Kompletter Wahnsinn: Deshalb schnitt sich Vincent van Gogh ein Ohr ab!

Arles (Frankreich) - Was für ein starkes Werk! "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" startet am 18. April in den deutschen Kinos und kann mit einem grandiosen Willem Dafoe (der Grüne Kobold in der "Spider-Man"-Trilogie) in der Hauptrolle aufwarten.

Vincent van Gogh (l., Willem Dafoe) muss von seinem Bruder Theo (Rupert Friend) getröstet werden.
Vincent van Gogh (l., Willem Dafoe) muss von seinem Bruder Theo (Rupert Friend) getröstet werden.  © PR/DCM

Der Film setzt ein, als Vincent van Gogh (Willem Dafoe) sich im Herbst seines Lebens befindet. Der rastlose Maler ist auf der Suche nach sich selbst und seiner künstlerischen Ausdrucksweise. Nur eines ist ihm klar: Er wurde dazu geboren, Maler zu sein.

Doch wie kann er seine Bilder noch besser machen? 1888 zieht es den rastlosen Künstler nach Arles, Südfrankreich, wo ihn das sonnige Klima und die satte Natur zu neuen Werken inspirieren.

Van Gogh ist durchgehend auf die finanzielle Hilfe seines Bruders Theo (Rupert Friend) angewiesen. Hinzukommt, dass Vincent im Dorf mit seiner schwierigen Art aneckt und sich viele Feinde schafft.

Umso wichtiger ist es für ihn, dass Paul Gauguin (Oscar Isaac) für einige Monate zu ihm zieht und sie sich stundenlang über ihre jeweiligen künstlerischen Standpunkte austauschen können und dabei auch heftig streiten.

Als Gauguin weiterziehen will, ist Vincent deshalb so verzweifelt, dass er sich ein Ohr abschneidet, nur, damit Paul doch bei ihm bleibt, obwohl die zwei grundsätzlich verschiedene und schwierige Charaktere sind und deshalb trotz aller Wertschätzung wiederholt aneinandergeraten.

Dieser Vorfall löst bei Vincent eine schlimme Ereigniskette aus...

"An der Schwelle zur Ewigkeit" braucht den Vergleich mit "Ein Leben in Leidenschaft" nicht scheuen

"Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" verzaubert mit herrlichen Bildern voller Poesie.
"Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" verzaubert mit herrlichen Bildern voller Poesie.  © PR/DCM

Diese Geschichte ist erstklassig umgesetzt und unterscheidet sich hinsichtlich Machart und Stil deutlich vom anderen bekannten Biopic "Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft" aus dem Jahr 1956, wo der energetische Kirk Douglas den Titelhelden spielte und 1957 den "Golden Globe" als bester Hauptdarsteller gewann.

Seitdem müssen sich alle anderen Filme über den niederländischen Künstler, der als Mitbegründer der modernen Malerei gilt, mit diesem Klassiker messen lassen.

Und diesem Vergleich braucht der in den USA "At Eternity's Gate" heißende Streifen nicht aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil.

Wie der "Oscar"-nominierte Julian Schnabel ("Schmetterling und Taucherglocke", "Miral") sein Werk inszeniert, ist großes und intelligentes Kino und unterstreicht seine Klasse als Regisseur.

Ein sehr interessanter und auffälliger Punkt ist die Kameraführung von Benoit Delhomme ("Die Entdeckung der Unendlichkeit"). So ist die Kamera beinahe immer in Bewegung, folgt den Protagonisten mit außergewöhnlichen Einstellungen und zeigt immer wieder aus verschiedenen Winkeln beeindruckende Nahaufnahmen der Gesichter.

Dazu erschafft sie poetische Bilder, die in so kräftige und satte Farben getaucht sind, dass sie die Zuschauer verzaubern. Die wunderschönen Locations und die stimmige Musikuntermalung tragen allesamt dazu bei, dass es von Anfang bis Ende ein fesselnder Film ist.

Hut ab, Willem Dafoe!

Ein kerniges Gesicht, das unter Millionen anderen heraussticht: Willem Dafoe ist die größte Stärke des Filmes: Er zeigt als Vincent van Gogh eine meisterliche Performance.
Ein kerniges Gesicht, das unter Millionen anderen heraussticht: Willem Dafoe ist die größte Stärke des Filmes: Er zeigt als Vincent van Gogh eine meisterliche Performance.  © PR/DCM

Darüber hinaus fängt Schnabel seine vielschichtige Figur auf sehr unterschiedlichen Ebenen fantastisch ein.

Denn van Gogh wird in all seiner Widersprüchlichkeit gezeigt: Mal arbeitet er tagelang wie ein Berserker durch, dann wiederum ist er völlig verzweifelt und mit seinen Zeichnungen nicht zufrieden, um sich im nächsten Moment an der Schönheit der Natur zu berauschen und in Zustände der Besessenheit zu verfallen.

Gerade sein Wahnsinn und seine Halluzinationen werden elektrisierend dargestellt. Deshalb folgen die Zuschauer sowohl der Storyline, als auch dem stylischen Bildfluss durchgehend gebannt.

Dieser ganz eigene Stil hebt "Van Gogh" zudem deutlich von der Masse der Einheitsfilme ab. Auf eine andere Ebene wird "An der Schwelle der Ewigkeit" jedoch erst von Dafoe ("Platoon") gehoben.

Der profilierte Charakterdarsteller, der für seine überragende Performance in diesem Jahr völlig zurecht für den "Oscar" als bester Hauptdarsteller nominiert war, kann sich in diesem Part so richtig ausleben und all seine Stärken ausspielen, reißt das Publikum wie in "The Florida Project" im vergangenen Jahr in Gänze mit und trägt den Film über die gesamten 111 Minuten.

Nicht nur sein ausdrucksstarkes, von Falten und Furchen durchzogenes Gesicht mit den strahlend hellblauen, wachen Augen, sondern auch seine Stimmlage und Körpersprache sorgen in Verbindung mit den zeitversetzenden Kostümen für eine der besten schauspielerischen Leistungen des Jahres.

Ein Fest für die Sinne

Paul Gauguin (Oscar Isaac) ist ein Freund von Vincent van Gogh, mit dem er sich jedoch auch oft streitet.
Paul Gauguin (Oscar Isaac) ist ein Freund von Vincent van Gogh, mit dem er sich jedoch auch oft streitet.  © PR/DCM

Auch Isaac (Poe Dameron in der aktuellen "Stars Wars"-Trilogie), Mads Mikkelsen ("Doctor Strange") und Friend ("Homeland") können in ihren Nebenrollen glänzen.

Die deutsche Fassung ist übrigens ebenfalls ein Genuss, weil Dafoe hier von der kernigsten Stimme des Landes vertont wird: Dem grandiosen Reiner Schöne ("Optimus Prime" in den "Transformers"-Filmen).

Auch der kluge Schnitt, der immer wieder abrupt die Szene wechselt, aber gerade dadurch zum angenehm-verrückten Filmerlebnis beiträgt, ist ein positiver Aspekt dieses ausnehmend guten Werkes.

Dank des starken, abwechslungsreichen Drehbuchs, das van Goghs Seele einfängt und Essenz herausarbeitet, sowie der hintergründigen Dialoge entfaltet "An der Schwelle zur Ewigkeit" sein volles Potenzial und ist ein Film, der alle Sinne anspricht.

Aufgrund all dieser Punkte ist "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" dank seiner großartigen Schauspieler, der Vielschichtigkeit der Geschichte, der poetischen Bilder und des starken Schnitts ein großartiger, unbedingt sehenswerter Film, bei dem sich der Kinobesuch definitiv lohnt.

Willem Dafoe reißt die Zuschauer mit seiner Leistung als Vincent van Gogh vollends mit.
Willem Dafoe reißt die Zuschauer mit seiner Leistung als Vincent van Gogh vollends mit.  © PR/DCM

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