Eine Beziehung ohne Erotik, geht das? Ja, mit diesen Tipps

Eine glückliche Beziehung wird häufig über die Quantität (und natürlich Qualität) des Koitus definiert. Aber was sagt es dann aus, wenn Paare gar nicht mehr miteinander schlafen? Ist die Partnerschaft dann automatisch zum Scheitern verurteilt? Nicht unbedingt, denn auch eine Beziehung ohne Körperlichkeiten kann unter bestimmten Voraussetzungen erfüllend sein.

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Viele Paare schlafen nicht mehr miteinander.
Viele Paare schlafen nicht mehr miteinander.  © 123RF/flisakd

In der ersten Zeit als Paar kann und will man die Finger nicht voneinander lassen: morgens, mittags, abends Sinnlichkeit. Mit der Zeit ebbt die sexuelle Anziehungskraft etwas ab und pendelt sich auf einem "Normalniveau" ein. Aber was ist überhaupt normal und erfüllend?

Manche Paare schlafen fast täglich miteinander, andere gelegentlich, wieder andere selten und einige sogar gar nicht. Wenn Paare das erzählen, reichen die Reaktionen von Verblüffung bis hin zu Mitleid. Die Beziehung scheint komplett am Ende zu sein. Ist das tatsächlich so, oder machen diese Paare eigentlich gar nichts falsch? Die Frage nach dem Richtig oder Falsch stellt sich grundsätzlich nicht, denn wichtig ist, wie wohl sich das Paar in ihrer Beziehung fühlt.

Denn im Kern ist eine asexuelle Beziehung oft durch fehlendes Vertrauen, tiefe Enttäuschungen, fehlende emotionale Nähe und ungeklärte Konflikte begründet.

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In diesem Artikel erfahrt Ihr, wie eine Beziehung ohne Erotik funktionieren kann, welch große Rolle Liebe hierbei spielt und was Untreue für einen Stellenwert hat.

Wann spricht man überhaupt von einer Beziehung ohne Sexualität?

In manchen Beziehungen spielt Leidenschaft überhaupt keine Rolle.
In manchen Beziehungen spielt Leidenschaft überhaupt keine Rolle.  © 123RF/designtools

Sexualität definiert häufig die Qualität der Beziehung. Ohne Geschlechtsverkehr ist die Partnerschaft in absehbarer Zeit vorbei: so lauten viele Annahmen. Schließlich ist körperliche Nähe für die Bindung zweier Menschen, die eine Liebesbeziehung führen, sehr wichtig. Das ist vom Grundsatz her richtig, aber mangelnder Beischlaf ist nicht gleichbedeutend mit mangelnder Liebe - dazu später mehr.

Paare, die regelmäßig einmal wöchentlich miteinander schlafen, sprechen häufig von einem zufriedenstellenden Liebesleben. Während hingegen Paare, die sich dreimal pro Woche in den Laken wälzen, dasselbe sagen. Die Quantität des Aktes in einer Beziehung ist also ein dehnbarer Begriff.

Sobald sich ein Paar allerdings weniger als zehnmal im Jahr in den Laken wälzt, spricht man von einer Beziehung ohne Sexualität. Hierfür gibt es also tatsächlich eine Definition. Ergo: Weniger als durchschnittlich einmal pro Monat ist quasi nichts.

Ungeachtet der Definition einer sexlosen Beziehung sind die Gründe für den fehlende Erotik interessant und wichtig für den Verlauf der Partnerschaft.

Mögliche Gründe für eine Beziehung ohne Erotik

Einige Paare sind mit ihrer Beziehung ohne Körperlichkeiten zufrieden.
Einige Paare sind mit ihrer Beziehung ohne Körperlichkeiten zufrieden.  © 123RF/vadimgozhda

"Wir schlafen seit Jahren nicht mehr miteinander" ist ein Satz, der beim Paar oft schambesetzt ist und Hobbypsychologen das nahende Ende der Partnerschaft prognostizieren lässt.

Aber manche Paare sind mit ihrer Beziehung ohne Sinnlichkeit sogar zufrieden, was die möglichen Gründe einer solchen Partnerschaft erläutern:

1. Das körperliche Verlangen ebbte ab

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Katzengesundheit Brauchen Katzen Nassfutter oder ist Trockenfutter ausreichend?

Kuscheln, knutschen, fummeln und mehr: Für viele Paare ist diese Art der Zweisamkeit ein absolutes Must-have für ihre Beziehung. Aber manchen Menschen sind diese Intimitäten nicht so wichtig und sie lenken den Fokus ihrer Partnerschaft auf andere Dinge, wie gemeinsame Interessen, eigene Hobbys und ihre spirituelle Verbindung zueinander.

2. Scham als Erotikkiller

Am Anfang einer Beziehung ist noch alles neu und aufregend. Mit der Zeit baut man großes Vertrauen auf und lernt viele Facetten seines Partners oder seiner Partnerin kennen. Darunter auch erotische Vorlieben des oder der Liebsten, die man womöglich nicht teilt oder sogar Angst machen können.

Häufig ist auch Pornografie verantwortlich dafür, dass Scham mit im Bett liegt. Denn welcher Mann ist schon derart gut bestückt und welche Frau ist dermaßen unersättlich und tabulos, wie es in den heißen Streifen suggeriert wird?

Übrigens: Viele Menschen fühlen sich nicht ausreichend wohl in ihrem Körper, um sich richtig fallen zu lassen. Das können Gewichts- oder Hautprobleme sein oder auch ein "zu kleines" Gemächt oder ein "unförmiger" Busen. Subjektiv empfundene Unzulänglichkeiten transportieren sich auf den Partner und auf die gemeinsame Leidenschaft. Weil sich Scham unangenehm anfühlt, wird die Situation künftig vermieden und man schläft nicht mehr miteinander.

3. Gewohnheit löscht feurige Leidenschaft

Am Anfang einer Beziehung steht die Erotik im Vordergrund. Sobald die Partnerschaft hingegen voranschreitet, werden weitere Meilensteine erreicht: Ehe, Haus, Kinder und andere Dinge, die einander verbinden und den Fokus der Beziehung verschieben. Sinnliches Treiben rückt folglich in den Hintergrund oder spielt sogar überhaupt keine Rolle mehr. Manchmal ist diese Flaute nur eine Phase, zuweilen etabliert sich die Asexualität jedoch in der Beziehung.

Eine Beziehung ohne Erotik muss nicht an Liebe mangeln

Paare, die nicht miteinander schlafen, können dennoch sehr glücklich miteinander sein.
Paare, die nicht miteinander schlafen, können dennoch sehr glücklich miteinander sein.  © 123Rf/oneinchpunch

Die Gründe für eine asexuelle Beziehung sind vielfältig und tiefgründig. Und auch wenn die Erotik fehlt, so gibt es einen Kitt, der die Partnerschaft zusammenhält. Ob es das gemeinsame Familienglück, eine tiefe Seelenverwandtschaft oder etliche gemeinsame Interessen sind: Viel Paare erleben ihre Beziehung ohne Leidenschaft ohne seelischen Schaden.

Die Sexualität mag mit den Jahren eingeschlafen sein, aber die Liebe füreinander ist nach wie vor da und manchmal sogar stärker als zuvor. Leidenschaft und Liebe sind zweierlei und können durchaus getrennt voneinander funktionieren. Sofern beide Partner glücklich mit einer derartigen Beziehung sind, kann man von einer platonischen Liebe sprechen.

Denn man muss nicht lieben, um miteinander zu schlafen, aber man muss auch nicht miteinander schlafen, um zu lieben.

Mehr Infos rund um eine platonische Liebe, erhaltet Ihr in folgendem Artikel:

Platonische Liebe: Kann eine Beziehung ohne Sex funktionieren?

Beziehung ohne Erotik: Erst durch "das Problem" wird es zum Problem

Einige Partner haben irgendwann doch Sehnsucht nach Sexualität.
Einige Partner haben irgendwann doch Sehnsucht nach Sexualität.  © 123rf/Milkos

Man hört so oft, dass Sexualität elementar für eine funktionierende Beziehung ist. Man sieht in Filmen und Serien so häufig, dass nur Paare mit einem regen Liebesleben glücklich sind und automatisch Probleme haben, sobald die Leidenschaft in der Partnerschaft fehlt. Sind das alles Märchen, welche die Realität verzerren, oder steckt die Wahrheit dahinter?

Jein. Denn wie bereits erwähnt, kann eine Beziehung ohne Erotik auf anderen Ebenen trotzdem erfüllend sein. Wichtig hierbei ist, dass beide Partner die sexlose Beziehung wollen und genießen. Ist das jedoch nicht der Fall und einer der beiden sehnt sich irgendwann nach Zärtlichkeiten, wie schmusen, kuscheln, küssen oder auch mehr, können Probleme auf das Paar zukommen.

Achtung! Niemals sollten gesellschaftliche Normen oder auch die Medien (Film, TV, Social Media etc.) den Maßstab für eine intakte Beziehung sein. Hört man ständig "Eine Beziehung ohne Leidenschaft ist nichts wert!", glaubt man es irgendwann und lässt ein Problem entstehen, das eigentlich gar keines sein muss. Vorausgesetzt beide Partner lieben ihre Beziehung wie sie ist, gibt es kein Problem. Liebt und lebt so, wie es Euch glücklich macht!

5 Tipps, um die Sinnlichkeit wieder zurück in die Beziehung zu holen

Manchmal gelingt es, altes Feuer zu entfachen.
Manchmal gelingt es, altes Feuer zu entfachen.  © 123RF/peopleimages12

Sofern die asexuelle Beziehung zu Problemen und Unzufriedenheit führt, sollte man handeln. Denn sonst kann die fehlende Sinnlichkeit tatsächlich der Grund für das Liebesaus sein.

Mit den folgenden fünf Tipps kann die Liebe zueinander wieder von der Lust aufeinander ergänzt werden:

1. Tipp: Zeit für Zärtlichkeiten verabreden

Wenn man schon lange nicht mehr miteinander geschlafen hat, kann es sich zunächst seltsam und fremd anfühlen, sobald man sich wieder näher kommt. Zu lange ist es her, dass man sich leidenschaftlich küsste, animalisch berührte und zügellos hingab.

Um also nicht nervös zu werden, wie paralysiert nebeneinander zu liegen oder sich wie zwei unbeholfene Teenager zu fühlen, kann eine "Kuschel-Verabredung" vereinbart werden. Das mag zunächst albern klingen, aber diese Verbindlichkeit kann verhindern, dass man einen Rückzieher macht. Denn aller Anfang ist schwer - und prickelnde Erotik nach Jahren wiederzubeleben ist ein Anfang.

Sobald man also nebeneinander liegt, sollte man erstmal wirklich nur kuscheln und sich vielleicht gegenseitig streicheln. Die Arme, der Kopf und das Gesicht sind vorerst ausreichend. So nähert man sich langsam an und mit der Zeit entsteht hoffentlich die Lust auf mehr.

2. Tipp: Neues ausprobieren

Ist die Erotik eingeschlafen, weil sie etwas monoton wurde und an Würze verlor, können neue Dinge helfen, altes Feuer zu entfachen. Sexy Dessous können eine neue Seite entblättern, Lovetoys die Erregung steigern, Dirty Talk Lust auf mehr machen und Erotikfilme für Paare als Starthilfe und Inspiration genutzt werden.

Ist einem all das noch etwas zu viel, kann man sich mit einem reizvollen Sexting herantasten und schauen, inwieweit dieses Manöver auf Gegenliebe stößt.

Fakt ist aber: Neues kann die Lust aufeinander anheizen und so für wiedererweckte Leidenschaft sorgen.

3. Tipp: über eine offene Beziehung nachdenken

Ist die Lust aufeinander gänzlich verschwunden, der Hunger auf Sinnlichkeit aber noch vorhanden, kann eine offene Beziehung die Lösung sein.

Hierbei ist es wichtig, sich selbst und auch den Partner oder die Partnerin zu fragen, ob das wirklich im Rahmen des Aushaltbaren ist. Schließlich ist die Liebe zueinander noch groß und zu wissen, dass der Schatz gerade Spaß mit jemand anderen hat, kann sehr schmerzhaft sein.

Wenn man sich dieser Idee allerdings öffnet, kann es das (Liebes-)Leben sehr bereichern. Tipps, wie eine offene Beziehung funktionieren kann, können dem Paar helfen, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

4. Tipp: Untreue aus Treue zu sich selbst in Erwägung ziehen

Seitensprünge und Affären werden größtenteils extrem verteufelt. Warum? Weil man so etwas einem Menschen nicht antut. Punkt. Aber was tut man sich selbst an, wenn man sich in einer leidenschaftslosen Beziehung gefangen hält? Ist das gesund? Ist das richtig? Eher weniger.

Natürlich soll man nicht mit dem oder der Erstbesten in die Kiste hüpfen und seinen Partner oder seine Partnerin betrügen. Kommunikation ist der erste Schritt zur Veränderung. Scheitern all diese Versuche, das karge oder eingeschlafene Liebesleben zu besprechen, kann man sich selbst bemitleiden, sich ausschließlich selbst befriedigen, die Beziehung öffnen, sich trennen oder die Konsequenzen mittels einer partnerschaftlichen Untreue ziehen.

Wichtig! Untreue ist nicht richtig, aber auch nicht immer falsch. Entscheidend ist, wie man selbst damit umgehen kann. Plagen einen Gewissensbisse oder war dieser Seitensprung womöglich wichtig für die eigene Ideologie...?

5. Tipp: Paarberatung nutzen

Helfen alle Ansätze nicht, kann eine außenstehende professionelle Person vielleicht Licht ins Dunkel bringen und neue Denkanstöße geben.

Es zeigt Stärke, sich selbst einzugestehen, dass man aus eigener Kraft nicht weiter kommt und sich helfen lassen möchte, um sowohl die Liebe als auch die Lust nicht ad acta legen zu müssen.

Eine Beziehung ohne Sinnlichkeit muss kein Leben ohne Erotik sein

Manche Menschen suchen sich den fehlenden Sex außerhalb der Beziehung.
Manche Menschen suchen sich den fehlenden Sex außerhalb der Beziehung.  © 123rf/andreypopov

"Mein Mann oder meine Frau hat kein körperliches Interesse mehr an mir" ist zwar ein Satz, der Spuren auf der Seele hinterlassen kann, aber nicht muss. Denn eine Beziehung ohne Erotik ist nicht gleichbedeutend mit einem Leben ohne Sexualität.

Auch Selbstbefriedigung kann sehr erfüllend sein. Zumal viele Menschen sich selbst deutlich schneller und intensiver zum Höhepunkt bringen können, als sie es beim Koitus mit dem Partner oder der Partnerin erleben.

Ist das nicht genug, kann eine offene Beziehung für den ein- oder beidseitigen lustvollen Ausgleich sorgen. Hierbei ist allerdings wichtig, dass beide Partner dieser Umsetzung vollkommen zustimmen und es zur transparenten Ansprache kommt, sobald sich gewisse Gedanken und Gefühle dazu ändern.

Ist Selbstbefriedigung nicht genug und eine Öffnung der Partnerschaft keine Option, kommen automatisch Gedanken an Untreue. Dafür sollte man sich nicht verteufeln, denn schließlich fehlt einem etwas Elementares, um glücklich und zufrieden in und mit seiner Partnerschaft zu sein. Entscheidet man sich für einen Seitensprung oder gar eine Affäre, muss eine weitere Entscheidung getroffen werden: Behält man es für sich, oder beichtet man?

Das Beichten der eigenen Untreue sollte immer aus dem Bauch heraus entschieden werden, denn fühlt sich diese Untreue richtig an, ist sie es vermutlich auch. Das mag sehr unkonventionell klingen - vermutlich ist es das auch -, aber gewisse Entscheidungen im Leben trifft man für sich selbst und seine eigene Entwicklung.

Fazit: Kann eine Beziehung ohne Erotik funktionieren? Ja, aber nicht für jeden

Paare in einer sexlosen Beziehung fokussieren sich auf andere Gemeinsamkeiten.
Paare in einer sexlosen Beziehung fokussieren sich auf andere Gemeinsamkeiten.  © 123RF/rido

Eine Beziehung ohne Sinnlichkeit hat durchaus eine Zukunft. Vorausgesetzt beide Partner sind mit diesem Modell zufrieden. Sie erleben ihre Partnerschaft auf anderen Ebenen und konzentrieren sich auf andere Weise aufeinander. Gemeinsame Unternehmungen, lange Gespräche, eine tiefe Verbundenheit, das Verstehen ohne Worte und die große Liebe zueinander machen viele Paare sehr glücklich.

Die körperliche Komponente ist für manche Menschen derart unwichtig, dass ihnen tatsächlich gar nichts fehlt - ganz im Gegenteil. Denn partnerschaftliche Sexualität ist oft mit vielen Konflikten behaftet. Weil diese in Beziehungen dieser Art keine Rolle spielen, können asexuelle Partnerschaften durchaus harmonischer sein.

Macht sich hingegen Lust auf (gemeinsame) Leidenschaft bemerkbar, sollte sie thematisiert werden. Andernfalls wird aus dieser (einseitigen) Lust schnell unbändiger Frust. Der Hunger auf Intimität und körperliche Zuneigung ist keine Schande, auch wenn es jahrelang ohne funktioniert hat. Menschen verändern sich, ebenso das körperliche Verlangen und die Möglichkeiten, dieses zu stillen.

Titelfoto: 123RF/flisakd

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