Von Joe Jackson
England - Im Skandal um den früheren Prinzen Andrew steht nun auch die britische Polizei wegen möglicher Mitwisser unter Druck: Nach der vorübergehenden Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor (66) wird vermehrt gefordert, auch Personenschützer der Königsfamilie zu dessen Verbindungen zum verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) zu befragen.
Gegen den Bruder von König Charles III. wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einer offiziellen Funktion ermittelt: Er soll als britischer Handelsgesandter vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben haben.
Missbrauchsvorwürfe gegen Andrew sind offiziell bislang nicht Teil der Ermittlungen. Die Londoner Polizei teilte vergangene Woche lediglich mit, sie habe "ehemalige und aktuelle Beamte" der Einheit der Metropolitan Police "kontaktiert", die für den Schutz der Königsfamilie zuständig ist.
Andrews Personenschützer wurden demnach gebeten, "sorgfältig zu prüfen", ob sie während ihrer Dienstzeit Dinge "gesehen oder gehört" haben, die für die Ermittlungen relevant sein könnten.
Ein ehemaliger Leiter der Einheit forderte nun, die Beamten nicht nur informell zu kontaktieren, sondern sie formell zu verhören. Wenn die Ermittler die Vermutung hätten, dass Andrews Personenschützer "über wichtige Beweise verfügen", müssten sie "an ihre Türen klopfen", sagte Dai Davies, der die Einheit von 1994 bis 1998 leitete, dem Sender Times Radio.
Ehemaliger Leibwächter erhebt schwere Vorwürfe
Ex-Personenschützer Paul Page (Mitglied der Einheit von 1998 bis 2004) glaubt, dass seine früheren Kollegen bei einer Aussage "Konsequenzen" fürchteten.
Page, der wegen einer Verurteilung zu sechs Jahren Haft wegen Betrugs 2009 nicht unumstritten ist, behauptet zudem, der damalige Prinz Andrew habe Mitglieder der Einheit gezwungen, gegen Sicherheitsbestimmungen zu verstoßen: Zeitweise seien an zwei bis drei Abenden die Woche junge Frauen in den Buckingham-Palast gebracht worden. Personenschützer hätten sie auch nach Hause begleitet.
Beschwerden einzelner Beamter wurden seinen Angaben zufolge an Vorgesetzte weitergegeben, "ohne dass etwas passierte".
Eine E-Mail aus dem Jahr 2010 aus den Epstein-Akten deutet zudem darauf hin, dass zwei Personenschützer von Andrew bei einem Abendessen, das der US-Finanzinvestor Epstein in Manhattan ausrichtete, als Türsteher eingesetzt wurden.
Personenschützer sollen auf Epstein-Opfer Virginia Giuffre angesetzt worden sein
Die Metropolitan Police überprüfte im Oktober zudem Informationen der Zeitung "Daily Mail", der Bruder des Königs habe seine Personenschützer auf das Epstein-Opfer Virginia Giuffre angesetzt, um Nachforschungen über sie anzustellen. "Hinweise auf strafbare Handlungen oder Fehlverhalten" habe es allerdings nicht gegeben. Giuffre nahm sich im April 2025 im Alter von 41 Jahren das Leben.
Andrew bestreitet die Vorwürfe. Seine royalen Titel und Ehren ist der 66-Jährige seit Ende 2025 los.