Hamburg - Nach dem peinlichen Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale der WM ist die Kritik an der deutschen Nationalmannschaft groß. Auch Spieler- und Trainer-Legende Felix Magath (72) äußert sich im Gespräch mit TAG24 kritisch zum Abschneiden des DFB-Teams.
Am Rande eines Wirtschaftsgipfels in Hamburg, bei dem der 72-Jährige in einem äußerst unterhaltsamen Panel-Talk über Erfolg und Resilienz im Spitzensport sowie seine eigene Karriere sprach, nahm sich der Europameister und zweifache Vize-Weltmeister einige Minuten Zeit.
Im Interview bemängelte er das Auftreten der Spieler und Verantwortlichen. Rund ums DFB-Team habe es eine Art "Wohlfühloase" gegeben, die letztlich für das Scheitern verantwortlich gewesen sei. "Allgemein gilt: Wenn jemand Spitzenleistungen bringen will oder mehr leisten will als andere, dann braucht er irgendwo Druck, aber auch Sicherheit." Beides habe es aber nicht gegeben.
Dass die Niederlage und schwache Leistung gegen Ecuador mit dem Argument abgetan worden sei, dass der Gruppensieg ja schon festgestanden habe, sei der Mannschaft auf die Füße gefallen. Diese habe den Schalter gegen Paraguay nicht wieder umlegen können.
Auch an Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) übte Magath deutliche Kritik. Was die Nationalmannschaft unter ihm geleistet habe, sei "zu wenig", so der Ex-Profi. "Das sieht er [Nagelsmann, Anm. d. Red.] ja, denke ich, auch selbst so", ergänzte die Vereinsikone des HSV.
Felix Magath kritisiert Bundestrainer für Kommunikation im Fall Manuel Neuer
Vor allem an der Kommunikation des Coachs störte sich der mehrfache deutsche Meister und Europapokalsieger - gerade in der Causa Manuel Neuer (40). "So, wie es gelaufen ist, war es natürlich schwierig, nachdem nie vorher davon die Rede war, sondern immer gesagt wurde, Manuel Neuer hört auf und steht nicht zur Verfügung."
Kurz vor der WM das Thema aufzubringen, habe weitere Unruhe reingebracht. "Es wäre wahrscheinlich für alle Beteiligten besser gewesen, man hätte dieses Thema früher mit den Beteiligten besprochen und entsprechend kommuniziert", verdeutlichte der gebürtige Aschaffenburger.
Kapitän Joshua Kimmich (31) wiederum hätte auch er - mangels überzeugender Alternativen - als Rechtsverteidiger statt als Sechser aufgeboten. "Weil er auch jemand ist, der diese Position sehr gut ausfüllen kann", unterstrich Magath.
Während das DFB-Team die Heimreise antreten musste, glaubt der Ex-Profi indes an einen Titelgewinn von Europameister Spanien. Aufgrund der eingespielten Mannschaft sei er davon überzeugt, dass "La Furia Roja" am Ende ganz oben stehen werde.