Sachsen-Anhalt-Wahl - Empörung um Aussage von Siegmund: "Rüstungsgüter" helfen beim Abschieben

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Magdeburg - Wenige Tage nach der Landtagswahl stehen die Parteien in Sachsen-Anhalt vor der nächsten Hürde: Die Regierungsbildung wird knifflig.

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.
Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.  © Michael Kappeler/dpa

Nach der Wahl war die vom Verfassungsschutz gesichert rechtsextreme AfD stärkste Kraft, verpasste aber die absolute Mehrheit. Deswegen müssen die Blauen nun nach Koalitionspartnern suchen.

Das derzeitig regierende Bündnis aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr zustande, da die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Die Zahlen zur Landtagswahl findet Ihr in einem separaten Artikel.

VW kollidiert mit Baum: Fahrer (†40) stirbt nach Unfall
Sachsen-Anhalt Unfall VW kollidiert mit Baum: Fahrer (†40) stirbt nach Unfall

Alle Entwicklungen rund um die Wahl in Sachsen-Anhalt lest Ihr hier im TAG24-Liveticker.

11. September, 10.54 Uhr: Empörung über Aussage von Ulrich Siegmund zu Rüstungsgütern

Nach einer Aussage von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) zur Produktion von Rüstungsgütern ist die Empörung groß.

Auf eine Frage um die geplante Ansiedlung eines israelischen Rüstungskonzerns antwortete der 35-Jährige: "Wir verteufeln nicht pauschal die Produktion von Rüstungsgütern, weil wir bei (der) späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen." Man wolle aber auch prüfen "was da produziert wird". "Laufen wir dadurch Gefahr, uns an fremden Konflikten zu beteiligen? Dann sehen wir das mehr als kritisch", so Siegmund.

Die Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Katja Pähle (49), findet klare Worte zu dieser Aussage: "Wer bei der angekündigten Massenausweisung von Menschen aus Sachsen-Anhalt ausgerechnet Rüstungsgüter ins Spiel bringt, spricht über Gewalt als Mittel der Politik." Dies sei keine missverständliche Formulierung, sondern eine politische Drohung, so Pähle.

Auch das BSW, das derzeit noch Gespräche um eine mögliche Zusammenarbeit mit den Blauen führt, kritisiert Siegmund scharf. Die AfD unterstütze Hochrüstung und "rechtfertigt die Ansiedlung des israelischen Rüstungskonzerns Elbit mit dem Einsatz von Rüstungstechnik für 'Remigration'", schrieb der Co-Bundesvorsitzende Fabio De Masi (46), "Das zeigt, die wollen gar nicht regieren und suchen verzweifelt einen Ausweg durch Provokation."

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35, m.) sorgte mit einer Aussage über die Produktion von Rüstungsgütern für Empörung.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35, m.) sorgte mit einer Aussage über die Produktion von Rüstungsgütern für Empörung.  © Peter Gercke/dpa

11. September, 8.56 Uhr: Ex-Ministerpräsident Haseloff macht Bundesregierung für AfD-Sieg mitverantwortlich

Der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (72, CDU) schoss in einem Interview mit der "Zeit" scharf gegen die Bundesregierung und machte sie mitverantwortlich für die desaströsen Wahlergebnisse seiner Partei.

"Im Grunde ist da ein Suizid politischer Art am Laufen", so der 72-Jährige, "Die Art, wie wir Politik machen, muss eine andere werden, der Kontakt zu ganzen Bevölkerungsgruppen wurde verloren!"

Man müsse jetzt zur Kenntnis nehmen, dass sich Deutschland in vielen Aspekten zum Nachteil verändert habe. "Der eigentliche Staat ist das Volk [...] und der sagt: Das lassen wir Euch nicht durchgehen."

Ex-Ministerpräsident Reiner Haseloff (72, CDU) sieht auch die Bundesregierung verantwortlich für den Ausgang der Wahlen.
Ex-Ministerpräsident Reiner Haseloff (72, CDU) sieht auch die Bundesregierung verantwortlich für den Ausgang der Wahlen.  © Kay Nietfeld/dpa

10. September, 9.54 Uhr: Jusos fordern Korrektur von "verrückten Fehlern" nach Wahlsieg der AfD

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sollte sich die Bundesregierung nach Ansicht von Juso-Chef Philipp Türmer einen Neustart verordnen, Fehlentscheidungen korrigieren und "Grausamkeiten" in den geplanten Sozialreformen wieder streichen.

"Wir haben völlig verrückte Fehler gemacht, indem wir beispielsweise den Tankrabatt kurz vor den Wahlen abgeschafft haben", sagte er im ARD-"Morgenmagazin".

Auch fänden es viele Bürger ungerecht, dass die Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren wegfallen soll. Hier müsse die Union, einschließlich Kanzler Friedrich Merz (CDU), "ein bisschen den Taschenrechner ausschalten und euer Herz wieder anstellen". Es müsse angesichts des AfD-Erfolgs jetzt darum gehen, um jeden und jede Einzelne zu kämpfen, deren Vertrauen man noch zurückgewinnen könne.

10. September, 6.47 Uhr: BSW geht in Sachsen-Anhalt in Gespräche mit AfD

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will das BSW Gespräche mit der AfD über eine mögliche Zusammenarbeit führen.

"Der Landesvorstand des BSW Sachsen-Anhalt hat einstimmig beschlossen, seiner Linie treu zu bleiben und mit allen Parteien im neuen Landtag das Gespräch zu suchen", sagte ein Sprecher der Partei der Deutschen Presse-Agentur. "Beim Treffen mit der AfD werden wir uns über die Themen Energieversorgung, Bildung und Friedenspolitik austauschen."

Zuvor hatten Vertreter von CDU, SPD, Grünen und Linken das Gesprächsangebot der AfD ausgeschlagen. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze kritisierte diese Entscheidungen. "Dass andere Parteien bereits das Gespräch an sich ablehnen, halten wir für einen schlechten politischen Umgang und für kein gutes Zeichen für die demokratische Kultur in unserem Land."

10. September, 6.27 Uhr: Kirche bleibt trotz Wahlsieg auf Anti-AfD-Kurs

Auch angesichts des jüngsten Erfolgs der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bleibt die katholische Kirche bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Partei.

"Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die AfD möchte ein anderes Deutschland im Blick auf unsere Grundwerte und auf unsere Demokratie. Das ist mit uns nicht nur nicht zu machen, sondern da positionieren wir uns klar dagegen und stellen dem Menschenwürde, Nächstenliebe und Demokratie entgegen."

Wilmer hält es zudm sogar für denkbar, dass die AfD im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt konkrete Maßnahmen gegen die Kirchen ergreift. "Ich bin da nicht naiv", sagte er.

Die AfD will unter anderem den Kirchensteuereinzug beenden und auch das Kirchenasyl nicht mehr dulden. Darunter versteht man, dass ein Mensch, der zum Beispiel von Abschiebung bedroht ist, vorübergehend Schutz in einer Kirche erhält.

9. September, 16.31 Uhr: Zahlreiche Übergriffe auf Journalisten

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) meldete seit Mai 46 dokumentierte Fälle von Übergriffen auf Journalisten während des Wahlkampfs in Sachsen-Anhalt.

Das sind körperliche Übergriffe, Einschüchterungen und massiven Behinderungen der unabhängigen Berichterstattung.

Zum Vergleich: In 2025 gab es im gesamten Jahr nur fünf Übergriffe.

9. September, 15.14 Uhr: Auch CDU und Linke sagen AfD ab

Auch die Linke und die CDU haben Sondierungsgespräche mit der AfD abgesagt. Damit gehen den Blauen langsam die Kooperationspartner aus.

Die Landesvorsitzenden der Linken, Janina Böttger (44) und Hendrik Lange (49), erklärten in ihrer Antwort an die AfD: "Mit einer Partei, die Menschen nach Herkunft, vermeintlicher Zugehörigkeit und Überzeugung aussortiert, hat die Linke keine Gesprächsbasis."

Auch CDU-Chef Sven Schulze (47) lehnte bislang eine Zusammenarbeit ab. "Wir sind in der Opposition", so der noch amtierende Ministerpräsident. Eine CDU-Sprecherin bestätigte zusätzlich am Freitag den Eingang des AfD-Schreibens. "Wir werden dieses Gesprächsangebot nicht annehmen", sagte sie. "Unsere Haltung ist klar: Eine Zusammenarbeit mit der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD Sachsen-Anhalt lehnen wir ab."

Jetzt kann die AfD nur noch auf Unterstützung vom BSW hoffen. Das Bündnis wolle sich noch beraten.

Der AfD gehen langsam die Gesprächspartner aus.
Der AfD gehen langsam die Gesprächspartner aus.  © Kay Nietfeld/dpa

9. September, 12.44 Uhr: AfD erhält Absage von Grünen und SPD

Die Grünen haben Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung mit der AfD abgesagt.

"Es ist absurd anzunehmen, dass wir mit der rechtsextremen AfD Gespräche über die Zukunft unseres Landes führen werden", sagte Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48) der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die SPD habe per Mail eine Einladung zu den Gesprächen erhalten. "Wir nehmen das Gesprächsangebot nicht an", teilte ein Sprecher mit.

Die AfD ist in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft, verpasste aber eine absolute Mehrheit und braucht, um den Ministerpräsidenten stellen zu können, die Unterstützung anderer Abgeordneter. Die Blauen kündigten an, alle Parteien zu Gesprächen einladen zu wollen.

Die Grünen um Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48) lehnten Gespräche mit der AfD ab.
Die Grünen um Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48) lehnten Gespräche mit der AfD ab.  © Christoph Soeder/dpa

9. September, 10.58 Uhr: US-Präsident Trump gratuliert AfD

US-Präsident Donald Trump (80) gratulierte der AfD nach ihrem Haushoch-Wahlsieg. "Sie befinden sich im Aufwind", schrieb er auf seiner Plattform "Truth Social".

Was der Präsident sonst sagte, lest Ihr im TAG24-Artikel: "Make Germany great again": US-Präsident Trump gratuliert AfD zum Wahlsieg"

9. September, 9.55 Uhr: Stimmzettel müssen erneut ausgezählt werden

Technischer Patzer im Burgenlandkreis: In 28 Wahlbezirken müssen am Dienstag und Mittwoch die Stimmen erneut gezählt werden, da scheinbar Ergebnistabellen falsch ausgefüllt wurden.

Alle Hintergründe lest Ihr im TAG24-Artikel: "Landtagswahl: 28 Wahlbezirke müssen nochmal ausgezählt werden"

Titelfoto: Peter Gercke/dpa

Mehr zum Thema Landtagswahl Sachsen-Anhalt :