Letzte Patrone Trainerwechsel: Wer kann Aue vor der Viertklassigkeit bewahren?

Aue - "Ich bin sehr enttäuscht. In erster Linie von mir selbst", sagte Cheftrainer Jens Härtel (56) am Sonnabend zu seinem Aus im Lößnitztal. Die 1:3-Pleite tags zuvor gegen den TSV Havelse brachte das Fass zum Überlaufen. Die erbosten Fans stellten die Mannschaft im Innenraum zur Rede. Sportchef Michael Tarnat (56) erbat sich nach Abpfiff Bedenkzeit, ehe er mit den Gremien entschied: Härtel raus. In der jetzigen Verfassung taumelt Erzgebirge Aue der Regionalliga entgegen.

Jens Härtel (56) und der FC Erzgebirge Aue gehen getrennte Wege. Der 56-Jährige wurde freigestellt.
Jens Härtel (56) und der FC Erzgebirge Aue gehen getrennte Wege. Der 56-Jährige wurde freigestellt.  © Picture Point/Gabor Krieg

Die Klubbosse hatten lange an Härtel festgehalten. Matthias Heidrich (48) drängte bereits im Herbst vehement auf dessen Entlassung. Zunächst erwischte es aber erst mal ihn selbst und seinen Intimus, Co-Trainer Jörg Emmerich (51).

Härtel erhielt in Lars Fuchs (43) einen neuen Assistenztrainer. Der Erfolg stellte sich nur temporär kurz vor Weihnachten ein, als in Duisburg Remis gespielt und zur Mettenschicht Schweinfurt abgefertigt wurde. Im neuen Jahr wieder die alte Leier: vorne glücklos und hinten indiskutabel - speziell gegen Ulm (0:3) und nun Havelse (1:3).

"Uns blieb angesichts der jüngsten Entwicklungen nichts anderes übrig, als den Negativtrend mit einem Wechsel in der Verantwortung möglichst umgehend zu stoppen. Bilanz und Tabellensituation sind alarmierend, ebenso wie die Fehlerquote auf dem Rasen", begründete Präsident Thomas Schlesinger Härtels Rauswurf. Er selbst hatte vor dem Rückrundenauftakt in Rostock (1:2) gegenüber TAG24 gesagt, die ersten drei Spiele seien Schlüsselspiele.

Ist Aue-Coach Härtel nach der 3. Pleite in Serie noch zu halten, Herr Tarnat?
FC Erzgebirge Aue Ist Aue-Coach Härtel nach der 3. Pleite in Serie noch zu halten, Herr Tarnat?

Da diese allesamt verloren gingen, war die Trennung unumgänglich. Das ließ sich auch aus Tarnats Äußerungen, die er nach der Ulm-Pleite ebenfalls gegenüber diesem Blatt tätigte, ableiten. So maß er der Havelse-Partie "entscheidende Bedeutung" bei.

Warme Worte von Sportchef Tarnat

Sportchef Michael Tarnat (56) hatte nach der Trennung dennoch warme Wort für Jens Härtel.
Sportchef Michael Tarnat (56) hatte nach der Trennung dennoch warme Wort für Jens Härtel.  © picture point/Sven Sonntag

Auch Tarnat hatte bis zuletzt mit Härtel weiterarbeiten wollen, sagte selbst nach der Trennung: "Ich kann aus meiner Beobachtung Jens Härtel großes Engagement, akribisches Arbeiten, immensen Fleiß und fachlich sehr gute Arbeit bei der Einstellung auf den jeweiligen Gegner attestieren – aber letztlich geht es im Fußball ausschließlich um Ergebnisse. Und um den Verein."

Ebenfalls seine Worte waren nach der Rostock-Partie: "Die Spiele gegen Union und Rostock, wo ich die Mannschaft live sah, und dazu die täglichen Trainingseindrücke vermitteln mir das Gefühl, dass die Qualität, um die Klasse zu halten, vorhanden ist."

Zur Vorstellung am 5. Januar hatte er bereits die Qualität in der Kabine unterstrichen, allerdings hinterfragt "wieso die PS nicht auf die Platte gekommen sind".

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FC Erzgebirge Aue Lange Sperre für Malone nach Brutalo-Foul: Holt Aue jetzt noch einen Innenverteidiger?

Die Antwort darauf liefert die nächste und - neben noch ein bis zwei beabsichtigten Neuzugängen - allerletzte Patrone: Härtels Nachfolger. Löst er die Handbremse und bringt besagte PS auf die Platte oder behandelt man mit dem nächsten Trainerwechsel nur zum x-ten Mal das Symptom, aber nicht die Ursache, die seit Jahren auch auf die Mannschaft abstrahlt?

Fakt ist: Co-Trainer Lars Fuchs und Adam Susac (36) werden vorerst interimsweise einspringen. Wie Sportvorstand Jens Haustein bestätigte, wird für die Härtel-Nachfolge eine externe Lösung gesucht. Tomislav Stipic (46) und Torsten Ziegner (48) schloss er als Kandidaten bereits aus.

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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