Sachsen-Anhalt-Wahl: CDU-Fraktionschef Schulze schließt AfD-Unterstützung aus

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Magdeburg - Eine Woche nach der Landtagswahl stehen die Parteien in Sachsen-Anhalt noch immer vor der nächsten Hürde: Die Regierungsbildung wird knifflig.

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.
Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.  © Michael Kappeler/dpa

Nach der Wahl war die vom Verfassungsschutz gesichert rechtsextreme AfD stärkste Kraft, verpasste aber die absolute Mehrheit. Deswegen müssen die Blauen nun nach Koalitionspartnern suchen.

Das derzeitig regierende Bündnis aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr zustande, da die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Die Zahlen zur Landtagswahl findet Ihr in einem separaten Artikel.

Opel überschlägt sich auf A36: Autofahrer schwer verletzt
Sachsen-Anhalt Unfall Opel überschlägt sich auf A36: Autofahrer schwer verletzt

Alle Entwicklungen rund um die Wahl in Sachsen-Anhalt lest Ihr hier im TAG24-Liveticker.

14. September, 18.29 Uhr: Schulze schließt Unterstützung für AfD aus

Der neue Fraktionschef der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (47), hat die Unterstützung der AfD bei der Bildung einer neuen Landesregierung wiederholt ausgeschlossen.

Die AfD habe nun die Aufgabe, eine Regierung zu bilden, sagte der noch amtierende Ministerpräsident Schulze am Rande einer Klausurtagung der CDU-Landtagsfraktion in Stolberg. "Da wird sie bei uns keine Unterstützung bekommen."

Wie sich die CDU später bei Initiativen der AfD im Parlament verhalten wird, ist offen. "Wir sind jetzt Opposition", sagte der 47-Jährige. Man werde genau anschauen, welche Vorschläge man ablehnen und wo man unterstützen werde, so Schulze, der eine konstruktive Oppositionsarbeit ankündigte. "Das wird bedeuten, dass wir uns dann von Fall zu Fall auch mit den Themen beschäftigen."

Sven Schulze (47, l.), neuer CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD bei der Regierungsbildung weiterhin aus.
Sven Schulze (47, l.), neuer CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD bei der Regierungsbildung weiterhin aus.  © Matthias Bein/dpa

14. September, 13.10 Uhr: Von Angern eröffnet ersten neuen Landtag

Linken-Politikerin Eva von Angern (49) wird als Alterspräsidentin die erste Sitzung des neu gewählten Landtags eröffnen. Die konstituierende Sitzung müsse spätestens am 6. Oktober stattfinden.

Von Angern sprach vorab von einem "Meilenstein", der wegweisend dafür sein könne, wie es politisch weitergeht. Besonders spannend dürfte die Wahl des neuen Landtagspräsidenten werden.

Als stärkste Fraktion hat die AfD das Vorschlagsrecht. Das BSW hatte bereits angekündigt, einen AfD-Kandidaten unterstützen zu wollen – gemeinsam kämen beide Fraktionen auf die nötige absolute Mehrheit.

Eva von Angern (49, Die Linke) wird als Alterspräsidentin die erste Sitzung des neu gewählten Landtags in Sachsen-Anhalt eröffnen.
Eva von Angern (49, Die Linke) wird als Alterspräsidentin die erste Sitzung des neu gewählten Landtags in Sachsen-Anhalt eröffnen.  © Jan Woitas/dpa

13. September, 12.34 Uhr: Kirchen wappnen sich für mögliche Abschaffung des Kirchenasyls

Die AfD drohte in ihrem Wahlprogramm bei einer Regierung in Sachsen-Anhalt das Kirchenasyl abschaffen und die Kirchen dafür auch finanziell belangen zu wollen.

Mit Hinblick auf diese Drohung denkt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) über die Auslagerung des Kirchenasyls auch in andere Bundesländer nach. "Diese Instrumente werden wir eher auslagern, weil ganz klar angesagt ist, da steht übermorgen die Polizei vor der Tür und es gibt die Abholung", sagte Landesbischof Friedrich Kramer dem Medienportal "Fokus Thüringen". Das Verfahren laufe bereits, Details wolle man aber nicht nennen, weil das Thema "hochsensibel" sei.

Kirchenasyl sei kein rechtsgeschützter Raum, sondern ein Raum der Menschlichkeit und ein informelles Übereinkommen. Es gehe darum, die Menschen zu schützen, sowohl in den Gemeinden, als auch die Asylsuchenden, sagte Kramer. 

Unter Kirchenasyl versteht man, dass Menschen, die beispielsweise von einer Abschiebung bedroht sind, vorübergehend Schutz in einem Gotteshaus finden.

Landesbischof Friedrich Kramer.
Landesbischof Friedrich Kramer.  © Hendrik Schmidt/dpa

13. September, 10.54 Uhr: CDU-Fraktion trifft sich zur Klausurtagung

Ab Sonntagabend kommt die deutlich verkleinerte CDU-Landtagsfraktion um den noch amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (47) zur Fraktionsklausur zusammen.

Bei dem Treffen in Stolberg soll die kommende Legislaturperiode vorbereitet, auf die Landtagswahl zurückgeblickt und Arbeitsgruppen gebildet werden, so eine Sprecherin.

13. September, 8.28 Uhr: Landesweite Demos für AfD-Verbotsverfahren

Am Samstagnachmittag versammelten sich rund 1000 Menschen in der Magdeburger Innenstadt und demonstrierten für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens.

Auch landesweit fanden solche "Prüf"-Demos statt, unter anderem in München, Stuttgart, Berlin oder Hamburg mit gut 25.000 Teilnehmern.

In Halle fand zusätzlich unter dem Motto "Solidarität lässt sich nicht abwählen" der diesjährige Christopher-Street-Day statt. Hier waren etwa 5000 Menschen vor Ort.

In Hamburg demonstrierten 25.000 Menschen für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens.
In Hamburg demonstrierten 25.000 Menschen für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens.  © Georg Wendt/dpa

12. September, 16.09 Uhr: Magdeburgs Generalintendant spricht von Gefahr gegen Demokratie

Magdeburgs Generalintendant Julien Chavaz (44) sagte in einem Interview mit "SWR Kultur", dass eine mögliche AfD-Regierung massive Einschnitte für die Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt mit sich bringen würde.

"Der richtige Begriff wäre Regierungstheater", sagte der Schweizer, "Das ist etwas, das in der Vergangenheit schon stattgefunden hat [...] und das ist eine große Bedrohung für die Demokratie."

Die AfD kündigte in ihrem Wahlprogramm an, künftig nur die Kultureinrichtungen, die ein "glaubwürdiges patriotisches Bekenntnis ablegen", weiter finanziell unterstützen zu wollen. "Wenn was nicht gefördert wird, findet [es] im Theater auch nicht statt", so Chavaz, "das ist eine Heuchlerei, zu sagen, es gebe keine Zensur."

12. September, 12.12 Uhr: Bundesjustizministerin Hubig sieht Beamte in der Pflicht

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57, SPD) erklärte gegenüber der "Berliner Morgenpost", dass bei einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt auch Beamte mitziehen müssten.

"Beamte schwören einen Eid auf die Verfassung. Sie müssen sich an Recht und Gesetz halten", so Hubig. Wenn ein Beamter den Eindruck habe, dass ihm rechtswidrige Weisungen erteilt werden, müsse er die Bedenken intern klar äußern. "Er kann sich nicht einfach darauf zurückziehen, dass man nur tue, was ihm gesagt wurde." 

Die 57-Jährige räumte aber auch ein, dass die Stimmung im Land aggressiver wird. "Wir müssen uns nichts vormachen. Die AfD verändert das politische Klima."

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57, SPD).
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57, SPD).  © Michael Kappeler/dpa

12. September, 10.24 Uhr: Stimm-Nachzählung bestätigt Ergebnis im Kreis Stendal

Am Freitag wurden in Sandau (Landkreis Stendal) die Stimmzettel nachgezählt. Das Ergebnis bleibt das Gleiche, teilte der Landkreis mit.

Die Nachzählung war nötig gewesen, da sogenannte Wahlbeobachter Beschwerde eingelegt hatten. Auch in anderen Landkreisen - beispielsweise im Burgenlandkreis - wurden Stimmen erneut ausgezählt, in dem Fall aber aufgrund technischer Schwierigkeiten.

12. September, 8.18 Uhr - Kreml-Chef Putin: Fehler des Westens für AfD-Sieg verantwortlich

Kreml-Chef Wladimir Putin (73) hat den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt auf Fehler des Westens zurückgeführt.

Alles, was derzeit in Europa passiere, sei das Ergebnis systematischer Fehler westlicher Staaten in Fragen der Politik, Sicherheit und Wirtschaft, sagte Putin bei einer Pressebegegnung in Neu-Delhi. Zugleich stellte er den Vorwurf in den Raum, dass die Regierungen europäischer Staaten einen offenen Konflikt mit Russland provozierten und damit ihre Bürger verunsicherten - was sich dann auch in den Wahlergebnissen in Deutschland niederschlage.

Die Bürger der europäischen Länder verstünden, was passiere, sagte der russische Präsident. Auch behauptete er, dass Russland "keine Grundlage" hätte, europäische Länder zu bedrohen und der Konflikt eher von der Seite der europäischen Staaten ausginge, nicht von Russland.

Kreml-Chef Wladimir Putin (73).
Kreml-Chef Wladimir Putin (73).  © Maxim Shipenkov/Pool EPA/AP/dpa

12. September, 8.08 Uhr: Ex-Verfassungsrichter warnt vor Alarmismus nach AfD-Erfolg

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Hans-Jürgen Papier hat nach dem Haushoch-Sieg der AfD vor Alarmismus gewarnt.

"Die Demokratie als solche ist nicht in Gefahr. Es droht kein Staatsstreich, auch kein Zerfall unserer Ordnung", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Eine Regierung auf Landesebene sei auch immer an die Regeln der Rechtsstaatlichkeit und des Förderalismus gebunden und es gebe derzeit keine Anzeichen, "dass die AfD willens und in der Lage ist, diese Ordnung zu sprengen."

Dies würde auch für eine zukünftige mögliche AfD geführte Bundesregierung gelten. "Deutschland hat - anders als der Weimarer Zeit - gefestigte rechtsstaatliche Schutzinstrumente, die eine Beseitigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung Deutschlands verhindern können, ganz gleich welche Partei dies auch versuchen mag", so der Jurist.

Titelfoto: Matthias Bein/dpa

Mehr zum Thema Landtagswahl Sachsen-Anhalt :