in den Partner oder die Partnerin hineindenken - vor allem hineinfühlen. Was könnte er oder sie VOR dem Fremdgehen in der Beziehung gefühlt haben? Was hat womöglich gefehlt? Was hat dieser Mangel in ihm oder ihr ausgelöst? Wie würde man selbst handeln, wenn man derart fühlen würde?

Solche Fragen sollten immer ehrlich beantwortet werden, damit ein Perspektivenwechsel wirklich zielführend ist. Auf diese Weise kann man die Gründe für sein oder ihr Verhalten besser verstehen und das Fremdgehen verzeihen lernen.

Zunächst wirkt alles verloren, doch mit der richtigen Herangehensweise kann man eine Beziehung retten.
Zunächst wirkt alles verloren, doch mit der richtigen Herangehensweise kann man eine Beziehung retten.  © Unsplash/Claudia Wolff

5. Schritt: die richtige Aussprache

Nachdem sich die inneren Wogen etwas geglättet haben, ist es Zeit für ein aufrichtiges Gespräch. Dafür ist ein sicherer Rahmen wichtig. Das bedeutet, dass man ungestört ist - kein Handy, keine Türklingel, keine Termine. Die wichtige Frage bei dieser Aussprache ist nicht: "Wie konntest du mir das antun?", sondern: "Wie konnte es so weit kommen?"

Trotz Ratlosigkeit, Enttäuschung, Wut und Traurigkeit über die Untreue sollte im Auge behalten werden, dass der Partner oder die Partnerin auch ein Mensch mit Gefühlen ist. Und bestimmte Gefühle waren der Grund für das Fremdgehen. Denn ein Seitensprung ist meistens nicht der Auslöser für eine Beziehungskrise, sondern ein Symptom einer bestehenden Krise. Untreue geschieht nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus unerfüllten Bedürfnissen.

Spricht man seine Gedanken und Gefühle aus und lässt sein Gegenüber ebenfalls ehrlich darüber sprechen, können Dinge zutage kommen, die das Verzeihen möglich machen.

Aber: Man sollte sich genau überlegen, ob man jedes pikante Detail wissen möchte. Denn oft ist das mehr mit unnötigem Schmerz als mit Hilfe verbunden.

Viel wichtiger sind die Gefühle füreinander und die Gefühle für die dritte Person. Möchte das Paar an der Beziehung festhalten oder sind die Gefühle für die dritte Person so stark, dass eine Trennung unausweichlich ist?

6. Schritt: eine Entscheidung treffen

Die Dinge sind ausgesprochen und man weiß nun, wo man steht. Jetzt ist es wichtig, genau in sich zu gehen und herauszufinden, was man will. So oder so: Man muss nach vorne schauen.

Wünscht man sich weiterhin eine gemeinsame Zukunft als Paar, ist die Zeit gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Der Austausch über Zukunftspläne, gelernte Fehler, Missverständnisse oder Versäumnisse ist hierbei ganz wichtig. Nur so kann man verhindern, dass die gleichen Fehler wiederholt werden.

Durch den gemeinsam geplanten Neustart der Beziehung erhält die Liebe neue Energie. Dieser frische Aufwind kann dem Paar Auftrieb verleihen.

Sollte die Verletzung zu tief sitzen und das Fremdgehen nicht verziehen werden können, ist eine Trennung vorprogrammiert. Sobald der Vertrauensbruch zu groß ist und diese Hürde emotional unüberwindbar scheint, sollte man auf sich selbst achten und sich dem nicht aussetzen. Fremdgehen verzeihen ist schwer und nicht jede Liebe kann diese Herausforderung überstehen.

7. Schritt: an der eigenen Entscheidung wachsen

Betrogen zu werden gehört zu den schlimmsten Erlebnissen in einer Beziehung und hinterlässt Spuren auf der Seele und im Herzen. Kommt man hingegen bei diesem letzten Schritt an, hat man bereits viel gemeistert. Man hat eine Menge über den Partner bzw. die Partnerin erfahren, aber noch viel mehr über sich selbst. Denn man hat sich eingehend mit seinen Gefühlen auseinandergesetzt, sie angenommen und weiß nun, was man will und was man nicht (mehr) will.

Man ist nicht mehr derselbe Mensch wie vor der Untreue - man hat etwas verloren, aber auch gewonnen. Das Vertrauen ist weg, aber viele Erkenntnisse und Selbstreflexionen konnten helfen, ein neues Selbst zu erschaffen und somit diese Situation zu bewältigen.

Ist einem das bewusst, ist es nur noch ein kleiner Schritt, um das Fremdgehen verzeihen zu können. Man ist mit sich selbst wieder mehr im Reinen, die Wut schwächt sich ab und die eigenen Vorwürfe stören nicht mehr den inneren Frieden.

Nun kann die Liebe an dieser harten Prüfung wachsen und sich auf eine höhere Ebene bewegen. Dennoch sollte einem immer bewusst sein, dass Liebe sehr sensibel und Vergebung sehr zeitintensiv ist.

Fazit: Fremdgehen verzeihen gelingt mit einer gesunden Beziehung zu sich selbst

Manche Paare finden nach einem Seitensprung zueinander zurück.
Manche Paare finden nach einem Seitensprung zueinander zurück.  © 123RF/peopleimages12

Fremdgehen zu verzeihen ist ein längerer Prozess. Selbst wenn man sich für die Beziehung entschieden hat, liegt noch ein weiter Weg vor dem Paar. Das sollte nicht nur der oder die Betrogene bedenken, sondern auch der Betrügende. Denn auf dieser Seite muss Geduld und Verständnis entgegengebracht werden, um wieder zueinander zu finden.

Für beide Partner sollte klar sein, dass Eifersucht nun erst mal ein Bestandteil der Beziehung sein wird und zuweilen alter Groll hochkommen kann. Spürt man das, ist eine ehrliche und respektvolle Kommunikation wichtig.

Denn auch wenn das Fremdgehen verziehen werden möchte, muss dieser innere Prozess erst mal durchlaufen werden. Schließlich ist Verzeihen nicht gleichbedeutend mit Vergessen.

Titelfoto: 123rf/howtogoto

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