Heute vor 83 Jahren: Sinti und Roma erreichten erstmals das KZ Auschwitz

Heute vor 83 Jahren, am 26. Februar 1943, fand die erste Deportation von Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau statt. Sie erfolgte auf Grundlage eines Deportationsbefehls vom Dezember 1942. In Auschwitz wurde dafür ein eigener Lagerabschnitt - das sogenannte Zigeunerlager - eingerichtet.

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Ruine des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz sowie junge Sinti und Roma (symbolisch).  © Fotomontage: 123rf/atosan, Wikimedia Commons/Bundesarchiv/Bild 183-2004-0203-502/CC-BY-SA 3.0/CC BY-SA 3.0 DE

Im Dezember 1942 ordnete SS-Führer Heinrich Himmler an, dass alle Sinti und Roma im Deutschen Reich sowie in den besetzten Gebieten nach Auschwitz deportiert werden sollten. Das Reichssicherheitshauptamt ergänzte diesen Erlass im Januar 1943 mit Durchführungsbestimmungen, die Auschwitz-Birkenau als Ziel festlegten.

Die Anordnungen sahen zwar vor, als "sozial angepasst" eingestufte Betroffene von den Deportationen auszunehmen, aber die Kriterien für diese Einstufung waren weder eindeutig definiert noch wurden sie einheitlich angewendet.

Der erste Transport von Sinti und Roma erreichte Auschwitz-Birkenau am 26. Februar 1943. Sie wurden im Lagerbereich B II e untergebracht, der von der SS (Schutzstaffel) als "Zigeunerfamilienlager" (engl. "Gypsy family camp") bezeichnet wurde. In diesem Abschnitt konnten Familien zunächst zusammenbleiben, was im übrigen Lageralltag nicht üblich war.

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Häftlinge des Zigeunerlagers erhielten eine eigene Nummer mit dem Anfangsbuchstaben Z - auf den linken Unterarm tätowiert - und trugen den Schwarzen Winkel als Lagerkennzeichen, was sie im System der SS als "Asoziale" auswies.

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Lebensbedingungen und Opferzahlen

Kartenausschnitt des KZ Auschwitz-Birkenau - Block B II e hervorgehoben.  © Wikimedia Commons/Public Domain/60. Kader. SAAF, Einsatz Nr. 60/PR288

Die Lebensbedingungen im Lagerabschnitt B II e waren extrem schwer: Überbelegung, mangelhafte Versorgung, schlechte Hygiene und schwere Arbeit prägten den Alltag. Ein Großteil der Gefangenen erkrankte oder starb im Lager infolge von Hunger, Infektionen und Misshandlungen.

Über den Zeitraum von Februar 1943 bis Juli 1944 kamen etwa 23.000 Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau. Dazu gehörten Männer, Frauen und Kinder aus Deutschland, Österreich, Böhmen und Mähren, Polen, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Ungarn, Russland, Litauen sowie Norwegen und Spanien.

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Am 2. August 1944 wurde der Lagerbereich B II e geräumt: Tausende der noch verbliebenen Sinti und Roma wurden von SS-Männern in Gaskammern gebracht und ermordet.

Insgesamt sollen mehr als 20.000 der im Zigeunerlager Auschwitz-Birkenau registrierten Sinti und Roma dort ihr Leben verloren haben.

Wer sind Sinti und Roma?

Über die ursprüngliche Herkunft von Sinti und Roma ist wenig bekannt, da keine schriftlichen Überlieferungen dafür existieren. Jedoch ähnelt die Sprache Romanes dem altindischen Sanskrit, was auf eine Herkunft aus Teilen des heutigen Indiens hindeutet.

Sie sind in allen sozialen Schichten zu finden, arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen und gehören verschiedenen Religionen an.

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Die Deportation von Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau steht für einen systematischen Teil der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik gegenüber diesen Minderheiten.

Die Ereignisse sind dokumentierte historische Fakten, die in den Archiven des Auschwitz-Birkenau State Museum, Gedenkstätten und Holocaust-Forschungsprojekten festgehalten sind.

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