Sachsen-Anhalt-Wahl: Proteste vor Wahl des Landtagspräsidenten

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Magdeburg - Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht am Dienstag die erste Sitzung des neuen Parlaments und damit auch die Wahl des Landtagspräsidenten an.

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.
Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.  © Michael Kappeler/dpa

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD stärkste Kraft, verpasste aber die absolute Mehrheit.

Der Kandidat der Rechtsaußen-Partei für den Landtagspräsidenten, Tobias Rausch (35) muss also von anderen Parteien mitgewählt werden. Das BSW erklärte sich hierfür bereit, stellte aber auch klar, den Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten, Hans-Thomas Tillschneider (48), nicht mitwählen zu wollen.

Eine genaue Regierungsbildung ist immer noch nicht klar. Das derzeitig regierende Bündnis aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr zustande, da die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

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Die Zahlen zur Landtagswahl findet Ihr in einem separaten Artikel.

Alle Entwicklungen rund um die Wahl in Sachsen-Anhalt lest Ihr hier im TAG24-Liveticker.

6. Oktober, 12.06 Uhr: Ulrich Siegmund mit "Linke Tränen"-Tasse im Plenarsaal

AfD-Co-Fraktionschef Ulrich Siegmund (35) tauchte zur ersten konstituierenden Sitzung des Landtags mit einer Tasse auf, auf der "Linke Tränen" geschrieben steht.

Der Spruch "Linke Tränen" ist verbreitet in konservativen und rechten Kreisen. Damit wird die angebliche Wehleidigkeit des politischen Gegners aus dem linken Spektrum spöttisch zum Thema gemacht.

AfD-Co-Fraktionschef Ulrich Siegmund (35) mit einer "Linke Tränen"-Tasse.
AfD-Co-Fraktionschef Ulrich Siegmund (35) mit einer "Linke Tränen"-Tasse.  © Jan Woitas/dpa POOL/dpa

6. Oktober, 11.17 Uhr: Alterspräsidentin eröffnet Sitzung

Alterspräsidentin Eva von Angern (49, Linke) eröffnet die erste konstituierende Sitzung des Landtags. Diese Aufgabe steht ihr zu, da kein anderer Politiker dem sachsen-anhaltischen Parlament länger angehört als sie.

In ihrer Eröffnungsrede kritisiert sie den niedrigen Frauenanteil von nur 21,7 Prozent im Landtag, mahnt auf einen respektvollen Umgang im parlamentarischen Alltag und die Achtung des Grundgesetzes. Auch kritisierte sie den Wahlsieger AfD scharf.

"Die parlamentarische Kultur hat nach Einzug der AfD-Fraktion in den Landtag 2016 erheblich gelitten", so von Angern. Sie kritisierte, dass auch im Landtag politische Gegner entmenschlicht, niedergebrüllt oder würdelos gestellt würden.

6. Oktober, 11.06 Uhr: Proteste vor Wahl des Landtagspräsidenten

Vor Beginn der konstituierenden Landtagssitzung versammelten sich hunderte Demonstranten auf dem Magdeburger Domplatz. Der Protest richtet sich gegen die mögliche Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten.

Bei dem Protest wurden unter anderem die ersten 20 Artikel des Grundgesetzes verlesen. Co-Fraktionschef Ulrich Siegmund (35) mischte sich unter die Menschen und wurde ausgepfiffen.

Hunderte Demonstranten versammelten sich vor dem Landtag.
Hunderte Demonstranten versammelten sich vor dem Landtag.  © Hendrik Schmidt/dpa

6. Oktober, 9.58 Uhr: Siegmund sieht keinen Interessenkonflikt in möglicher Doppelrolle von Rausch

Sollte AfD-Politiker Tobias Rausch (35) in der Landtagssitzung am Dienstag zum Parlamentspräsident gewählt werden, hätte er zwei Ämter inne. Er ist auch Landesgeneralsekretär der Rechtsaußen-Partei. Ulrich Siegmund (35) sieht darin kein Problem, sagte er dem Deutschlandfunk.

Es seien "zwei getrennte Paar Schuhe", so Siegmund, "Für uns ist ganz wichtig, dass diese beiden Funktionen voneinander getrennt sind." Rausch habe Charaktereigenschaften, mit denen er für beide Positionen geeignet wäre.

Kritiker sehen hingegen einen Interessenkonflikt, weil das Amt des Landtagspräsidenten auf Neutralität und politischen Ausgleich zwischen den Fraktionen ausgerichtet ist - und zur Aufgabe des Generalsekretärs aber die Attacke auf die Gegner gehört. 

6. Oktober, 6.25 Uhr: Sahra Wagenknecht sieht AfD-Landtagspräsidenten als "Selbstverständlichkeit"

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57) verteidigte die Entscheidung ihrer Partei, einen AfD-Landtagspräsidenten mitzuwählen.

"Das BSW beendet die Brandmauer-Idiotie! Die stärkste Fraktion eines Landtags sollte auch den Landtagspräsidenten stellen - bei 44 Prozent Wählervotum sollte das eine Selbstverständlichkeit sein", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

SPD und Linke verglichen den AfD-Kandidaten mit Hermann Göring, der von 1932 bis 1945 Reichstagspräsident war. Diesen Vergleich kritisiert Wagenknecht scharf, sprach von einem "Tiefpunkt der Debatte" und einer Verharmlosung des Nationalsozialismus. "Es steht kein Göring 2.0 zur Wahl", so die 57-Jährige.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57) verteidigte die Entscheidung ihrer Partei, einen AfD-Landtagspräsidenten mitzuwählen.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57) verteidigte die Entscheidung ihrer Partei, einen AfD-Landtagspräsidenten mitzuwählen.  © Jens Kalaene/dpa

6. Oktober, 6.14 Uhr: Wahl des Landtagspräsidenten steht an

Exakt einen Monat nach der Landtagswahl findet sich das neu gewählte Parlament am Dienstagvormittag zu seiner ersten Sitzung in Magdeburg ein. Gegen 11 Uhr soll der Landtagspräsident gewählt werden.

Die AfD, die mit rund 44 Prozent die stärkste Kraft im neuen Landtag ist, stellt Tobias Rausch (35) als Kandidat. Das BSW erklärte sich bereit dazu, den Rechtsaußen-Kandidaten mitzuwählen.

Die AfD stellt Tobias Rausch (r., 35) als Kandidat zum Landtagspräsidenten zur Wahl.
Die AfD stellt Tobias Rausch (r., 35) als Kandidat zum Landtagspräsidenten zur Wahl.  © Peter Gercke/dpa

5. Oktober, 17.28 Uhr: BSW lehnt Tillschneider als Vizepräsidenten ab

Die AfD-Landtagsfraktion hat Hans-Thomas Tillschneider (48) einstimmig als Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten nominiert. Das BSW will ihn allerdings nicht unterstützen.

"Wir werden Hans-Thomas Tillschneider nicht zum Vizepräsidenten wählen. Er ist für uns kein tragbarer Kandidat", sagte BSW-Fraktionsvize Claudia Wittig (43). Sie begründete die Ablehnung unter anderem mit Tillschneiders Haltung zur Rüstungsindustrie.

5. Oktober, 16.19 Uhr: AfD nominiert Tillschneider als Vizepräsidenten-Kandidaten

Die AfD-Landtagsfraktion hat Hans-Thomas Tillschneider (48) einstimmig als Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten nominiert. Das teilte Co-Fraktionschef Oliver Kirchner (60) nach einer Fraktionssitzung in Magdeburg mit.

Ob das BSW Tillschneider bei der Wahl am Dienstag unterstützen wird, ist laut Kirchner noch offen. Das BSW hatte zuvor angekündigt, AfD-Kandidat Tobias Rausch (35) bei der Wahl zum Landtagspräsidenten mitwählen zu wollen.

Damit stehen neben Rausch auch Tillschneider, CDU-Kandidat Carsten Borchert (64) und SPD-Kandidat Armin Willingmann (63) für Posten im neuen Landtagspräsidium fest.

Die AfD-Fraktion hatte Hans-Thomas Tillschneider (48) einstimmig als Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten nominiert. (Archivbild)
Die AfD-Fraktion hatte Hans-Thomas Tillschneider (48) einstimmig als Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten nominiert. (Archivbild)  © Ronny Hartmann/dpa

5. Oktober, 15.50 Uhr: Linke kritisiert BSW wegen Unterstützung für AfD-Kandidaten

Die Linke hat das BSW für die angekündigte Unterstützung des AfD-Kandidaten Tobias Rausch (35) bei der Wahl zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt kritisiert.

Parteichef Luigi Pantisano (47) warf dem BSW vor, der AfD mit seinen Stimmen zur Mehrheit für eines der höchsten Staatsämter zu verhelfen.

Das BSW hatte zuletzt bekräftigt, Rausch bei der konstituierenden Sitzung am Dienstag mitzuwählen. Die AfD stellt 39 Abgeordnete, die übrigen vier Fraktionen kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze. Für eine Mehrheit sind 42 Stimmen nötig.

5. Oktober, 15.43 Uhr: AfD rückt im Landtag in die Mitte

Bei den Vorabsprachen zur ersten Sitzung des neuen Landtags hat AfD-Kandidat Tobias Rausch (35) nach eigenen Angaben erreicht, dass die AfD-Fraktion künftig nicht mehr ganz rechts, sondern in der Mitte des Plenarsaals sitzt.

Rausch soll am Dienstag zum Landtagspräsidenten gewählt werden. Das BSW hat angekündigt, den 35-Jährigen zu unterstützen. Andere Fraktionen lehnen seine Wahl ab.

Titelfoto: Peter Gercke/dpa

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