Streit um Grönland: Planen die USA eine gewaltfreie Übernahme?

Nuuk - Während mehrere EU-Regierungschefs Grönland den Rücken stärken, könnten die USA Pläne verfolgen, um die Insel in der Arktis gewaltfrei zu übernehmen.

US-Präsident Donald Trump (79) hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach sein Interesse an Grönland bekundet. (Archivbild)
US-Präsident Donald Trump (79) hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach sein Interesse an Grönland bekundet. (Archivbild)  © Emil Stach/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

Dass US-Präsident Donald Trump (79) Grönland ohne die Abgabe eines einzigen Schusses erobern könnte, zeigt ein Bericht des Magazins "The Economist" auf.

Demnach könnte Trump ein sogenanntes "Assoziierungsabkommen" (COFA) mit Grönland anstreben - über die Köpfe der dänischen Regierung hinweg. Ein solches Abkommen haben die USA bereits mit den pazifischen Inselnationen Mikronesien, Marshallinseln und Palau.

Die kleinen Länder haben im Zuge dieses Abkommens die Verteidigung ihres Gebiets in die Hände der USA gelegt und im Gegenzug finanzielle Unterstützung sowie US-Bürgerrechte für die Einwohner erhalten.

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Ein Abkommen über die militärische Nutzung Grönlands durch US-Streitkräfte gibt es bereits. Aber: Diese Verteidigungs-Vereinbarung von 1951, die den USA unter anderem den Bau und Ausbau neuer Militärbasen erlaubt, wurde zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark getroffen.

Mit einem neuen Abkommen, das direkt mit der grönländischen Führung ausgehandelt wurde, könnte Trump die Insel in der Arktis möglicherweise gewaltfrei vom Einfluss Dänemarks loslösen.

Merz stärkt Grönland den Rücken: "Grönland gehört seinen Bewohnern"

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat gemeinsam mit weiteren europäischen Regierungschefs eine Erklärung zum Grönland-Konflikt mit den USA abgegeben.
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat gemeinsam mit weiteren europäischen Regierungschefs eine Erklärung zum Grönland-Konflikt mit den USA abgegeben.  © Yoan Valat/Pool EPA/AP/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) sowie die Regierungschefs von Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark stellten sich in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag geschlossen gegen solche Übernahme-Fantasien.

"Grönland gehört seinen Bewohnern. Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten, die Dänemark und Grönland betreffen, zu entscheiden", lautete die unmissverständliche Botschaft.

Sie unterstrichen, dass die Sicherheit in der Arktis von allen Bündnispartnern, inklusive den USA, unter Berücksichtigung von territorialer Integrität, Souveränität und Unverletzlichkeit der Grenzen gewahrt werden müsse: "Dies sind universelle Grundsätze, und wir werden nicht aufhören, sie zu verteidigen."

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Grönlands Premierminister Jan-Frederik Nielsen (34) bedankte sich für die Rückendeckung aus den großen EU-Staaten und rief die USA am Dienstag dringlichst zu einem "respektvollen Dialog über geeigneten diplomatischen Kanäle" auf. Die hauptsächlich über die sozialen Netzwerke verbreiteten Androhungen bezeichnete der Premierminister bereits am Montag als "respektlos".

Seitens der US-Regierung war von einem gemäßigten Tonfall jedoch auch zuletzt nichts zu hören.

Trump-Berater Stephen Miller: "Niemand wird wegen Grönland gegen die USA kämpfen"

US-Heimatschutzberater Stephen Miller (40) denkt nicht, dass sich eine andere Nation bei einer Übernahme Grönlands den USA militärisch in den Weg stellen würde. (Archivbild)
US-Heimatschutzberater Stephen Miller (40) denkt nicht, dass sich eine andere Nation bei einer Übernahme Grönlands den USA militärisch in den Weg stellen würde. (Archivbild)  © Alex Brandon/AP/dpa

Stattdessen stellte sich Stephen Miller (40), Heimatschutzberater im Weißen Haus, vor die Kamera und unterstrich in einem Interview mit dem Sender CNN am Montagabend den angeblichen US-Anspruch auf Grönland: "Um die Arktis zu sichern und die NATO und ihre Interessen zu schützen und zu verteidigen, sollte Grönland offensichtlich Teil der Vereinigten Staaten sein."

Miller erklärte zudem, dass schließlich "niemand" wegen Grönland gegen die USA kämpfen würde.

Dieses Beharren auf eine Übernahme Grönlands sorgte zuletzt auch innerhalb der US-Politik für Unmut. In einer gemeinsamen Erklärung warnten der demokratische Abgeordnete Steny Hoyer (86) und sein republikanischer Kollege Blake Moore (45) als Teil einer dänisch-grönländischen Arbeitsgruppe im Repräsentantenhaus vor einem "Bürgerkrieg" innerhalb der NATO.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (48) hatte einen US-Angriff auf Grönland zuvor sogar mit dem Ende der NATO gleichgesetzt.

Titelfoto: Emil Stach/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

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