Mit ihm stark, ohne ihn schwach: Dynamo hat ein großes Hauptmann-Problem
Dresden - Es gibt Spieler, die sind wichtig für einen Verein - und es gibt Niklas Hauptmann (29). Er ist überlebenswichtig für Dynamo Dresden. Das ist nicht nur gefühlt so, das belegen auch die nackten Zahlen. Steht er auf dem Feld, spielt Dresden ein ganz anderes Spiel, ein besseres. Fehlt er, sieht es mau aus.
25 von 27 Spielen hat er absolviert. In Kaiserslautern und daheim gegen Bielefeld fehlte er. Nun kommt eine Statistik, die außergewöhnlich ist. Dreimal wurde "Haupe" eingewechselt und 20-mal (!) aus. Kein Zweitligaspieler wurde in dieser Saison öfter ausgewechselt.
Am häufigsten passierte das zwischen der 68. und 74. Minute. Das letzte Mal, dass er An- und Abpfiff auf dem Platz erlebt hat, war am 1. November beim 0:2 in Berlin. Zuvor passierte das beim 3:3 gegen den KSC daheim.
Man kann im Grunde die Uhr danach stellen, wann er den Platz verlässt. Selten tut das dem Dynamo-Spiel gut. Bis dahin sprintet er, grätscht, reißt das Geschehen an sich, bereitet vor und trifft.
70 Minuten Vollgas und dann raus? Schon nach dem 6:0 zuletzt daheim gegen Münster nahm der Kapitän dazu Stellung.
"Natürlich spiele ich am liebsten 90 Minuten. Aber darum geht es ja nicht, sondern es geht darum, wie der Trainer sagt: Es ist eine Vollgasveranstaltung", erklärte er: "Aufsparen an Energie gibt es nicht, sondern Vollgas. Das dann aber auch gegen den Ball, was vielleicht nicht immer so betrachtet wird. Wie läuft man an, wie coacht man seine Mitspieler um sich herum? Und das ist der mitentscheidende Part."
Niklas Hauptmann ist bei Dynamo Dresden nicht zu ersetzen
Und das fehlt, wenn er fehlt. Die Zahlen zeigen, steht er auf dem Platz, liefert die SGD. An den ersten beiden Spieltagen wurde er gegen Fürth (2:3) und Magdeburg (1:2) eingewechselt.
Danach traf der Gegner nicht mehr, die SGD bestimmte die Partien. Gegen Braunschweig kam er nach der Pause beim 0:2, sofort waren die Schwarz-Gelben trotz des 2:3 am Ende tonangebend.
Seine Auswechslungen wiegen noch schwerer. Im Hinspiel gegen Schalke (0:1), in Elversberg (2:2), in Münster (2:2), im Rückspiel gegen Elversberg (1:2), in Karlsruhe (3:3) und jetzt in Paderborn (1:2) fielen danach entscheidende Gegentore, die extrem wichtige Punkte gekostet haben.
Ohne Hauptmann verändert sich die Statik der Begegnungen, der Anker fehlt, der Dreh- und Angelpunkt, die ordnende Hand. Und so ehrlich muss man auch sein: Egal, wer für ihn in die Partien kommt. Er ist nicht zu ersetzen.
Titelfoto: IMAGO/DeFodi Images

